FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
31.08.2012

FH-Professor Loviscach lehrt an US-Online-Akademie Udacity

Kurs beginnt am 3. September 2012.

Prof. Loviscach löscht mit einem Glas Wasser ein Feuer. Es handelt sich um eine Computeranimation.

Ein Professor als Videostar - das ist im Fall von Jörn Loviscach von der Fachhochschule Bielefeld eigentlich nichts Neues. Über sechs Millionen Mal wurden seine knapp 2.000 Mathematik- und Informatiklektionen auf YouTube angeklickt. Jetzt bietet er einen Kurs an der US-amerikanischen Online-Akademie Udacity an.

Die Idee von Udacity: Alle Kurse können kostenlos belegt werden und stehen jederzeit im World Wide Web zur Verfügung. Zwölf Kurse werden derzeit insgesamt angeboten, im Oktober kommen zwei weiterere hinzu. Fachlich drehen sich die Kurse um Informatik und Programmierung. Da kommt auch Professor Loviscach vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik ins Spiel: "Making Math Matter" lautet der Titel seines Kurses. Neugierig macht ein Videospot, in dem Loviscach die Themen vorstellt: Apollo 13, Malariabekämpfung oder die Vorhersage von Waldbränden sind nur einige der Anwendungsgebiete für Mathematik im Kurs. Den Machern von Udacity ist wichtig, dass die Studierenden nicht anhand abgehobener Theorien, sondern anhand realer Probleme lernen. So heißt die Unterzeile seines Kurses dann auch folgerichtig "Differential Equations in Action", also "Differentialgleichungen in Aktion".

Technische Voraussetzung zur Teilnahme ist ein normaler Rechner mit Internetzugang. Je nach Kurs werden Vorkenntnisse erwartet, es gibt drei  Niveaustufen: Anfänger, fortgeschrittene Anfänger und Fortgeschrittene. Der Kurs von Jörn Loviscach richtet sich an fortgeschrittene Anfänger: "Grundkenntnisse in irgendeiner üblichen Programmiersprache reichen. Es gibt im Kurs Mini-Einführungen in die Programmiersprache Python und in Ableitungen, Vektoren und so weiter", erklärt der Dozent. Sein Kurs ist ab dem 3. September 2012 online. Mehr als 6000 Teilnehmer haben sich bereits eingeschrieben. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Hochschule ist der Einstieg bei Udacity jetzt nicht mehr an Fristen gebunden und jederzeit möglich. Sieben Wochen sind für den Kurs eingeplant, aber weil alle Materialien sofort zur Verfügung stehen, ist die Zeiteinteilung frei. Am Ende kann eine Prüfung absolviert werden - und das beliebig oft. Die Prüfungen laufen automatisch ab, aber für die Betreuung per Netz steht eine Expertin bereit: Miriam Swords Kalk, Stanford-Absolventin und seit Juli Mitarbeiterin bei Udacity in Palo Alto.

Gegründet wurde die Akademie unter anderem von Sebastian Thrun. Der deutschstämmige Experte für Künstliche Intelligenz - bekannt von Googles selbstfahrendem Auto und Googles Datenbrille - gab für das 2012 gestartete Projekt seine Dauerstelle als Professor in Stanford auf und ist dort nun Research Professor. Neben Thrun und Loviscach unterrichten noch zwei weitere Deutsche an der Udacity: Andreas Zeller hat an der Universität des Saarlandes die Professur für Softwaretechnik inne; Sebastian Wernicke ist Unternehmensberater.

Die Einladung, einen Kurs auf Udacity zu geben, erhielt Loviscach durch seine Vorreiterrolle als "Professor YouTube": "Wenn man sich in diesem Maßstab mit Online-gestützter Lehre befasst, kennt man sich. Vor allem wenn man oft nebeneinander in der Zeitung steht", verrät er augenzwinkernd. So hat er sich auch schon 2010 mit Salman Khan getroffen, dessen von der Gates-Stiftung und Google unterstützte "Khan Academy" Millionen Schüler im englischsprachigen Raum unterstützt.

Wenn Anfang Oktober die Vorlesungen an der FH Bielefeld wieder starten, steht Loviscach wieder vor seinen Studierenden vor Ort - live und in 3D. Doch auch die wissen das Engagement ihres Professors zu schätzen und nutzen die Youtube-Videos regelmäßig zur Vorbereitung. Sicher wird sich auch der eine oder andere in den Online-Kurs einschreiben.

www.udacity.com

http://www.youtube.com/watch?v=MSGAsyNSwE0&feature=plcp