FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
28.05.2014

Schreibberatung am Fachbereich IuM

Am Fachbereich IuM fanden im Sommersemester 2014 erstmals Schreibtage statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Kristina Rzehak und Jan Weisberg vom Netzwerk Informations- und Schreibkompetenz des Projektes Optimierung von Studienverläufen.

Täglich ab 14 Uhr starteten Workshops rund um das Thema "Wissenschaftlich Arbeiten", natürlich mit dem Schwerpunkt Schreiben. Zeitgleich war von 14-18 Uhr die Tür der Schreibberatung geöffnet. Hier konnten in zwangloser Atmosphäre bei Kaffee und Keksen Fragen gestellt, Probleme erörtert sowie Tipps und Infos abgeholt werden. Anknüpfend daran interessiert uns die Frage, warum Schreiben auch für angehende Ingenieure wichtig ist und was sich hinter der Schreibberatung verbirgt. Kristina Rzehak (KR) und Jan Weisberg (JW) standen Rede und Antwort und haben uns von ihrer Arbeit erzählt.

Schreibberatung? Was ist das eigentlich?
JW:
Unsere Schreibberatung am FB IuM ist ein individuelles Angebot für Studierende und für Lehrende. Meist kommen die Studierenden von sich aus auf uns zu und wir vereinbaren dann einen gemeinsamen Termin zu einem persönlichen und vertraulichen Beratungsgespräch, in dem wir auf ihre Fragen und Bedürfnisse eingehen. Studierenden geben wir oft Rückmeldungen zu Texten und/oder Arbeitsprozessen und unterstützen sie so beim Lösen ihrer Schreibaufgaben.
KR: Wir helfen jedoch nicht nur, wenn es kurz vor Abgabe einer Bachelorarbeit oder eines Praktikumsberichtes "brennt", sondern auch bei Kleinigkeiten, wie z.B. Unsicherheiten beim Zitieren oder Verfassen einer E-Mail. Ein persönliches Gespräch bietet den Vorteil, dass eine Rückmeldung sofort innerhalb der Beratung erfolgt. Dies geht natürlich auch telefonisch und wird gerne genutzt, z.B. wenn sich ein Studierender gerade in der Praxisphase bei einem Unternehmen befindet.

Was genau macht ihr in der Schreibberatung?
KR: Wir konzentrieren uns auf den Schreibprozess und die Struktur des Textes. Unser Feedback bezieht sich dabei auf die verschiedenen Text-Ebenen: Auf die inhaltliche und auf die strukturelle Ebene und auch auf den inneren Zusammenhang des Textes, sprich den sogenannten "roten Faden" innerhalb eines Kapitels. Zudem schauen wir auch, ob eine angemessene Sprache gewählt wurde.
JW: Ein wichtiges Ziel bei unserer Beratung ist es, die Probleme der Studierenden bei und mit dem Schreiben so zu lösen, dass die Studierenden ihre Fähigkeiten ausbauen und ihre sprachlichen Kompetenzen weiterentwickeln können. Wir geben also "Hilfe zur Selbsthilfe".

Wie sieht das Angebot für Lehrende am FB IuM aus?
JW: Wir unterstützen Lehrende dabei, schriftliche Aufgaben zu Fachinhalten zu gestalten, sei es, dass wir sie mit in Klausuren integrierten Prüfungsaufgaben unterstützen, sei es dass wir die Betreuung von Studienarbeiten begleiten. Wir sehen ein sehr großes Potential in kleinen Schreibaufgaben, die nicht korrigiert werden. Mit Ihnen lässt sich das fachliche Lernen vertiefen.
KR: Und dies sind nur Beispiele. Mittlerweile bestehen am FB IuM in unterschiedlichen Ausprägungen Kooperationen mit Lehrenden in allen Studiengängen.
JW: Leider ist das Schreiben am Fachbereich IuM jedoch nicht sehr beliebt und wird nur langsam als Schlüsselkompetenz für die Ingenieurarbeit wahrgenommen.

Wofür ist die Schreibberatung nicht da?
KR: Wir machen keine Textkorrektur im Hinblick auf Rechtschreibung, Grammatik und Formatierung, sondern weisen lediglich auf Mängel und Potentiale hin. Auch bieten wir keine fachliche oder inhaltliche Beratung an.
JW: Und wir lesen keine vollständigen Arbeiten, sondern nur Teile davon. Gerade die Rechtschreibung ist am Fachbereich ein brenzliges Thema, da sie häufig von den Lehrenden moniert wird. Größere Schwierigkeiten bereiten aber oft andere Dinge, wie zum Beispiel die adressatenorientierte Gestaltung des Textes.

