FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
12.07.2018

Antrittsvorlesungen am Campus Gütersloh

Prof. Dr.-Ing. Jörg Nottmeyer und Prof. Dr. Ing. Christian Stöcker stellen sich vor.

Mittlerweile haben sie Tradition, die Antrittsvorlesungen des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM). „Sie sind in dieser Form einmalig an der FH Bielefeld“. Mit diesen Worten begrüßte Prof. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs IuM, die Gäste am Campus Gütersloh und betonte den Vernetzungsgedanken, den er mit den Antrittsvorlesungen unterstützen möchte. Rund 40 Interessierte sind am 10. Juli der Einladung gefolgt, um die neuberufenen Professoren Dr. Jörg Nottmeyer und Dr. Christian Stöcker näher kennen zu lernen. Neben Hochschulmitgliedern sorgten auch Familienangehörige der Redner sowie Unternehmenspartner für einen gelungenen Rahmen.

Zunächst stellte sich Jörg Nottmeyer dem Auditorium vor. Der zum 01. Januar 2018 berufene Doktor-Ingenieur übernimmt seither die Professur für das Lehrgebiet Produktionslogistik am Campus Gütersloh der FH Bielefeld. Er vertritt dabei in Lehre und Forschung die ingenieurwissenschaftlichen Themen aus der technischen Logistik und wird insbesondere den neuen Bachelorstudiengang „Digitale Logistik“ weiterentwickeln. Jörg Nottmeyer studierte Maschinenbau an der Leibniz Universität Hannover und promovierte am Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V. an der RWTH Aachen. Bis zu seiner Berufung sammelte Nottmeyer bei Industrieunternehmen in verschiedenen Managementfunktionen Berufserfahrung. So war er beispielsweise bei einem Logistikdienstleister in der operativen Gestaltung von Prozessen und Strukturen tätig. Darüber hinaus war Nottmeyer bei einem Automatisierungsunternehmen für den Logistik Einkauf, sowie die Betreuung und Entwicklung von IT-Applikationen im ERP-Umfeld zuständig.

Zur Vorstellung seines Fachgebiets entschied er sich für das Vortragsthema „Digitale Transformation in der Produktionslogistik“. Als Sinnbild für den ersten massiven Umbruch in der Industrialisierung der Arbeit wählte Nottmeyer das Bild der Dampfmaschine und schlug in diesem Zusammenhang auch den Bogen zu der Notwendigkeit der Digitalisierung von Informationen in Dokumenten. Um die Bedeutung der digitalen Transformation für die Unternehmen abzuleiten, zog er die aktuellen Umfrageergebnisse des Bundesverbandes der deutschen Industrie aus dem Jahre 2016 hinzu. Hiernach strukturieren die Top-Führungskräfte der deutschen Industrie die Digitale Transformation mit den Schlagworten Automatisierung, digitale Daten, Vernetzung und digitaler Kundennutzen“, so Nottmeyer.

Im zweiten Schritt zeigte er bespielhaft den Einsatz bereits vorhandener digitaler Anwendungen und Technologien auf. Darunter fällt Electronic Data Interfaces (EDI) als eine der etablierten Standards in der Anwendung zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen, in deren Verwendung und Implementierung er selbst mehrere Jahre Erfahrung sammeln konnte. Ein weiteres Beispiel behandelte Lösungen, die bei einer Funktionsstörung eines Elektromotors an einem Rollenförderband angewendet werden. Dabei seien verschiedene Szenarien zur Fehlerfindung vorstellbar. Neben der Live-Schaltung auf den Motor mittels Fernwartungssoftware, der Fehlersuche per Virtual-Reality-Brille im digitalen Schaltschrank ging es dabei auch um die Nutzung und Simulation von Echtdaten in einem Parallelsystem, dem sogenannten „digitalen Zwilling“.

