FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
09.07.2015

„Werkschau ist wie Erntezeit“

Absolventenausstellung des Fachbereichs Gestaltung von Freitag, 10. Juli bis Sonntag, 12. Juli.

Werkschau SS 2015 Poster

Bielefeld (fhb). Es ist wieder "Erntezeit" am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld, wie Dekan Professor Roman Bezjak sagt. "Seit Wochen brummen die Werkstätten. Die Werkschau bringt die Arbeiten der Studierenden auf den Punkt und schließt eine unglaublich intensive Zeit ab". 64 Absolventinnen und Absolventen, darunter 46 Bachelor und 18 Master, aus den Studienrichtungen Fotografie, Grafik und Kommunikationsdesign und Mode zeigen ihre Abschlussarbeiten - wie immer in eigens für die Präsentation hergerichteten Räumen. Auch die mündlichen Prüfungen wurden in diesen Räumen abgenommen.

Organisiert wird die Werkschau ebenfalls von Studierenden: Julian Gertenbach, Maria-Sophie Naerger, Alexander Papoli-Barawati, Scrolan Carolina Posewsky und Anne-Marie Rauhut haben gemeinsam den Katalog, Poster und Flyer erstellt. Anders als in den Vorjahren ist das Design bunt und vor allem individuell: Denn jedes Poster ist manuell im Siebdruckverfahren entstanden und somit ein Unikat.

Mit dem Image ihrer Heimatstadt Bielefeld hat sich Karen Cuthbert in ihrer Masterarbeit auseinandergesetzt und in 48 Illustrationen ein neues Erscheinungsbild mit dem Titel "B wie Bielefeld" geschaffen. "Das Image der Stadt schwankt zwischen langweilig und provinziell. Mir war es eine Herzensangelegenheit, mich damit zu befassen", erklärt Cuthbert. Im Vordergrund ihrer Entwürfe, darunter Plakate, Flyer und Merchandisingartikel, stehen markante Gebäude, zum Beispiel das Crüwellhaus, aber auch Restaurants oder Kneipen.

Johannes Heinke hat sich in den Fotografien zu seiner "Fallstudie zur Eventualität" mit Prozessen befasst, die im Hintergrund  laufen und virtuell den Ernstfall proben. In einem ICE- oder Flugsimulator oder auch an einer Operationspuppe üben angehende Zugführer, Piloten und Chirurgen in einer virtuellen Welt den Umgang mit Unfällen, Verletzungen oder Krankheiten und dem Tod. Obwohl man die Simulation normalerweise nicht mitbekommt, strahlen die Bilder eine bedrohliche Atmosphäre aus. "Das hat auch mit dem Selbsterhaltungstrieb des Menschen zu tun", erklärt Heinke. Seine Masterarbeit sei auch ein Beispiel dafür, dass Virtualität immer mehr Bestandteil unserer Welt wird.

Etwas bedrohlich wirken auch die Illustrationen von Roman Girsikorn, der sich in seiner Bachelorarbeit an einen Literaturklassiker gewagt hat. Entstanden ist ein edles Buch über Dante Alighieris Inferno aus dem ersten Teil der "Göttlichen Komödie". Girsikorn hat versucht, den Wandel von der Außenwelt über die neun Stufen des Trichters zur Hölle wortwörtlich darzustellen durch Schnitt, Neuarrangieren und Übermalen.

"Das Puppenhaus" nennt Tatjana Pik ihre Bachelor-Kollektion, die sie in der vergangenen Woche auch auf der Modenschau vorgestellt hat. "Die Kollektion basiert auf einem Prozess des Menschwerdens, während des Spiels mit einer Puppe. Die Schönheit der Puppe als erste Phase dieses Prozesses gipfelt als letzte Phase in Abnutzung und Zerrissenheit. Hier entsteht der erwachsene Mensch", beschreibt Tatjana Pik im Katalog ihre Arbeit.

Mit jungen Erwachsenen zwischen 20 und 25 Jahren, die aus ländlichen Regionen Russlands in die Metropolen Moskau und Sankt Petersburg gehen, hat sich Ksenia Les in ihrer Bachelorarbeit "Die Träumer" beschäftigt. Ksenia Les kommt selbst aus Russland und ist bewusst für das Studium nach Bielefeld gekommen "weil die Fotografie einen sehr guten Ruf hat", so Les. Für die Porträts der "Träumer" ist sie zwei Monate gereist, um die Leute in Moskau und Sankt Petersburg kennenzulernen. "Sie kommen mit idealistischen Vorstellungen und wollen die Welt verändern, aber die Realität wartet mit Hindernissen auf", beschreibt sie den Hintergrund im Katalog. Werden sie ihre Träume trotzdem verwirklichen können?

