FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
13.12.2016

Kreativität und Entscheidungsfähigkeit

Die wesentlichen Eindrücke des Tages: Der Charakter von Arbeit verändert sich, und die Unternehmen und die Ausbildung befinden sich im gesellschaftlichen Wandel.

Sechs Referenten zum Thema Industrie 4.0

Gütersloh. Die wesentlichen Eindrücke des Tages: Der Charakter von Arbeit verändert sich, und die Unternehmen und die Ausbildung befinden sich im gesellschaftlichen Wandel.

Getroffen hatten sich am 5. Dezember Expertinnen und Experten aus Hochschule und Wirtschaft am Studienort Gütersloh der FH Bielefeld, um über die Auswirkung der Digitalisierung auf Studium und Beruf zu diskutieren. Der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) hatte seine Räumlichkeiten für die Fortbildung der Berufsberatungsstellen in Bielefeld und Gütersloh zur Verfügung gestellt. IuM-Dekan Prof. Dr. Lothar Budde hatte das Plenum und die Gäste der Gesprächsrunde, Dr.-Ing. Ursula Frank (Beckhoff), Katharina Altemeier (Fraunhofer IEM) und Jörg Rodehutskors (IHK Ostwestfalen), begrüßt.

Prof. Dr. Pascal Reusch, der IuM-Beauftragte für den Studienort Gütersloh, sprach in seinem Impulsvortrag über die veränderten Bedarfen, die notwendige Struktur und die zu erwartenden Kompetenzen im Studium. Zwei wesentliche fachliche Bildungsherausforderungen führt er an: zum einen die Fähigkeit, digitale Systeme zu nutzen, zum anderen die Kompetenz, mit diesen Systemen auch gestalten zu können. Da menschliche Arbeit ohne Computersysteme nahezu undenkbar werde, sei es wichtig, Prozesse zu verstehen, um Lösungen vordenken zu können. „Der Arbeitsplatz der Zukunft verlangt von unseren Absolventinnen und Absolventen Kreativität, Entscheidungsfähigkeit, konzeptionelles sowie analytisches Denken und Kollaboration. Das alles sind menschliche und damit konkurrenzlose Eigenschaften, die nicht durch die Digitalisierung zu ersetzen sind“, so Reusch. Durch das Gütersloher Studienmodell der praxisintegrierten Studiengänge seien die Studierenden quasi gezwungen, die Theorie auch an konkreten Problemen im Betrieb zu erleben. Damit sei der ideale Bogen zwischen Hightech-Unternehmen der Zukunft und Studium gespannt, denn Studierende und Unternehmenspartner könnten über die Kompatibilität zwischen Ausbildung und Beruf zeitnah Rückmeldung geben.

Dr. Ursula Frank sprach über Erwartungen, Anforderungen und Konsequenzen der Digitalisierung für akademische Fachkräfte in Unternehmen. Eine ihrer Hauptthesen dabei: „Daten sind das neue Wirtschaftsgut“. Aus diesem Grund sei die „richtige Datennutzung und Auswertung“ eine der wichtigsten Herausforderungen. Dr. Frank kann aus ihren Erfahrungen beim Unternehmen Beckhoff schlussfolgern, dass akademische Fachkräfte neuen Technologien gegenüber offen seien und über disziplinübergreifendes Know-how verfügen sollten. „Facharbeiter brauchen immer mehr Automatisierungswissen, Analytik, Statistik, Elektrotechnik, kommunikationstechnisches Wissen, Engineering, Datentechnik und Kenntnisse über neue Geschäftsmodelle“, so Frank.

Vieles davon werde bereits am Studienort Gütersloh gelehrt und die übrigen Bereiche werden in den geplanten Studiengängen untergebracht, worüber sie sehr froh sei. Ihr Fazit für die Berufsberaterinnen und Berater: „Die Berufsfelder bleiben größtenteils bestehen, aber die Aufgaben verändern sich. Der Bedarf an Expertinnen und Experten mit ausgeprägtem Fachwissen bleibt permanent hoch.“

Jörg Rodehutskors, Referent für Technologie und Wissenstransfer der IHK Ostwestfalen, sprach sich insbesondere für die „Förderung der Kreativität während des Studiums“ aus. Darüber hinaus müsse ein Gefühl für neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. „Es freut mich, dass ein Studiengang zum Bereich Service Engineering in Gütersloh angedacht ist. Damit hat der Fachbereich IuM genau den Puls der Zeit getroffen“, so Rodehutskors.

Katharina Altemeier, Mitarbeiterin des Fraunhofer Instituts, verwies beim Thema Industrie 4.0 darauf, dass „der Faktor Mensch und dessen Wohlbefinden im Mittelpunkt stehen muss.“ Sie machte auf eine Praxisstudie im Rahmen des Spitzenclusters it’s OWL aufmerksam, mit der die Potentiale und Grenzen der digitalen Arbeitswelt herauskristallisieren werden sollen.

Claudia Kastien, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Gütersloh, bedankte sich im Namen der Fortbildungsteilnehmerinnen und Teilnehmer für die Vorträge.