Zu guter Letzt gab Nottmeyer einen Ausblick in die Zukunft der digitalen Transformation für die nächsten zwei Jahrzehnte. Dabei erwähnte er neben der Datenbrille für Virtual Reality Anwendungen auch die Nutzung intelligenter Datenhandschuhe in der Logistik. Des Weiteren halte er fahrerlose Transportsysteme (FTS) für technisch soweit ausgereift, um in verschiedenen Anwendungsfälle der Logistik zielgerichtet und sicher eingesetzt werden zu können. Abschließend zitierte Nottmeyer den etablierten Internetblogger Ingenieurversteher.de „Die digitale Transformation ist wie die Dampfmaschine. Sie wird kommen, ob wir das nun gut finden oder nicht.“

Im Anschluss stellte sich Christian Stöcker mit seiner Vorlesung zum Thema: „Pfadsuche in der Automatisierungstechnik – Grundlagen und Anwendungen“ vor. Der 35-jährige Doktor-Ingenieur wurde zum 01. November 2017 für die Stiftungsprofessur der Industrie im Lehrgebiet Steuerungs- und Automatisierungstechnik am Campus Gütersloh berufen. Innerhalb seines Fachgebiets befasst er sich neben den Themen der Automatisierungstechnik mit den Methoden der Steuerungs- und Regelungstechnik, der Digitaltechnik, der Angewandten Informatik und den Grundlagen der Informatik. In der Forschung möchte Christian Stöcker nach eigenen Angaben die Zusammenführung von Digitalisierung und Automatisierung weiter vorantreiben und die so entstandenen Methoden und Werkzeuge industriell nutzbar machen. Stöcker studierte Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum und Automatisierungstechnik an der Ruhr-Universität Bochum. Im Anschluss an sein Studium blieb er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Automatisierungstechnik und Prozessinformatik, wo er schließlich auch seine Promotion abschloss.

Es folgte eine Tätigkeit als Automation Engineer bei der BASF SE im Fachzentrum für Automatisierungstechnik in Ludwigshafen. Als Teamleiter mehrerer Projekte, in denen es um die Höherautomatisierung von Industrieanlagen ging, entwickelte er innovative Konzepte und Lösungen. Schwerpunkt war dabei der Einsatz neuer datenbasierter Ansätze in Kooperation mit konventionellen Steuerungs- und Regelungskonzepten.

Um dem Auditorium die Pfadsuche in der Automatisierungstechnik näher zu bringen, erläuterte Stöcker zunächst die Funktionen der allgemeinen Pfadsuche am Beispiel von Google Maps. In einem nächsten Schritt zeigte er anhand eines Marsroboters, einer Raffinerie und der Lebensmittelindustrie die Pfadsuche in der Technik auf. Der Suchraum werde dabei durch einen Grafen repräsentiert. Dieser bestehe aus Knoten und Kanten, die wiederrum miteinander verbunden sind. „Ziel ist es, möglichst ideal vom Startknoten zum Zielknoten zu navigieren“, so Stöcker. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Suchalgorithmen. Neben der „Tiefe-zuerst-Suche“, bei der die Suchrichtungen vorgegeben sind, zeigte Stöcker auch die Alternativen „Breite-zuerst-Suche“, sowie den Dijkstra-Algorithmus auf. Praktische Beispiele in der Industrie sind dafür der Brennstofftransport über Trogkettenförderer oder auch der Steuerungsentwurf für ein Aufzugsystem, anhand derer Stöcker mehrere denkbare Szenarien durchspielte. Final ging es um die Pfadsuche in einer intelligenten Produktion und der dabei zu berücksichtigenden Schnittstelle zwischen datenbasierten und modellbasierten Ansätzen. „Dies ist ein zukunftsreiches Feld und ich möchte die Studierenden in die Lage versetzen, in diesem Bereich innovative Lösungen entwickeln zu können“, schließt Stöcker.

Bei einem kleinen Imbiss im Nachgang der Veranstaltung hatten die Gäste die Möglichkeit sich mit den Rednern persönlich auszutauschen. (th)