FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
12.07.2019

„Eine einmalige Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen darf!“

MINT-interessierte Schülerinnen und Schüler aus dem Kreis Gütersloh besichtigen Beckhoff Automation.

Schülerinnen schauen sich Produkte an.

Um Schülerinnen und Schüler bei ihren Vorbereitungen auf ein zukünftiges Studium im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zu unterstützen, bieten sechs Schulen im Kreis Gütersloh seit 2017 Vorkurse im Fach Mathematik an. Im Rahmen dieser von der FH Bielefeld, Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM), geförderten Vorkurse haben teilnehmende Schülerinnen und Schüler am 02. Juli das Unternehmen Beckhoff Automation GmbH & Co. KG bei einer Unternehmensbesichtigung näher kennengelernt.

23 MINT-interessierte Schülerinnen und Schüler der Qualifizierungsstufen (Q1) aus dem Kreis Gütersloh nutzten dieses Angebot. Beteiligt waren die Gymnasien aus Rietberg und Versmold, das Städtische Gymnasium Gütersloh, das Einstein Gymnasium aus Rheda und das Rastgymnasium Wiedenbrück. „Da die Mathe-Vorkurse genauso freiwillig sind wie die Einladung zur Betriebsbesichtigung, haben wir hier eine Gruppe ernsthaft interessierter Schülerinnen und Schüler, die sich über Möglichkeiten nach der Schulausbildung informieren möchten, und das unterstützen wir gerne“, freut sich Vanessa Prott-Warner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Campus Gütersloh und Mitverantwortliche für den Bereich „Übergang Schule / Studium“.

Beckhoff ist einer von derzeit 179 Kooperationspartnern der praxisintegrierten Studiengänge der FH Bielefeld am Campus Gütersloh, die ihre Türen für den potentiellen Nachwuchs öffnen. „Das Besondere an dieser Art der Betriebsbesichtigungen ist, dass unsere ehemaligen Studierenden den Studieninteressierten vor Ort ihre Arbeitsplätze zeigen und ihre Erfahrungen auf Augenhöhe schildern können. Sie sind noch nah dran und wissen genau, welche Fragen die jungen Menschen heute bei der Studien- und Berufswahl bewegen“, so die Einschätzung des IuM-Dekans Prof. Dr. Lothar Budde.

In den Räumlichkeiten der Unternehmenszentrale von Beckhoff in Verl wurde die Gruppe freundlich in Empfang genommen. Alexandra Kerkhoff, Absolventin des praxisintegrierten Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen, arbeitet im Rahmen ihres Masterstudiums bei Beckhoff. Sie stellte den Gästen das Unternehmen im Überblick vor und erklärte den technikaffinen Schülerinnen und Schülern, was Automatisierungstechnik genau bedeutet und in welchen Sparten die Steuerungstechnik von Beckhoff zum Einsatz kommt. Diese werde beispielsweise in der Fertigungs- oder Prozessindustrie, im Schiffbau, in der Wasserwirtschaft oder auch in der Gebäudesteuerung nachgefragt. Die Schülerinnen und Schüler waren überrascht, wo die Steuerungstechnik überall verbaut ist.

Nach den Vorträgen leitete Beckhoff-Mitarbeiterin Theresa Hunt in die Betriebsbesichtigung ein. Für diese erhielten die Gäste Schutzkleidung bestehend aus Kittel und Schuhüberzug zwecks Erdung, sodass die jeden Menschen umgebende elektrostatische Aufladung die Beckhoff-Produkte nicht beschädigen kann. Mit dieser Spezialkleidung und einem Head-Set ausgestattet ging es zum Bus, der die Gruppe zu den nicht weit entfernten Produktionsstätten brachte. Zuerst besuchte man die Firma Smyczek GmbH, die seit 2009 zur Beckhoff Unternehmensgruppe gehört. Smyczek bestückt die Leiterplatten für die Beckhoff-Produkte und dient gleichzeitig als Bereitstellungszentrale von rund 800 Millionen elektronischen Bauteilen.

Anschließend erfolgte die Besichtigung der Industrie-PC-Produktion. Dort bekamen die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die Herstellung von Industrie-PCs und Control Panels. Das Unternehmen betonte die Vorzüge einer lokalen Produktion. Das erleichtere nicht nur den Gesamtablauf, sondern sei auch gut für den Wirtschaftsstandort Deutschland, erklärten die Beckhoff-Mitarbeiter, die die Schülergruppe durch die Produktion führten.

