03.02.2017

„Beim Hören muss man denken“

Sprachkurse der FH Bielefeld für Geflüchtete werden durch Studierende unterstützt. Tutor Shindar Rammo stammt aus Syrien.

Sprachkurse der FH Bielefeld für Geflüchtete werden durch Studierende unterstützt. Tutor Shindar Rammo stammt aus Syrien.

2017-02-03 AAA Tutor Sprachkurs Shindar RammoBielefeld (fhb). Seit dem Sommer bietet die Fachhochschule (FH) Bielefeld Sprachkurse zur Vorbereitung auf ein Studium in Bielefeld und Minden an. „Alle Kurse werden dabei von studentischen Tutorinnen und Tutoren betreut. Sie unterstützen bei den Hausaufgaben und helfen bei der Integration“, berichtet Sandra Schoeß vom Akademischen Auslandsamt. Sie ist die Koordinatorin für geflüchtete Personen an der FH Bielefeld.

Die Studierenden unternehmen Ausflüge und Freizeitaktivitäten mit den Geflüchteten oder stehen ihnen bei den kleinen Problemen des Alltags - wie einer Überweisung oder dem Kauf einer Fahrkarte - zur Seite. Ein Tutor kann ihre Gefühle und Probleme dabei besonders gut nachfühlen: Shindar Rammo ist selbst vor zweieinhalb Jahren aus Syrien nach Bielefeld geflüchtet. Und so hat er für seine Schützlinge auch ein paar ganz besondere Tipps: „Sie sollten Radio hören. Denn beim Fernsehen oder im Kino kann man auch einfach mal nur zuschauen, doch beim Hören muss man denken.“

Mittlerweile studiert Shindar Rammo Maschinenbau an der FH Bielefeld. Begonnen hatte er dies bereits an der Universität von Aleppo, bevor sie von einer Bombe getroffen wurde. Neben seinem derzeitigen Vollzeitstudium arbeitet er in einem Lieferservice, unterstützt das ältere Ehepaar, bei dem er wohnt, durch Besorgungen, Autofahrten oder Botendiensten und ist eben Tutor für die FH-Sprachschüler. Seitdem er in Deutschland ist, hat er sich komplett allein finanziert, hat Zeitungen ausgetragen und in einer Fast-Food-Kette Burger gebraten. Niemals hat er Leistungen des Staates angenommen. Das ist ihm wichtig. Für sein großes Engagement wurde Rammo im Dezember sogar ein Sonderpreis des Akademischen Auslandsamts verliehen. Dieser war mit 1.000 Euro dotiert. „Nach der Verleihung bat er mich, ob er nur die Urkunde haben könnte, nicht das Geld“, sagt Sandra Schoeß kopfschüttelnd. Sie hat es ihm trotzdem überwiesen. „Die Urkunde war der größere Preis für mich“, erklärt Rammo.