FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
31.08.2011

Vom Umgang mit der neuen, fremden Welt

Ausstellung „Die erste Fremde" im Bielefelder Kunstverein findet großen Anklang.

Die erste Fremde_Prof. Dr. Cornelia Giebeler

Bielefeld (fhb). Treffpunkt Bielefelder Kunstverein am Waldhof, rund 100 Gäste waren gekommen: Im Rahmen der GENIALE, dem bemerkenswerten achttägigen „Science-Festival“  in der großen Wissenschaftsstadt am Teutoburger Wald, eröffnete am vergangenen Samstagabend Professorin Dr. Cornelia Giebeler die Ausstellung „Die erste Fremde – Kleinstkinder im Übergang von der Familie in die Kita“. Drei Tage lang präsentierte der Fachbereich Sozialwesen der FH Bielefeld Ergebnisse eines Forschungsprojekts, an dem Studierende wesentlich beteiligt waren. Im Mittelpunkt: ganz junge Kinder, die erstmals ihr vertrautes familiäres Umfeld verlassen und einen unbekannten, vielleicht sogar unheimlichen öffentlichen Raum betreten, in diesem Fall die Kindertagesstätte an der FH.       

Wie werden die Kinder, ihre Eltern und die betreuenden Personen mit dieser neuen Situation fertig – wie werden Kommunikationsbrücken gefunden, wie kann Vertrautheit aufgebaut werden, damit der neue Raum erfreulicher Teil der gesamten Erfahrungswelt wird? Nur einige Fragen, die durch teilnehmende Beobachtung einer Bewertung zugeführt werden können. Die Studierenden waren vor Ort, bei der Ankunft der Kinder in die Kita und der Verabschiedung von ihren Eltern. Interviews wurden geführt und dabei wurde gefilmt. Ein spannender Moment für alle Beteiligten. Professorin Giebeler: „Übergang gestalten heißt, sich täglich neu bewusst werden, dass fremde Räume von überaus unterschiedlichen Kindern und Eltern betreten werden, die alle je ihre eigene Biografie und Perspektive auf die Eingewöhnung ihres Kindes mitbringen.“ Diesem Gewöhnungsprozess gehe jedoch die Erfahrung von Fremdheit voraus. Giebeler: „Viele Fragen, Ängste und Hoffnungen verknüpfen Eltern mit der immer noch seltenen Chance, ihr Kleinkind täglich in eine Kita zu geben, es der ersten fremden Institution zu überlassen.“

Ins Bild gerückt werden im Rahmen der mehrkanaligen filmischen Komposition unter anderen ein einjähriger Junge und ein zweijähriges Mädchen, die den Betrachter mitnehmen wollen „in ihre Welt, die gleichzeitig eine Welt der Pädagogik, der großen Räume und der großen Menschen ist“ (Giebeler). Die Kinder erleben und gestalten ihren Begegnungsraum mit anderen Kindern, indem sie Spiel, Essen, Waschen, Wickeln, Streiten, Trauer, Trost und Glück teilen.

Zeitgleich sprechen auf anderen Bild- und Tonkanälen Mütter und Väter, Studentinnen und Studenten zum Thema des Übergangs in die Kita. Noch einmal Professorin Giebeler:  „Die Aussagen sind so gemischt und verknüpft, dass die vielfältigen Dimensionen der Thematik ersehbar, erspürbar, verstehbar und begreifbar werden können.“ 

An der filmischen Installation waren neben Giebeler auch Professor Thomas Henke und Studierende aus dem Master-Studiengang ‚Angewandte Sozialwissenschaften‘ des Fachbereichs Sozialwesen beteiligt. Das Projekt der FH Bielefeld wurde in Zusammenarbeit mit dem Bielefelder Kunstverein e.V. und der Kita Effha realisiert. Eine Publikation ist gleichfalls erschienen, und zwar im Verlag Barbara Budrich, 176 Seiten stark. Der Titel: „Die erste Fremde“.

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