FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
19.12.2017

Vorhang auf für Hanna Zeckau

Die mehrfach ausgezeichnete Berliner Illustratorin, Buchgestalterin und Grafik-Designerin Hanna Zeckau bietet im Januar den Illustrations-Workshop Album Cover Art an. Da ihr Besuch kurz bevorsteht – hier ein Kurzinterview zu ihrer Person und ihrer Arbeit:          

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1. Ihre Arbeiten zeigen ein unglaublich weit gefächertes, zeichnerisches Spektrum. Wo suchen Sie Ihre visuellen Inspirationen für Ihre inhaltlich doch sehr unterschiedlichen Projekte? Wenn man zum Beispiel den »Schmetterlingskoffer« der Platten-Covergestaltung von »Captain Peng und die Tentakel von Delphi« gegenüberstellen- wie gehen Sie dabei vor?

Mit jedem Projekt beschäftige ich mich erstmal inhaltlich, grüble, recherchiere und mache Scribbles. Dabei entsteht meist eine Grundidee für die Gestaltung, die Umsetzung ergibt sich dann fast wie von selbst. Das Wichtigste ist, denke ich, die Thematik inhaltlich abzuklopfen. Beim »Schmetterlingskoffer« hatte ich diesen unglaublichen Fund vor Augen, ein großer Reisekoffer, gefüllt mit wunderschön bedruckten alten Zigarrenkisten, und in diesen Tausende von Schmetterlingen. Da musste ich nicht nach visueller Inspiration suchen, alles lag ja in seiner ganzen Pracht direkt greifbar vor mir. Beim Album-Artwork für »Käptn Peng und die Tentakel von Delphi« lief es etwas anders. Erstmal habe ich mit dem Sänger gesprochen, der auch die Texte schreibt. Er hatte schon relativ klare Vorstellungen von einem Treppenlabyrinth, so war es klar, in welche Richtung das Cover gehen soll. Die Ideen sind hier vor allem aus den Gesprächen und den Songtexten entstanden. Beim Zeichnen bin ich immer tiefer in diese Welt eingetaucht, irgendwann ergibt sich dann eine Idee aus der anderen. Ich habe mir aber auch zum Beispiel das Vorsatzpapier aus Tomi Ungerers Kinderbuch Der Zauberlehrling angesehen. Das war für den Beginn meiner Arbeit durchaus eine Inspiration.

 

2. Mit welchen Materialien arbeiten Sie am liebsten? Arbeiten Sie noch viel analog?

Bei den meisten meiner Arbeiten ist es eine Mischung aus Analog und Digital. Ich zeichne zuerst analog mit Bleistift, Fineliner und Tusche und koloriere dann fast immer digital – wobei ich auch hier teilweise analoge Elemente verwende. Nur bei ganz freien Projekten arbeite ich komplett analog, meist mit Wasserfarben und Farbstiften.

 

3. Ihr Label-Name ist Kiosk Royal. Wie kam der eigentlich zustande?

Den Namen habe ich während des Studiums mit zwei Kommilitonen erfunden. Wir haben damals ab und zu Flyer für Clubveranstaltungen gemacht und wollten uns einen schicken Namen geben, den man dann klein auf die Flyer setzen kann. Kiosk, weil man bei uns etwas kaufen kann, und Royal, weil unser Zeug natürlich allererste Sahne ist!

 

4. Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten und warum?

Ich liebe Literatur, es würden mir schon ein paar Autoren einfallen, die großartige Texte schreiben und mit denen ich am liebsten gemeinsam Buchprojekte machen würde. Idealerweise entwickelt man den Stoff wirklich gemeinsam. Ich würde also am liebsten nicht nur bestehenden Text illustrieren.

 

5. Was ist, Ihrer Meinung nach, die größte Herausforderung als Illustratorin?

Illustratorinnen und Illustratoren werden weltweit viel zu schlecht bezahlt. Angemessene Preise durchzusetzen und auch mal Nein sagen zu können, wenn der Preis nicht stimmt. Das ist aber schwierig, wenn der Auftraggeber zum Beispiel sehr renommiert ist. Da muss man abwägen, ob man sich ein wenig ausbeuten lässt, dafür aber den »Fame« genießt.

 

6. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in den Workshop an unserem Fachbereich?

Ich habe in Berlin studiert und arbeite hier seit über zehn Jahren. In Berlin treten sich die Kreativen überall auf die Füße, das kann manchmal auch etwas anstrengend sein. Die FH Bielefeld stelle ich mir eher als Oase vor, wo das Besondere des Kreativseins, Gestaltens und Zeichnens noch mehr zu spüren ist.

 

7. Haben Sie einen Tipp, den Sie angehenden Illustratorinnen und Illustratoren mit auf den Weg geben würden?

Ich glaube, eine gute Bachelor- oder Masterarbeit ist total wichtig. Steckt da richtig viel Energie rein! Nach dem Studium hat man meistens nicht mehr so viel Zeit für ein Projekt. Da muss man dann ja plötzlich Geld verdienen und bekommt nichts mehr von zuhause oder vom BAFöG-Amt. Ich kenne einige Leute, die mit einer guten Abschlussarbeit Fuß fassen konnten: die zum Beispiel einen Verlag gefunden haben, der ihre Arbeit veröffentlicht hat. Und im besten Fall lief es dann auch weiter ganz gut.

 

Vielen Dank für das nette Gespräch! Dann sehen wir uns im Januar wieder!

Weitere Informationen zu Hanna Zeckau unter: www.kiosk-royal.com

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Zur Person: Hanna Zeckau absolvierte die Kunsthochschule Weißensee und lehrt seit 2013 Wissenschaftliche Illustration an der Berliner Technischen Kunsthochschule (BTK).

Das Interview führte Natalia Stankiewicz. Sie studiert seit dem Wintersemester 2017/18 im Master Grafik-  und Kommunikationsdesign am FB Gestaltung.      

Illustrationen: Hanna Zeckau