FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
25.04.2022

Architekturstudium weiter mit Eignungsprüfung

Architektur am Campus Minden gehört mit zu den beliebtesten Studienfächern der FH. Seit 2021 müssen Studieninteressierte eine künstlerisch-gestalterische Eignungsprüfung bestehen, um einen der rund 60 begehrten Studienplätze zu bekommen. Am 1. Mai 2022 wird eine neue Aufgabenstellung veröffentlicht, die bis zum 30. Mai zu bearbeiten und einzureichen ist.

Minden (fhb). Architektur am Campus Minden gehört zu den beliebtesten Studienfächern der Fachhochschule Bielefeld. Jedes Jahr bewerben sich durchschnittlich 250 bis 300 Personen auf einen der rund 60 Studienplätze und es zeigt sich seit einigen Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Erstsemesterzahlen. 2020 war der Ansturm jedoch besonders groß: Trotz der coronabedingten Veränderungen (das Vorpraktikum wurde temporär als Zugangsvoraussetzung ausgesetzt und Schulabsolventinnen und -absolventen haben ohne Auslandsaufenthalte oder Praktika direkt mit dem Studium begonnen) hatte keiner mit dem Ansturm von knapp 500 Bewerbungen gerechnet.

„Da es 2020 keine Zulassungsbeschränkung für den Architekturstudiengang gab, wurden zum Studienbeginn im Oktober 2020 168 Personen zugelassen, das waren dreimal so viele wie in einem ‚normalen‘ Jahrgang“, erklärt die Studiengangsleiterin, Professorin Bettina Mons. Dreifach so viele Studierende bedeuten für die in einem Architekturstudiengang übliche, betreuungsintensive Projektarbeit in Gestaltung, Entwurf und Konstruktion auch dreifach so viele Seminargruppen, Prüfungen, Hausarbeiten und spätere Abschlussarbeiten. Eine so große Gruppe dann auch noch vollständig online zu betreuen, stellte eine zusätzliche Herausforderung dar.

Entwürfe für neues Rudertrainingszentrum in Minden

Entwurf des Ruderbootvereins
Im Entwurf von Ole Kopahs und Philipp Lohmann befinden sich die Bootshalle und Trainingseinrichtungen auf koppelbaren schwimmenden Pontons.

Die FH hat damals schnell reagiert: Zum Semesterstart konnten ergänzende Lehrbeauftagte für das erste Studienjahr gefunden werden und im Rahmen einer befristet ausgeschriebenen Professur ist zusätzlich Professor Andreas Kopp berufen worden, der seit Oktober 2021 die Lehre in der Baukonstruktion und im Entwurf maßgeblich unterstützt. Andreas Kopp zieht ein positives Fazit: „Trotz der hohen Studierendenzahlen macht es großen Spaß, in den Entwurfs- und Konstruktionsübungen mit den Studierenden die Abhängigkeiten von Entwerfen und Konstruieren zu erarbeiten und dabei auch ein Verständnis für die große zukünftige Aufgabe des Architektenberufes in der Entwicklung einer nachhaltigen Architektur vor dem Hintergrund der Klimakrise zu wecken.“

Das erste Entwurfsthema von Prof. Kopp war ein neues Rudertrainingszentrum mit Bootshalle und Trainingseinrichtungen am Mindener Wasserstraßenkreuz auf dem Beruhigungsbecken am Pumpwerk. Der Entwurf der Architekturstudierenden Ole Kopahs und Philipp Lohmann zeigt elegante Module in Holzbauweise auf koppelbaren schwimmenden Pontons, die optimale Trainingsmöglichkeiten direkt am Mittellandkanal bieten.

"Ich möchte den Studierenden beibringen, architektonisch und eigenständig zu denken."

