FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Bildungsberatung im Kontext von Bildungsungleichheit – theoretische Leitlinien eines professionalisierten Beratungsverständnisses

Bildung, Beratung, soziale Ungleichheit, Professionalisierung


Fachhochschule Bielefeld
Fachbereich Sozialwesen
Interaktion 1
33619 Bielefeld

Projektleitung
Prof. Dr. Gertrud Siller, FB Sozialwesen

gertrud.siller@fh-bielefeld.de

 

Laufzeit
2016 – 2017

Kurzbeschreibung
Bei dem Projekt handelt es sich um die Weiterentwicklung der eigenen empirischen Forschungsarbeit zum Bildungsberatungsbedarf im Bildungs- und Weiterbildungskontext. Es baut auf vorliegende empirische Ergebnisse aus dieser Studie auf (vgl. Siller 2014). Diese Ergebnisse geben differenzierte Einblicke in Erfahrungen mit Bildungsprozessen und in Bedarfsstrukturen für Bildungsberatung von Menschen mit Migrationsgeschichte. Deutlich wird zum einen eine große Komplexität und Heterogenität ihrer Bildungserfahrungen, zum anderen eine große Spannbreite möglicher Beratungsbedarfe und Vorbehalte gegenüber Bildungsberatung als arbeitsmarktpolitisches Steuerungsinstrument. Es zeigt sich, dass die Befragten ihren zu reflektierenden „Gegenstand“ bzw. ihren Bedarf an Unterstützung in Bildungsfragen alltagstheoretisch aus ihrem jeweiligen lebensweltlichen Kontext heraus definieren. Diese Ergebnisse verweisen auf notwendige Erweiterungen der theoretischen Wissens- und Reflexionsbasis in Konzepten professioneller Bildungsberatung. Deshalb schließe ich nun eine theoretische Arbeit zum Verständnis von Bildung und ihrer Verknüpfung mit Beratung an.

Im Mittelpunkt steht vor allem die kritische Reflexion eines Bildungsverständnisses, das darauf setzt, die einzelnen Subjekte ihre Bildungsprozesse – wenn nötig mit Beratung – individuell und selbststeuernd regulieren zu lassen. Eine zentrale These ist, dass dieses Bildungsverständnis Gefahr läuft, gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse zu verschärfen statt mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen, weil es die Bedeutung von lebensweltlich bezogenen informellen Bildungsprozessen als wesentliche Voraussetzung für institutionelle Bildungsprozesse zu wenig mit in den Blick nimmt. Entwickelt werden theoretische Leitlinien für ein an Erweiterung von Möglichkeitsräumen orientiertes Beratungsverständnis und für Eckpfeiler eines diesem Verständnis entsprechenden Professionalitätsverständnisses. Als heuristische Grundlage dient dazu vor allem der von Sen und Nussbaum entwickelte gerechtigkeits- und ungleichheitstheoretisch fundierte Capability Approach (Befähigungs- bzw. Fähigkeitenansatz).