FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
20.01.2016

„People / Square – 16 fotografische Blicke auf Shanghai“

Fotografie-Studierende stellen in der Bielefelder Kunsthalle bis zum 29. Februar aus.

Bielefeld (fhb). "People /Square - 16 fotografische Blicke auf Shanghai", so heißt die Ausstellung im Untergeschoss der Bielefelder Kunsthalle. Am 14. Januar wurde sie eröffnet, am 29. Februar wird sie schließen. "Wir sind stolz, hier im Nachwuchsforum in der Kunsthalle ausstellen zu dürfen", meinte Professor Roman Bezjak anlässlich der Eröffnung vor rund 150 Gästen abends am 13. Januar.

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Er, der Dekan des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld, schaute dabei in Richtung Dr. Friedrich Meschede, seines Zeichens Direktor der Kunsthalle, der sich hatte überzeugen lassen von der Idee, dass eine "Klassenfahrt", so nannte Meschede das in seiner Begrüßung, von Fotografie-Studierenden durchaus Interessantes, Ambitioniertes,  Sehens- und damit Ausstellungswertes zu Tage fördern könnte. Bezjak ergänzte: "Es war keine beschauliche Klassenfahrt, kein Urlaub, sondern harte Arbeit, diese Exkursion drei Wochen lang im Mai vergangenen Jahres." Für die Studierenden sei es "ein Sprung ins kalte Wasser gewesen": ein fremder Ort, eine fremde Kultur und der Anspruch, die Wirklichkeit mit der Kamera zu dokumentieren, abzubilden. Und das inmitten einer 26 Millionen Einwohner zählenden Großstadt voller Widersprüche und Lebensfreude. Pierre Smolarski stellt in seinem einführenden Beitrag im Katalog zur Ausstellung fest: "Eine Stadt ist kein semantisch homogener Raum. Es gibt Orte der Verdichtung von Bedeutung, die man als Places bezeichnen kann. Genau genommen besteht eine Stadt aus solchen Places, die wie Inseln in einem Meer des relativ bedeutungsarmen Space treiben." Es galt , diese Plätze zu entdecken.

16 Arbeiten sind entstanden, 15 von Studierenden, zudem eine vom begleitenden Professor Bezjak mit dem Titel "On_line". Er hat in der U-Bahn von Shanghai beobachtet, wie der öffentliche Raum zur Privatsphäre wird, indem die Fahrgäste sich auf ihr Smartphone konzentrieren und die Umwelt vergessen. "Auf dem Dorf will jeder gegrüßt sein. In der Stadt nicht. Das Dorf ist im Smartphone. Dort begrüßen wir alle, die wir kennen und mögen", heißt es im Begleittext zur Ausstellung.

Weitere Arbeiten: Zum Beispiel die von Nadja Kuschel ("Shanghai Streets"), die "auf den Spuren der Tradition und der chinesischen Kultur", so der Begleittext zur Ausstellung, mit der Abenddämmerung den "Trubel der Einheimischen" wahrnahm. "Inmitten der unruhigen Stadt eröffnen sich in kleinen Seitengassen Bilder, in denen in offenen Küchen gekocht, gegessen und ins Gespräch gekommen wird, die Zeichen der Moderne werden durch die malerische Ästhetik der Szenen überdeckt. So passiert es, dass die Zeit für einen Moment stehen bleibt." Und genau dies halten ihre eindrucksvollen Fotografien fest.

Weiteres Thema: "Somnambul" von Clara Maksimovic, die ihre Begegnungen mit den Bewohnern und deren "absolute Gelassenheit" ins Bild rückt. Die Menschen haben es verstanden, sich im Trubel der Überbevölkerung "auf dem Fleck, auf dem sie gerade stehen, gemütlich zu machen". Und das drückt sich zum Beispiel im Tragen von Pyjamas aus: "Ich treffe einfache Menschen, die Karten spielend im Pyjama in ihren Vorhöfen sitzen - nicht aus Prestigegründen, sondern weil es bequemt."

Michael Kohls hat "die allgegenwärtige Spannung in Shanghai zwischen Tradition und Moderne im Umgang mit Homosexualität" bemerkt und Porträts junger, selbstbewusst aussehender Menschen gemacht. Erkannt hat er: "Ältere Generationen stehen mit ihrem Doppelleben im verborgenen und ihrer Suche nach Refugien im Kontrast zur jüngeren Generation, die immer häufiger das klassische Bild von Sexualität durchbrechen und sich freimachen von gesellschaftlichen Konventionen und traditionellen Familienbildern."

Des Weiteren geht es auch um Architekturentwürfe, um einen Hochzeitsmarkt, um Fußballstadien, um Wandelgärten, um Kinder aus der Mittelschicht und um Skateboard. Interessierte finden dies alles in der Kunsthalle und im Katalog zur Ausstellung auf knapp 100 Seiten gut dokumentiert. Hier  ist auch ein "besonderer Dank" ausgedrückt. Er geht an das Akademische Auslandsamt, den Fachbereich Gestaltung und die Fördergesellschaft der FH Bielefeld für die Unterstützung des Shanghai-Projekts.