Auch die Neuberufung von zwei weiteren Dozenten durch das altersbedingte Ausscheiden von Professorin Rouli Lecatsa und Professor Dr. Andreas Uffelmann fiel in die Zeit der Überbelegung des Architekturstudiengangs: Professorin Bettina Georg übernahm bereits zum Wintersemester 2019/2020 das Lehrgebiet Grundlagen des Entwerfens und Architekturtheorie. Im Mittelpunkt ihrer Lehre steht das konzeptionelle und kontextuelle Entwerfen. In der Projektarbeit lernen die Studierenden, aus den spezifischen Parametern des Ortes und der Aufgabe eine angemessene und ausdrucksstarke Architektur zu entwickeln: „Ich möchte den Studierenden beibringen, architektonisch und eigenständig zu denken; ich will sie motivieren, zu hinterfragen und neugierig zu sein“, so Bettina Georg. Während sie nach ihrer Berufung ihr erstes Semester am Campus Minden noch in Präsenz lehren konnte und damit zunächst einen persönlichen Eindruck von den Studierenden erhalten hatte, fiel der Start des weiteren neuen Professors Georg Schönborn in die pandemiebedingte Umstellung des Lehrbetriebs auf die Online-Lehre. Im Sommersemester 2020 übernahm er das Lehrgebiet „Gebäudekunde und Entwerfen“. In seinen Lehrveranstaltungen experimentiert er mit den Studierenden anhand von Modellen mit der Wirkung von Raum und Licht: „Diese Themen begleiten unsere Entwurfsarbeit und veranschaulichen unsere architektonischen Entscheidungen.“

Bewertet werden Motivation und Interesse am Architekturstudium

Die Betreuung von so vielen Studierenden wie im Erstsemesterjahrgang 2020 ist für die Architekturlehre am Campus Minden nicht dauerhaft möglich. Für den Studienstart im Wintersemester 2021/2022 wurde deshalb erstmals eine künstlerisch-gestalterische Eignungsprüfung eingeführt: Alle Bewerberinnen und Bewerber konnten zum Stichtag 01.06.2021 eine Aufgabenstellung downloaden. Anhand einer Reihe von fünf Bildern sollte dargestellt werden, warum sie sich für Architektur interessieren und welche Themen ihnen dabei wichtig sind. 150 Studieninteressierte haben an der Eignungsprüfung teilgenommen und ihre Bearbeitungen mit Texten, Bildern und Skizzen online eingereicht. Bewertet wurde nicht ein erstes Fachwissen zum Studienfach, sondern vielmehr ging es um die Motivation und ein ernsthaftes Interesse an einem Architekturstudium. „Die Prüfung der eingereichten Arbeiten war ein großer Aufwand, der sich aber gelohnt hat“, ist sich die Studiengangsleiterin Bettina Mons sicher. Auf das Eignungsfeststellungsverfahren folgte die Bewerbung zum Studium mit dem Numerus Clausus-Verfahren. Final wurden 58 Bewerber und Bewerberinnen zum Studium zugelassen.

Neue Aufgabenstellung für Eignungsfeststellungsverfahren am 1. Mai

Das Curriculum des Architekturstudiums in Minden ist im Vergleich zu Architekturstudiengängen an anderen Hochschulen, bei denen der Fokus mehr auf dem Gestalterischen liegt, ausgewogen zwischen der gestalterisch-entwurfsbezogenen Lehre im Hochbau und im Städtebau, den baukonstruktiv-technischen Fächern, theoretischen Modulen und Fächern im Planungs- sowie Bauprozessmanagement. Neben Talent und Kreativität spielt auch ein technisches Grundverständnis für die angehenden Architektinnen und Architekten eine wichtige Rolle. „Eine Orientierung an aktuellen Anforderungen aus der Berufspraxis ist uns dabei sehr wichtig“, so Mons.

Das künstlerisch-gestalterische Eignungsfeststellungsverfahren für das Architekturstudium wird es von nun an dauerhaft geben. Am 1. Mai 2022 wird eine neue Aufgabenstellung veröffentlicht, die bis zum 30. Mai zu bearbeiten und einzureichen ist. Auch eine Zulassungsbeschränkung wird es für die Studienanfängerinnen und -anfänger des Wintersemesters 2022/23 wieder geben. (vku)

Erste Eindrücke vom Campus Minden können Studieninteressierte beim Hochschulinfotag (HIT)
am Donnerstag, 19. Mai, von 14 bis 16.30 Uhr gewinnen.
www.fh-bielefeld.de/minden/hit

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