FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
13.12.2018

"Studio Lampingstr"-in Handarbeit vollkommen neue Formen erreichen

Seit dem Wintersemester 2018/19 wird am Fachbereich Gestaltung das Seminar „Studio Lampingstraße“ für angehende Modedesignerinnen und -designer angeboten, bei dem sich die Teilnehmenden diversen Handarbeitstechniken annehmen und diese neu interpretieren. 

Webkunst in ihrer Neuimterpretation

Wir leben in einer Zeit, in der Modeketten täglich neue Entwürfe zu extrem geringen Preisen anbieten und alles, was das Konsumentenherz begehrt, innerhalb von zwei Tagen auch bis vor die Haustür liefern. Die Notwendigkeit, Kleidungsstücke selbst zu reparieren und so deren Wert und Langlebigkeit zu unterstützen, existiert nicht mehr. Neukaufen ist unkomplizierter und Ersatz lässt sich für ein paar Euros finden.  
Als Modestudentin wird man durch diese Situation vor die Frage gestellt, in welche Richtung der Weg der Mode führt- gerade auch was die eigene berufliche Zukunft betrifft.

Wie wird Kleidung in Zukunft gekauft? Was weise ich an Fertigkeiten, Wissen und Erfahrung auf und unter welchen Bedingungen möchte ich meine Expertise anbieten? Was müssen Modedesignerinnen und -designer anbieten, damit die Kundinnen und Kunden erkennen, dass man als schaffende Person dafür wichtig ist und dass diese Arbeit die Investition von Geld wert ist? 

„Studio Lampingstraße“ vereint Studierende, die in dem Element der Textur und dem dafür notwendigen Einsatz von Handarbeit und Zeit eine mögliche Antwort auf die oben aufgeführten Fragen sehen. Wenn die Materialwahl überlegt und aus einem Interesse für Innovation heraus getroffen wird, erhalten die fertigen Kleidungsstücke dadurch eine einzigartige Haptik. Diese wird beim Tragen wahrgenommen und steht auch in ästhetischer Hinsicht für sich.

Wissen über Handarbeitstechniken

Zu Beginn des Seminars haben sich die Teilnehmenden mit einer selbstgewählten Handarbeit auseinandergesetzt: Es wurde recherchiert, woher die Technik kommt, welche Geschichte sie birgt und welche Anwendungsgebiete es gibt. Anschließend wurde untersucht, welche Möglichkeiten entstehen, wenn man mit Materialkombinationen experimentiert, vermeintliche Regeln bricht und dadurch moderne Kombinationen und Texturen erschafft. 

Viele der im Seminar gewählten Techniken haben gemeinsam, dass sie nicht für wenig Geld und auch nicht auf Masse hergestellt werden können- ein geduldiger Mensch mit der nötigen Ausbildung ist die Voraussetzung für eine solche Art des Modedesigns. In teilweise in Vergessenheit geratenen Techniken lassen sich spannende Ansätze finden, die belegen, dass man zukunftsweisende Ideen auch entwickeln kann, indem ein Blick in die Vergangenheit geworfen wird.  

Philipp Rupp, Professor für Kollektionsgestaltung und Modedesign, sieht als Lehrender des Seminars in dem Punkt der Erneuerung das besondere Potenzial des Projekts: 

 „Es geht nicht darum, etwas nachzuarbeiten, das man schön findet, sondern explizit darum die jeweilige Technik relevant zu machen für die Welt, in der wir leben.“ 

So wird in „Studio Lampingstraße“ ein weites Spektrum an Umsetzungen gefördert. Alles an Equipment und auch freie Abwandlungen von Techniken sind erlaubt und gewünscht. Die Studierenden haben gemeinsam einen Fundus aus möglichen

Materialien und Texturproben aufgebaut, der für den ganzen Kurs frei zugänglich ist. Auch Recyceltes findet seine Anwendung und kann in Handarbeit vollkommen neue Formen erreichen. 

Bis Ende des Wintersemesters wird noch eine Vielzahl an textilen Entwürfen angefertigt. Darüber hinaus werden einige davon in einem mehrtägigen Workshop gemeinsam mit Daphne Correll, der Designerin und Gründerin des New Yorker Labels „Correll Correll“, bei der Entwicklung von Kleidungsstücken eingesetzt.

Die Teilnehmenden können ihre selbst kreierten Textilien somit in der Umsetzung erproben und gehen mit tragbaren Ergebnissen aus dem Seminar heraus. Das neu erlernte Wissen über Handarbeitstechniken kann das individuelle Schaffen auch in der weiteren Zukunft der Studierenden bereichern. 

Greta Berghoff ist Teilnehmerin des Seminars „Studio Lampingstraße“ und studiert im fünften Semester Modedesign an der FH für Gestaltung Bielefeld. 

Webkunst in ihrer Neuinterpretation. Foto:Mara Julia Engelsberger