FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
07.09.2022

Ausstellung von Fotografie-Studierenden der FH Bielefeld: Kreativer Zugang zu den Rochdale Barracks

Porträt von Philip Fröhlich und im Hintergrund sein Foto der Ausstellung
Unter dem Titel „The Colours“ fotografierte Philip Fröhlich einen ehemaligen britischen Soldaten auf dem Rochdale-Gelände, der in Deutschland stationiert war und nun hier lebt. © P. Pollmeier/FH Bielefeld
Ein Gebäude in dessen Fenstern Fotos hängen
Unter dem Titel „Dark Operation“ setzte Vincent Hölscher sich mit den Kasernengebäuden in der Dunkelheit auseinander. © P. Pollmeier/FH Bielefeld
Ein Foto einer Frau die auf einer Küchenzeile steht und eine Girlande mit Stofffetzen in der Hand hält
"Reframing": Miriam Juschkat inszenierte verschiedene Kunst- und Kulturakteurinnen und -akteure zusammen mit Objekten, die auf deren künstlerische Arbeiten hinweisen. © P. Pollmeier/FH Bielefeld

Seit dem 13. August findet im Rahmen des Projekts TRANSURBAN Residency auf dem Rochdale-Gelände ein buntes Programm aus Konzerten, Lesungen und Ausstellungen statt. Fotografie-Studierende der FH Bielefeld haben sich dem Kasernengelände auf kreative Weise genähert. Die entstandenen Projekte können noch bis zum 11. September vor Ort bestaunt werden.

Bielefeld (fhb). Es ist einiges los auf dem Rochdale-Gelände: Seit dem 13. August sind die Tore der ehemaligen Kaserne unter der Überschrift „TRANSURBAN Residency“ für die Menschen Bielefelds geöffnet. Das Transurban-Team, die Fachhochschule (FH) Bielefeld und das Architektur-Kollektiv „orizzontale“ aus Rom haben ein diverses Kunst- und Kulturprogramm aus Konzerten, Lesungen, Kreativ-Workshops und Ausstellungen entwickelt. Mit dabei: Fotografie-Studierende der FH Bielefeld, die sich dem Kasernengelände auf kreative Weise genähert haben. Noch bis zum 11. September können die Werke vor Ort begutachtet werden.

„Die Aufgabe bestand darin, dass die Studierenden das Gelände der Rochdale-Kaserne fotografisch bearbeiten“, erklärt Prof. Roman Bezjak von der Studienrichtung Fotografie des Fachbereichs Gestaltung. „Dabei waren die Studierenden sehr frei in ihren Zugängen. Die Ergebnisse sind dementsprechend sehr individuell und viele Ansätze haben mich wirklich beeindruckt.“ Das Besondere: Die Bilder sind auf riesige Folien gedruckt und kleben in den Fenstern der unzähligen Gebäude – zum Teil in mehreren Metern Höhe.

„Reframing“ – Mit Fotografie auf den Bedarf von Raum für Kunst in Bielefeld hinweisen

Porträt von Miriam Juschkat
Juschkat erklärt: „Mir war es wichtig, mit meiner Arbeit auf den Bedarf von Raum für Kunst und Kultur in Bielefeld hinzuweisen."

Eine der Arbeiten stammt von Fotografie-Studentin Miriam Juschkat. Ihre Idee: die leerstehenden Gebäude und verlassenen Orte wiederbeleben und aufzeigen, wie diese in Zukunft wieder genutzt werden könnten. Daher fotografierte die 37-Jährige lokale Kunst- und Kulturakteurinnen und -akteure zusammen mit Objekten, die auf deren künstlerische Arbeiten hinweisen. „Mir war es wichtig, mit meiner Arbeit auf den Bedarf von Raum für Kunst und Kultur in Bielefeld hinzuweisen“, erklärt Juschkat ihre Motivation. „Daher habe ich für meine Arbeit mit dem Titel ‚Reframing‘ einen Aufruf gestartet und ganz unterschiedliche Menschen in den Räumlichkeiten der Kaserne porträtiert.“

Besonders spannend war für Juschkat die Begegnung mit den Portraitierten: „Meistens kannten wir uns vorher nicht und haben uns dann gemeinsam auf die Suche nach einem geeigneten Raum gemacht, in dem sich die Person mit ihrer Arbeit wiederfinden konnte. Durch das Projekt habe ich sehr viele neue, interessante Menschen kennengelernt und neue Perspektiven aufgezeigt bekommen.“ Was Sie am Rochdale-Gelände besonders fasziniert hat? „Die Stille, mitten in der Stadt. Manchmal war ich vor Ort, wenn die Schranke geschlossen war und niemand anderes sich auf dem Gelände aufgehalten hat. Nur ein Hase hat mir dann und wann Gesellschaft geleistet.“