Aus Texas, USA, ist Hayley  Jane Austin nach Bielefeld gekommen, um hier ihren Master in der Studienrichtung Fotografie zu machen. "Ich war zuerst in Berlin und habe dort von mehreren die Empfehlung bekommen, an die FH Bielefeld zu gehen." In ihrer Serie "Narratives of Desire" hat sie Paare in fragilen und vergänglichen Momenten der Intimität fotografiert. Darunter auch sie selbst. "Ich wollte zeigen, dass Intimität, Begehren und sogar Zweifel in kleinsten, kaum wahrnehmbaren Gesten offenbart werden", so Austin.

Xenia Gromak hat beim Christopher Street Day in Berlin eine Person kennengelernt, die sie zu ihrer Bachelorarbeit "Anthropos" inspirierte. Die Person ist keinem Geschlecht eindeutig zuzuordnen. "Ausgehend von der Konstruktionstheorie leben wir in einer heteronormativen Gesellschaft, die nur männlich und weiblich kennt. Dabei werden wir schon als Kinder als Mädchen oder Junge erzogen. Dieser Mensch, den ich porträtiert habe, passt da überhaupt nicht rein." Mit ihren Bildern möchte sie den Betrachter sensibilisieren und Fragen aufwerfen.

Werkschau SS 2015 Ann-Kathrin Quodt NachtlichtIm beschaulichen Sauerland hat Ann-Kathrin Quodt für ihre Bachelorarbeit das "Nachtlicht" fotografiert. Durch Langzeitbelichtung wirken die Fotografien fast surreal. "Ich dachte eigentlich, dass es im Sauerland nachts noch richtig dunkel wird. Aber selbst hier gibt es in der Natur künstliche Lichtquellen, die fast schon in Richtung Verschwendung gehen. Gleichzeitig übt das Licht eine ganz besondere Faszination aus."

Maria Arndt ist begeisterte Longboarderin und in der Szene gut vernetzt. Mit ihrer Masterarbeit "S*pin - female focused longboardmagazine" stößt sie womöglich nicht nur in eine Marktlücke. Vielmehr geht es ihr darum, die Frauen-Longboard-Szene zu unterstützen und auszubauen. Sie findet, dass man Frauen auch Leistung im Sport zugestehen kann. "Das Magazin soll keine Frauenzeitschrift mit Sportanteil sein. Ich erkläre darin zum Beispiel auch, welchen Unterschied Präzisionsachsen machen und wie welcher Trick funktioniert." Da sie in der internationalen Szene unterwegs ist und das Magazin weltweit Frauen ansprechen soll, ist es komplett in englischer Sprache.

"Zwischen Orient und Okzident" hat Erkin Karamemet auf einer "typografischen Reise" von Istanbul über Griechenland und Italien nach Berlin die Schrift "Buhara" und die Schriftfamilie "Bosporus" entwickelt. Ausgehend von weichen verschlungenen arabischen Schriftzeichen kommt er bei breiten, modernen lateinischen Lettern an. In der Werkschau zeigt er den Entstehungsprozess seiner Bachelorarbeit in Grafik und Kommunikationsdesign von der analysierenden Mindmap bis zum Ergebnis.

Yulia Lebedeva hat bei ihrer Bachelorarbeit "Ein Sommernachtstraum" in der Studienrichtung Mode eine Handwerkstechnik aus ihrer Heimat Weißrussland übernommen, in der natürliche Strohhalme ineinander gesteckt werden. Inspiriert wurde die Arbeit durch das Kuppale-Fest, die  Sommersonnenwende in Weißrussland, und der Bildserie "Vier Sterne" des Jugendstilkünstlers Alfons Mucha. So verband sie Farnblüten, die sie aus etwa 1500 schwarzen Strohhalmen fertigte und die traditionell am Kuppale-Fest im Wald gesucht werden, mit Stoffen, die schwarz, anthrazit und hellgrau schimmern. "Das Schwarz repräsentiert die Nacht und das Schimmern der Stoffe ist der Mondoberfläche nachempfunden", sagte Lebedeva.

 

Werkschau
Fachbereich Gestaltung
Lampingstraße 3
33615 Bielefeld
Haltestelle Rudolf-Oetker-Halle

Öffnungszeiten:
Freitag, 18 Uhr (Eröffnung) bis 23 Uhr, anschl. Party im Skala
Samstag, 11. Juli, 11-18 Uhr
Sonntag, 12. Juli, 11-17 Uhr

Am Samstag gibt es leckere Kaffeespezialitäten, Gegrilltes und am Sonntag Kaffee und Kuchen!