FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
05.02.2019

„Das Interesse an nachhaltigen Lösungen war bei uns schon immer vorhanden“

- Interview mit Daphne Correll

Vom 18.12 bis zum 20.12.2018 war die Designerin Daphne Correll vom New Yorker Label „CorrellCorrell“ am Fachbereich Gestaltung zu Gast, um einer Gruppe von Modestudierenden bei der Kreation neuer Entwürfe zu helfen. Im Interview spricht sie über ihre Gedanken zur Nachhaltigkeit in der Mode, über ihr Label und über die Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden des Workshops.

Daphne Correll (rechts) mit ihrer Zwillingsschwester Vera Correll (links)

 Frage:

Gemeinsam mit deiner Schwester führst du seit 2006 das Modelabel „CorrellCorrell“. Bei euren Kollektionen legt ihr den Schwerpunkt auf den Einsatz von Handarbeit und recycelten Materialien, um besondere Unikate zu schaffen. Woher kommt euer Interesse an dieser Arbeitsweise?

 

Daphne Correll:

Das Interesse an nachhaltigen Lösungen war bei uns schon immer vorhanden und hat auch damit zu tun, zu welcher Zeit unsere Generation aufgewachsen ist. Als meine Schwester und ich Teenager waren, wurde das Prinzip „Fast Fashion“ gerade erst groß. Unsere Eltern haben uns noch zum Reparieren von kaputter Kleidung erzogen und nicht zum Wegwerfen. Angesichts der rasanten Produktion von Kleidungsstücken und dadurch auch unglaublich viel Müll machten wir uns auf den Weg, nach Lösungen zu suchen. Abgesehen von diesem Thema, in seiner Problematik aktueller denn je, kommt unser Interesse am Recycling aber auch einfach daher, dass wir als Jugendliche schon unfassbar gerne für uns selbst Kleidung entworfen haben. Und die Beschaffung der Materialien dafür war da dann einfach eine Budgetfrage.

 

Frage:

Das Thema Nachhaltigkeit erfährt derzeit eine größere Aufmerksamkeit als noch vor ein paar Jahren. Eine Vielzahl an neuen Labels widmet sich der Suche nach nachhaltigeren Herstellungsmethoden und auch größere Fast Fashion Labels scheinen die Gewichtung dieses Aspekts zu überdenken und bieten im kleinen Rahmen fair produzierte Kleidungsstücke an. Bei diesem Phänomen könnte es sich um einen Trend oder aber auch um den Beginn eines großen Fortschrittes handeln. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?

 

Daphne Correll:

Der Aspekt der Nachhaltigkeit sollte nicht nur eine Form sein, sondern von Modelabels grundsätzlich als ganz zentraler Inhalt behandelt werden. Hierbei halte ich es für wichtig, dass die Auseinandersetzung sehr ernsthaft und für Außenstehende transparent geführt wird. Es bringt beispielsweise nichts, Bio-Baumwolle zu verwenden, wenn diese von weit her transportiert und dann noch auf schädliche Art und Weise gefärbt wird. Die Konsumenten stellen Fragen nach der Nachhaltigkeit und diese sollten nun von unserer Seite präzise und verantwortungsvoll beantwortet werden. Alle, die Mode machen, müssen sich jetzt mit diesem Thema beschäftigen. Alle Menschen müssen das tun.

 

Frage:

Der Einsatz von recycelten Materialien hat sich für euch bewährt und scheint sehr gut zu funktionieren. Geht ihr bei der Suche nach Textilien und auch bei der Arbeit mit diesen nach einem bestimmten Schema oder nach Regeln vor, oder ergibt sich die Herangehensweise immer wieder neu?

 

Daphne Correll:

Um auch als Label erfolgreich mit recycelten Materialien arbeiten zu können, ist es wichtig, mit den Unregelmäßigkeiten recycelter Textilien geschickt umgehen zu können. Nach einer langen Entwicklungsphase haben wir eine Methodik für uns gefunden, die funktioniert.

