2. Alumni-Veranstaltung am Mindener Baufachbereich
Die Teilnehmer des Wahlpflichtfachs Baukultur & Gender der FH Bielefeld, Campus Minden, befassten sich im Rahmen dieser Veranstaltung unter Leitung des Lehrbeauftragten Elmar Kuhlmann mit dem Werdegang von Frauen in technischen Berufen. Speziell wurde der Verbleib der heimischen Absolventinnen genauer untersucht. Während dieser Recherche fiel der Werdegang dreier Ehemaliger besonders ins Auge. Daraufhin entschieden sich die Seminarteilnehmer im Rahmen der Mindener Veranstaltungsreihe "Report am Mittwoch" jüngst, eine zweite Alumni- Veranstaltung mit diesen drei Frauen zu organisieren. In dieser Veranstaltung stellten die drei Ehemaligen, Dipl.- Ing. Mareike Fänger, Dipl.- Ing. Natascha Hempel und Dipl.- Ing. Natascha Krömer, ihren beruflichen Werdegang persönlich vor.
Worum geht es? "Nicht nur das Berufsbild im Bereich Architektur und Bauingenieurwesen hat sich in den vergangenen Jahren verändert, auch die Arbeitsprozesse sind einem starken Wandel unterworfen. Die Komplexität moderner Planungs- und Bauabläufe macht die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen unverzichtbar. Neue Anforderungen an berufliche Qualifikationen in Technik und Wirtschaft verändern langjährig bewährte Traditionen in der Team- und Arbeitsorganisation und in der Führung von Unternehmen. Die stärkere Berücksichtigung der Kompetenzen von Frauen kann für die Büros und Unternehmen in Zukunft einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor darstellen. Frauen ergänzen durch ihre häufig anderen Vorgehensweisen, Schwerpunkte und Strategien die vorhandenen Qualifikationen und erweitern das Innovationspotential", fasst Professorin Mons die berufliche Situation von Frauen in technischen Berufen zusammen. Wie dies in der Praxis aussehen kann, demonstrierten die drei gut aufgelegten Referentinnen mit ganz unterschiedlichen beruflichen Ansätzen.
Natascha Hempel studierte von 1999 bis 2005 an der FH Bielefeld in Minden Architektur, im Anschluss daran absolvierte sie Ihren Master "Architektur Media Management" an der FH- Bochum. Seitdem widmete sie sich der Öffentlichkeitsarbeit in zwei namhaften Architekturbüros, bevor sie schließlich 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Fachbereich Architektur an der Jade Hochschule in Oldenburg wurde. Die beiden Ausbildungsberufe, Restauratorin und Bauzeichnerin waren, so Hempel, bei dem eingeschlagenen Berufsweg hilfreich. Für die Zukunft hat sie eine Selbstständigkeit ins Auge gefasst, keinesfalls nur deshalb, weil die Arbeitsstelle an der FH Oldenburg zeitlich begrenzt ist. Ihre Empfehlung an die künftigen Baufachfrauen: Macht das, was ihr wirklich wollt. Und - macht es mit Leidenschaft! Das sei viel wichtiger, als stur dem klassischen Berufsweg zu folgen.
Natascha Krömer war zwischen 1991 und1997 Architekturstudentin in Minden. Ein weiteres Studium der Stadtplanung an der TU Delft schloss sie im April 2000 ab. Sie arbeitet heute als Stadtplanerin in Holland. Auch Krömer schloss vor Ihrem Studium eine Ausbildung, die einer Bauzeichnerin, ab. In den Niederlanden, ihrem jetzigen Heimatland, sieht sie augenblicklich mehr Möglichkeiten für Frauen, höhere Positionen zu erreichen. Auch in Verbindung mit der, ihrer, Rolle als Mutter. Sie kritisiert jedoch zugleich die oft mangelnde Flexibilität von Frauen in Deutschland: dies müsse sich ändern, denn eine Frauenquote komme für Sie zwar in Betracht, nur müssten die Frauen diese Stellungen dann auch wollen. Künftig möchte sie sich ebenfalls selbstständig machen, da sie nach eigenem Bekunden nur eingeschränkt in schon bestehende Architektur Büros hineinpasse. Ähnlich der ersten Referentin auch Ihr Fazit zur Berufsausbildung: Wenn's vom Herzen kommt, gut, ansonsten bitte einen anderen Beruf suchen.
Die dritte im Bunde war die Wahl-Kölnerin Mareike Fänger. Nach ihrem Abitur schloss sie eine Ausbildung zur Bauzeichnerin ab, studierte von 1984 bis 1992 Architektur am Mindener FH-Fachbereich, nebenbei arbeitete sie schon zu Studienzeiten in verschiedenen Architekturbüros. 2001 - 2006 folgte ein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Köln, anschließend eine Ausbildung zur Kunstvermittlerin. Seit 2007 ist Fänger freie Mitarbeiterin des Kölner Museumsdienstes und der VHS Köln. Als Ausstellungsführerin arbeitet sie unter anderem im Kölner Ludwig-Museum. Eine weitere Arbeitsstätte sei das dortige Wallraf-Richartz- Museum, als dritten Arbeitsort nannte sie das Museum für Angewandte Kunst in Köln. Auf die Frage, was sie den Architektinnen von morgen raten würde, antwortete Fänger, dass Authentizität im Beruf wichtig sei. Ebenso rief sie auf, mutig gegenüber richtungweisenden Entscheidungen zu sein, um die eigenen Ziele zu erreichen. Und: selbstbewusst auf eigene Leistung und Stärken vertrauen, lautet die wohlmeinende Empfehlung Mareike Fängers.
Die ausgewählten Einzelbeispiele der drei beruflichen Entwicklungen zeigten "facettenreich unterschiedliche Vorgehensweisen und Tätigkeitsfelder aus dem Bereich der Architektur", so Professorin Mons in ihrem Fazit. Sind Männer erfolgreich, wenn sie alles richtig (herkömmlich, traditionell, erwartbar) angehen? Sind Frauen erfolgreich, wenn sie alles anders (unerprobt, subjektiv-differenziert, suchend) anfassen? Dies bleibt einer Beobachtung wert. Auch nach dem gelungenen, Mut machenden Veranstaltungstag in Minden.
((Verfasser: Teilnehmer des Wahlpflichtfachs Baukultur & Gender, Minden, 04.02.2011, 5.327 Zeichen m. Leerzeichen,
Bildnachweis: Abb. 1: © FH Bielefeld, Stud. Arch. Tim Tiemann))
Abb. 1
Schlussplenum der 2. Alumni- Veranstaltung am Mindener Fachbereich 2 Architektur und Bauingenieurwesen, v. l. n. r.: Initiator Elmar Kuhlmann im Gespräch mit den Referentinnen Natascha Krömer, Natascha Hempel und Mareike Fänger