Auf der Rückfahrt zum Hauptsitz hörte man viele begeisterte Stimmen im Bus durcheinanderreden: „Toll, dass wir den Mitarbeitern bei der Arbeit über die Schultern schauen durften“, findet eine Gruppe der Schülerinnen. Agon, ein Schüler des Gymnasiums in Rietberg stellt für sich fest: „Als Schüler hat man zwar eine grobe Vorstellung vom Wunschberuf, allerdings weiß kaum jemand in unserem Alter, was sich hinter den Berufen genau verbirgt. Durch die Betriebsbesichtigung konnte ich einiges dazulernen.“ Sein Mitschüler Ferdinand ergänzt: „Eine einmalige Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen darf! Ich bin froh, meinen Horizont durch den Tag bei Beckhoff erweitert zu haben.“ Nils Weinberg ist Mathelehrer am Gymnasium in Rietberg und begleitete die Gruppe. Er fördere solche Möglichkeiten und verriet: „Viele meiner Schülerinnen und Schüler sind sehr heimatverbunden. Umso schöner, dass es in der direkten Umgebung so tolle Schülerangebote gibt. Ich bin heute das erste Mal mit dabei und begeistert vom Programm!“

Nach der Betriebsbesichtigung interessierte viele Schülerinnen und Schüler, in welchen Berufen bei Beckhoff ausgebildet wird. Theresa Hunt erklärte, dass Beckhoff in Sachen Nachwuchsförderung sehr engagiert sei. Es würden jährlich rund fünf Millionen Euro in junge Talente investiert. Für Schulabgänger gibt es grundsätzlich zwei Wege, um bei Beckhoff einzusteigen: Mitarbeiter Fabian Johann-Vorderbrüggen gab Einblick in die Ausbildungsberufe des Unternehmens. Zurzeit seien 106 Auszubildende im Betrieb, die für acht Berufe ausgebildet würden. Theresa Hunt erklärte anschließend Konzept und Ablauf des praxisintegrierten Studiums der FH Bielefeld. Beckhoff zähle aktuell 88 Studierende aus fünf praxisintegrierten Studiengängen des Fachbereichs IuM am Campus Gütersloh. Im Schnitt würden jährlich zwischen 25 und 30 Studierende eingestellt.

Um nach den Eindrücken des Tages einen präzisen Einblick in die Berufsfelder bei Beckhoff zu bekommen, stellten zwei ehemalige Studierende des Campus Gütersloh abschließend ihren persönlichen Werdegang dar. 

Einer von ihnen ist Tobias Kempe. Nach dem Abitur studierte er im praxisintegrierten Bachelorstudiengang Mechatronik/Automatisierung. Im Februar dieses Jahres schloss er sein Studium mit dem Bachelor of Engineering ab und ist seither im Produktmanagement bei Beckhoff tätig. Was das in der täglichen Praxis bedeutet, erklärt Kempe so: „Bei uns im Team beschäftigen wir uns aktuell mit der Markteinführung eines Produkts im Bereich der industriellen Bildverarbeitung. Dies erfordert sowohl umfassendes technisches Verständnis als auch Kenntnisse über die Marktsituation und die Abstimmung mit den Kunden. Jeder Kunde hat andere Herausforderungen: was sehr schön ist, da ein Produkt so nie fertig sein kann.“ Darüber hinaus gehöre die Unterstützung der Marketingabteilung und die Erstellung von Lehrmaterialien zu seinen momentanen Aufgaben.

Zudem stellte sich Vivienne Boos vor, die ebenfalls nach dem Abitur den praxisintegrierten Bachelorstudiengang Automatisierung/Mechatronik an der FH Bielefeld absolvierte. Auch sie habe nur gewusst, dass sie einen technischen Beruf aufnehmen wolle. Mehr als die grobe Richtung konnte sie selbst zu Beginn ihres Studiums nicht benennen und das sei auch alles andere als schlimm. „Bei Beckhoff ist es beispielsweise so, dass man während der ersten zwei Semester sämtliche Abteilungen des Unternehmens durchläuft. Man lernt Bereiche kennen, von denen man noch nie gehört hat und erkennt im Laufe der Zeit ganz von selbst, in welche Richtung man gehen möchte“, so Boos. In den letzten 2,5 Jahren des Studiums werde man einer Fachabteilung zugeordnet, in der man auch fest eingebunden ist. Die Wahl der Fachab-teilung beeinflusse man mit. Heute ist Vivienne Boos Softwareentwicklerin bei Beckhoff. Durch ihre Tätigkeit im Vorstand des Alumni Vereins „Alumni InGT e.V.“ ist sie nach wie vor ein ideales Bindeglied zum Campus Gütersloh und in dieser Position war es ihr ein großes Anliegen, auf die Vorteile einer Mitgliedschaft hinzuweisen: „Wenn ihr in Gütersloh studieren solltet, tretet bestenfalls schon während des Studiums in den Alumni Verein ein. Im Job wird man bereits nach kurzer Zeit Experte auf seinem Gebiet. Doch im Studium haben wir gelernt, immer auch über den Tellerrand zu schauen. Das ist nur durch Austausch möglich. Durch die Alumni Treffen entstehen wertvolle Netzwerke und eventuell sogar Kooperationen mit ehemaligen Kommilitonen.“ Im Alumni Verein würden Erfahrungen ausgetauscht, Herausforderungen besprochen und alte Freundschaften gepflegt. „Die Palette der Vernetzungsangebote ist groß“, fährt die heutige Beckhoff-Mitarbeiterin fort. Zu den rund 100 Mitgliedern des Vereins zählen neben Studierenden, Absolventinnen und Absolventen auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, Lehrende sowie Freunde und Fans des Campus Gütersloh.

„Die konkreten Rückfragen der Schülerinnen und Schüler zum Abschluss des Tages, insbesondere zu den Studieninhalten, unterstreichen die Wichtigkeit solcher und ähnlicher Angebote“, schließt Prott-Warner zufrieden.

Tanja Hage