Warum ist Schreiben für angehende Ingenieure wichtig?
JW: Schreiben ist für alle als Denkwerkzeug von großer Bedeutung. Komplexes Wissen kann man häufig nur in den Griff bekommen, in dem man es aufschreibt. Beim Aufschreiben stellt man dann oft fest, dass man vieles doch noch nicht so genau weiß. Dann muss man mit der Suche nach einer passenden Formulierung die eigenen Gedanken präzisieren. Das wird gern vergessen.
KR: Aber auch das Schreiben eines Textes ist eine komplexe Aufgabe: Es gibt in der Tat viel zu beachten: Was will ich sagen? Wem will ich etwas sagen? Was weiß mein Leser? Welche Informationen benötigt der Leser, um zu verstehen, was ich sagen will? Und in welcher Reihenfolge? Welche Erwartungen haben Prüfer oder Vorgesetzte? Wie gestalte ich den Text so, dass mein Leser den Text annimmt?
JW: Oder: Was ist der Zweck meines Textes? Wir sagen den Studierenden, sie sollen immer für Fachkollegen und gleichzeitig auch für nichtfachliche Kollegen schreiben. Die Fachkollegen sollen die Arbeit in allen Details verstehen und überzeugend finden, die nichtfachlichen Kollegen sollen die Arbeit in groben Zügen verstehen und überzeugend finden.
KR: Bei einem Text sind stets die Form - Layout, Rechtschreibung, Grammatik - wie auch der Inhalt wichtig. Eine Text-Gliederung begleitet zudem den logischen Aufbau. Auch sind Kleinigkeiten wie ein sauberes Druckbild, fleckenfreies Papier oder eine anständige Mappe für eine gute Arbeit notwendig.
JW: Nicht zu unterschätzen ist ein ständiges Üben des Schreibens. Je mehr Schreiberfahrung eine Person hat, umso besser und einfacher kann sie einen Text schreiben. Studien und Absolventenbefragungen belegen, dass Ingenieure im Beruf sehr viel schreiben. Sie schreiben Berichte und kommunizieren per E-Mail mit Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten und Kunden. Im Rahmen des Projekt- und Qualitätsmanagements gehört fachliches Schreiben einfach dazu. So banal es klingt: Lesen, Schreiben und Recherchieren ist notwendig, damit technische Neuerungen aus Bestehendem entwickelt werden können.
KR: Genau daran knüpft unsere Schreibexpertenreihe an. Leute, die fest im Beruf stehen, berichten von ihrer tagtäglichen Arbeit und erzählen, welches Wissen sie anwenden und wie sie kommunizieren. Am 06.05.2014 war Peter Brünler vom Netzwerk EnergieImpuls OWL bei uns und hat von seiner täglichen, von ständiger Kommunikation geprägten Arbeit berichtet. Die nächsten Vorträge in der Reihe finden am 20.5. und am 26.5. statt.
Dr. Wilmink aus dem LVM-Vorstand wird uns von der Kommunikation im Unternehmen erzählen, Dr. Stollt von der Kommunikation und Dokumentation im Beruf des Mechatronikers.

Wird es eine Wiederholung der Schreibtage am FB IuM geben?
JW: Gestartet sind wir im WS 2013/14 mit dem Basis-Workshop und einem Crashkurs zum Wissenschaftlichen Schreiben. Zum SoSe 2014 haben wir mit den erstmalig veranstalteten Schreibtagen das Angebot mit Workshops zum Recherchieren, Zitieren oder Flüssig Schreiben sowie der nachmittäglichen Schreibberatung weiter ausgebaut und auf eine Woche erweitert.
KR: Bei der Auswahl des Angebotes kooperieren wir auch mit anderen Fachbereichen sowie der Hochschulbibliothek, und wir haben viele Ideen, die Schreibtage noch interessanter zu gestalten, so dass diese auf jeden Fall zum WS 2014/15 wieder stattfinden werden. Studierende wie Lehrende des Fachbereiches sind eingeladen, sich bei der Schreibberatung am FB IuM zu melden, Fragen zu stellen und Informationen einzuholen. (wm)


Zu erreichen sind Kristina Rzehak und Jan Weisberg wie folgt:

Netzwerk Informations- und Schreibkompetenz
Raum x205
Wilhelm-Bertelsmann-Str. 8 (ehemaliges Fernmeldeamt)
33602 Bielefeld

E-mail: kristina.rzehak@fh-bielefeld.de und jan.weisberg@fh-bielefeld.de
Fon: 0521.106-7227
http://www.fh-bielefeld.de/fb3/studium/schreibberatung