 

Frage:

Bei deinem Vortrag im Rahmen der Berufsfelder-Reihe am 17.12. hast du bereits erzählt, dass du anders als deine Schwester nicht Mode, sondern Grafik studiert hast. Als ihr an eurem ersten gemeinsamen Modeprojekt, einer Kollektion von T-Shirts, gearbeitet habt, hat sie bei der Recherche mehr auf Material und Schnitt geschaut, während Farbe und Schriftzug dein Interesse geweckt haben. Ist es auch jetzt so, dass deine damalige Ausbildung deine Beobachtungs- und Arbeitsweise mit beeinflusst?

 

Daphne Correll:

Das würde ich nicht sagen, denn wir haben beide schon immer interdisziplinär gedacht. Ich bin schlussendlich in die Modebranche eingestiegen, weil mein Interesse dort schon lange lag. Der Bereich war für mich somit nicht neu, sondern etwas, zu dem ich in gewisser Weise zurückgekehrt bin. Typografie-Elemente als gestalterisches Element faszinieren mich persönlich aber immer noch.

 

Frage:

Wir als Studierende haben unseren beruflichen Weg noch vor uns. Einige werden über die Selbstständigkeit nachdenken. Wann war für euch klar, dass ihr ein Label gründen wollt?

 

Daphne Correll:

Bei der Entscheidung, ein eigenes Modelabel zu gründen, waren zwei Punkte zentral. Erstens: Verdienen wir mit dem, was wir machen, Geld? Zweitens: Haben wir unsere Nische gefunden? Haben wir unsere Identität als Designerinnen definiert und wissen wir genau, was wir der Welt sagen möchten? Als der Zeitpunkt gekommen war, an dem wir alle Fragen mit „Ja“ beantworten konnten, haben wir „CorrellCorrell“ gegründet.

 

Frage:

 „CorrellCorrell“ habt ihr in New York gegründet und euch euren Kundenkreis von dort aus aufgebaut. Ihr versucht, Teile der Fertigung, die nicht in eurer eigenen Werkstatt stattfinden, dennoch in New York ausführen zu lassen. Viel davon wird dann an die Werkstätten im Garment District in Manhattan weitergeleitet. War die Existenz der vielen dort angesiedelten Werkstätten ein Grund für eure Entscheidung, nach New York zu gehen?

 

Daphne Correll:

Unsere Wahl ist damals auf New York gefallen, weil unser interdisziplinärer Gestaltungsansatz gut dorthin passte. Als wir dann vor Ort waren, hat es uns viel Spaß gemacht, das Garment District zu entdecken. Hingezogen sind wir deswegen also ursprünglich nicht, aber heute wäre das für mich ein Grund, von Mexiko, wo ich heute wohne, zurück nach New York zu ziehen.

 

Frage:

Du hast drei Tage am Fachbereich Gestaltung verbracht und den Teilnehmenden des Seminars „Studio Lampingstraße“ bei ihren Projekten geholfen. Wie war die Zusammenarbeit für dich?

 

Daphne Correll:

Meine Idee für die Zusammenarbeit mit den Studierenden war, die oft auftretende Blockade bei der Umsetzung eines Entwurfs durch ganz schnelles Arbeiten zu lösen. Besonders junge Designerinnen und Designer zögern meist, mit wertvollen Materialien in die konkrete Umsetzung zu gehen. Durch die Ermutigung zum direkten Anpacken und Ausprobieren sollte ein produktiveres Arbeitsklima entstehen. Den Studierenden bei der Ausführung dieses Konzepts zuzusehen war super spannend. Ich empfinde es als sehr schön, in einem Raum zu sein, in dem viel gearbeitet wird. In der Luft liegen dann so viel Wissensdurst, Ehrgeiz, Konzentration und Kreativität. Und das beobachten zu können, macht mir viel Spaß. Ich habe gerne mein Wissen geteilt und bin gespannt, was nach dem Workshop nun in der Weiterarbeit an den Projekten herauskommt.

Daphne Correll wurde in Deutschland geboren und hat in Amsterdam studiert. Gemeinsam mit ihrer Schwester Vera Correll gründete sie 2006 das Label „CorrellCorrell“ in New York. Ein grundlegender Bestandteil ihrer Kollektionen ist der Einsatz von Handarbeit und Recycling. Heute lebt Daphne Correll in Mexiko.

Das Interview wurde von Greta Berghoff geführt. Sie studiert im fünften Semester Modedesign am Fachbereich Gestaltung und hat am Workshop mit Daphne Correll teilgenommen.