FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
02.10.2018

Safety und Security im Kontext Industrie 4.0

Symposium zur Funktionalen Sicherheit erstmals auf dem Campus Bielefeld.

2018-09-26_Symposium-SafetyON_Gruppenfoto

Unter Federführung der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, des Vereins SafetyON und dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) der FH Bielefeld fand am 26. September zum ersten Mal das Symposium zur Funktionalen Sicherheit statt. Mit dem Partner – dem Fachbereich IuM – erhielt das Symposium jetzt Einzug in den Konferenzs-aal der FH Bielefeld. „Es freut uns, wenn hochkarätig besetzte Veranstaltungen in unserem Hause stattfinden, insbesondere dann, wenn uns die Thematik betrifft. Aktuell läuft ein hausinternes Großprojekt zum Themenkomplex Sicherheit.“ Mit diesen Worten begrüßt FH-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums. IuM-Dekan Prof. Dr. Lothar Budde macht in seinem anschließenden Grußwort deutlich: „Uns ist es ein großes Anliegen, den Studierenden neben technischem Know-How auch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein mit auf den Weg zu geben. Wir Ingenieure sind für das, was wir entwickeln, auch verantwortlich. Die Maschinen dürfen nicht nur im Sinne der Produktion ausfallunanfällig sein, sie müssen in erster Linie auch sicher sein für den Menschen, der mit ihnen arbeitet“.

Beide bekräftigen, dass sie Folgeveranstaltungen zu dieser Thematik in der FH Bielefeld begrüßen und dazu selbstverständlich insbesondere auch die Studierenden herzlich eingeladen sind. Michael Kieviet von der innotec GmbH und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins SafetyOn führte die rund 40 Gäste durch den Tag, der durch Vorträge zu den Schlagwor-ten Risikobeurteilung, Sicherheitseinstufung, Normenverweise und Informationen zu rechtlichen Hintergründen geprägt war. „Wir wollen das große Thema Arbeitsschutz und alles was damit zusammenhängt in den Mittelpunkt stellen“, eröffnete er das Programm. Zur groben Orientierung für interessierte Gäste, die nicht allzu tief in der Thematik verhaftet sind, machte Prof. Dr. Kemal Cevik, ehemals Lehrender des Fachbereichs IuM und Vorstandmitglied des Vereins SafetyON deutlich, dass unter dem Begriff Safety bisher meist das Zusammenspiel von Menschen und Anlagen gemeint ist. Der Bereich Security umfasse die IT-Bereiche, das bedeute vor allem Sicherheit in der Digitalisierung. „Diese Bereiche wurden bis dato nicht gemeinsam betrachtet, was aber vor dem Hintergrund der Tatsache, dass immer weniger Anlagen ohne IT nicht funktionieren, geändert werden muss“, so Cevik. Ziel des Vereins SafetyON sei es deshalb auch, Entscheidungsträger zusammenzubringen.

In einem der Beiträge zum Symposium stellte Prof. Dr. Peter Bernard Ladkin, Lehrender der Universität Bielefeld und Geschäftsführer der Causalis Ingenieurgesellschaft mbH heraus, dass es nach der aktuellen Normlage schwer sei, Software zu verifizieren oder zu validieren. In diesem Bereich müsse noch viel getan werden, weshalb er diese Herausforderung mit entsprechender Gremiumsarbeit unterstützt. Dr. Peter Wratil berichtete zu der Frage „Wo stehen wir mit Safety und Security?“ Er selbst beschäftige sich seit 35 Jahren mit Safety, mit Security hingegen erst seit kurzem. „Zum heutigen Stand der Funktionalen Sicherheit war es ein langer, aber sehr erfolgreicher Weg. Wir Deutschen sind weltweit Vorreiter und deshalb auch Orientierungsgeber im Bereich der Normen. Dabei stellt die IEC 61508 die „Dach-Norm“ der Funktionalen Sicherheit dar“, so Wratil. Er untermauerte diese Entwicklung mit statistischen Daten. Seit 2002 habe die Zahl der tödlichen Unfälle im Umfeld des Maschinenbaus kontinuierlich abgenommen. Festzustellende Ausreißer seien dabei immer menschlichem Versagen geschuldet. Im Bereich Security sähen diese Zahlen hingegen anders aus. Die Anzahl der Cyberattacken nehme kontinuierlich zu. „Die Lösung? Wir müssen Safety und Security zusammenführen. Risikobeurteilungen und Maßnahmen prozessorientiert durchführen, damit das Risiko letztlich sinkt“, schließt Wratil. Das letzte Risiko bilde dabei immer der Mensch selbst. Diesem könne nur durch Schulungen und großer Aufmerksamkeit entgegengewirkt werden.

Der Vortrag zur Funktionalen Sicherheit kollaborativer Robotor von Prof. Dr. Martin Hülse, Lehrender des Fachbereichs IuM, befasste sich mit dem Potential, welches er in der Kollaboration zwischen Mensch und Roboter sieht. Er wies aber auch darauf hin, dass der Einsatz kollaborativer Roboter niemals ohne Risiko sei. „Es kann lediglich Strategien der Risikobeherrschung geben. Ich denke dabei an multimodale Sensorik und sicheres HW-Design“, erläutert Hülse.

Während der eingeplanten Netzwerkpausen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, den Informationsstand von Prof. Dr. Ralf Hörstmeier, ehemals Lehrender im Fachbereich IuM und Vorstandsmitglied des vdi Ostwestfalen-Lippe Bezirksvereins, zu besuchen. Dort präsentierte Hörstmeier das Projekt „Mit Sicherheit in die Arbeitswelt“. Die Veranstaltungsreihe für Studierende und Berufseinsteiger der Fachgebiete Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften bietet eine Einführung in die interdisziplinären Themen Arbeitsschutz, Unfallprävention, Produkt- und Prozesssicherheit, Gesetze, Richtlinien und Zuständigkeiten in regionalen Unternehmen unterschiedlicher Branchen. „Es handelt sich hierbei um ein sehr positiv besetztes und wichtiges Projekt. Leider ist den Studierenden das während des Studiums meist noch nicht bewusst. Dass sich das ändert, daran arbeiten wir mit dem vdi kontinuierlich“, so Projektleiter Hörstmeier.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurden weitere Fragen aus dem Auditorium zusammenfassend beantwortet. Beispielsweise wurde darüber diskutiert, ob nicht eine geforderte Komplexitätsreduzierung in der Softwareentwicklung einen erheblichen Betrag zur formalen Verifikation leisten könne. Abschließend formulierte Uwe Lück, Referent Technologie/Innovation und Hochschulbeauftragter der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld sein Resümee zum Symposium und verabschiedete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. (th)

Bei weitergehendem Interesse:
https://www.safety-on.de
https://www.vdi.de/ueber-uns/vdi-vor-ort/bezirksvereine/ostwestfalen-lippe-ev-bezirksverein/hochschulen/ingmeetsafety/