„The Colours“ – Anonymisierende Uniform vs. individuelles Mensch-Sein

Auch Master-Student Philip Fröhlich nähert sich den Rochdale Barracks über eine Inszenierung: Unter dem Titel „The Colours“ fotografierte er einen ehemaligen britischen Soldaten auf dem Rochdale-Gelände, der in Deutschland stationiert war und nun hier lebt. Fröhlichs Idee: Die anonymisierende Uniform dem individuellen Mensch-Sein gegenüberstellen. Dafür fotografierte er den ehemaligen Soldaten nackt, während er in nachdenklicher Pose auf seine vor ihm liegende Uniform schaut. Fröhlich erklärt: „Die vom Körper losgelöste Uniform steht sinnbildlich für seinen Lebensabschnitt beim Militär, den er mittlerweile hinter sich gelassen hat. Trotzdem ist diese Zeit ein Teil seiner Geschichte, auf die er zurückblickt.“

Mit dem Titel „The Colours“ spielt Fröhlich gleich auf mehrere Aspekte an: die Farbe der Uniform, die dunkle Hautfarbe des Protagonisten sowie den Ausdruck „Trooping the Colour“. Dieser Terminus stammt aus einer Zeit, in der den Soldaten die Truppenfahnen vorgeführt wurden, damit sie diese später im Kampf wiedererkennen konnten. Das war aus Sicht der militärischen Führung nötig, damit die Soldaten im Durcheinander der Schlacht einen Orientierungspunkt hatten.

„Dark Operation“ – Eine einzige Lichtquelle in der Dunkelheit

Einen ganz anderen Ansatz wählte Vincent Hölscher: Unter dem Titel „Dark Operation“ setzte er sich mit den Kasernengebäuden in der Dunkelheit auseinander. Dafür fotografierte er die Hallen und Werkräume bei Nacht und verwendete nur eine einzige Lichtquelle. Inspiriert hat ihn dabei der Zufall: „Während meiner ersten Besichtigung des Geländes habe ich eine Halle erkundet, die keinen Strom und somit auch kein Licht hatte. Daher bin ich nur mit meiner Taschenlampe gewappnet durch die dunklen Räume gelaufen und habe hier meine ersten Fotos geschossen.“ So war die Idee geboren, auf diese Art eine Reihe zu produzieren.

Porträt von Vincent Hölscher
Durch den Zufall inspiriert: Vincent Hölscher fotografierte die Hallen und Werkräume bei Nacht und verwendete dafür nur eine einzige Lichtquelle.

Besonders viel Spaß hatte er bei der Erkundung des Geländes, die Ruhe der Nacht kam ihm gelegen. So konnte er sich nur auf das Fotografieren konzentrieren und die besondere Atmosphäre auf sich und seine Arbeit wirken lassen. „Für viele der britischen Soldaten war die Kaserne wie ein Zuhause. Früher war es üblich, in meinem Alter zum Militär zu gehen. Daher habe ich mich manchmal gefragt, wie es für mich wäre, jetzt in so einer Kaserne zu leben.“

TRANSURBAN Residency schafft Raum für die Varianz der verschiedenen Kunstformen

Alle drei Studierenden sind froh über ihre Teilnahme an TRANSURBAN Residency. Juschkat betont: „Ich finde das Konzept toll, denn es ist eine enorme Bereicherung für die Bielefelder Kulturlandschaft. Es schafft Raum für Begegnungen, für Selbstgemachtes, für ein Miteinander und einen kreativen Freiraum abseits der kommerziellen Unterhaltungswelt.“ Auch Fröhlich kann dem künstlerischen Konzept viel abgewinnen: „Ich finde es sehr spannend, dass sich so viele verschiedene Kunstrichtungen mit dem Gelände befassen: Übergreifend gibt es damit zwar einen gemeinsamen Nenner, aber trotzdem zeigt sich die Varianz der unterschiedlichen Kunstformen.“

Interessierte können sich die Werke der drei Studierenden ebenso wie zahlreiche andere Ausstellungen, Konzerte und Workshops im Rahmen der TRANSURBAN Residency noch bis zum 11. September anschauen. Mehr Informationen zum Programm unter https://trans-urban.de/residency22/. (nhe)

  Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@fh-bielefeld.de wenden.