FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
13.11.2018

„Das didaktische Szenario ist für den Lernerfolg entscheidend“

Workshop „E-Learning in der Mathematik“ mit bundesweiter Beteiligung.

Der Workshop „E-Learning in der Mathematik“ füllte am 7. November den Konferenzsaal der FH Bielefeld mit Lehrenden aus Hochschulen mehrerer Bundesländer. Rund 60 Interessierte hatten sich zu der Veranstaltung angemeldet, die in Kooperation zwischen dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) der FH Bielefeld und der Geschäftsstelle E-Learning NRW stattfand. Letztere bietet seit 2008 im Auftrag des Wissenschaftsministeriums NRW Schulungen zum E-Learning an. Welche Person eignet sich als Mitorganisator und Moderator dieses Themenworkshops besser als Prof. Dr. Jörn Loviscach, der bundesweite Bekanntheit dadurch erlangte, dass er seine gefilmten Vorlesungen auf dem Videoportal YouTube zur Verfügung stellt und diese auch in die Lehre integriert. Der Kanal von Loviscach hat mittlerweile mehr als 27 Millionen Aufrufe, 70.000 Abonnenten und weit über 3.000 Videos zu verzeichnen.

„Ich bin überrascht und hocherfreut über die große Resonanz unserer Einladung an die FH Bielefeld“, sagte Loviscach, der im Fachbereich IuM für das Lehrgebiet Ingenieurinformatik und Technische Informatik berufen ist. Ziel des Tages sei es, die Potenziale und Herausforderungen des Einsatzes von digitalen Medien im Bereich Mathematik zu diskutieren. Neben der Vorstellung von aktuellen Praxisbeispielen und Projekten werde es verschiedene Working-Sessions geben, die Gelegenheit zum Austausch in dieser Fachcommunity bieten und hoffentlich neue Ideen für die eigene Lehre sowie geeignete Kooperationen aufzeigen, damit sich nicht jeder eine eigene Lösung strickt, so der Aufruf von Loviscach in seiner Einführungsrede. „Gerade an einem MINT-Fachbereich wie dem unseren spielen die Abbrecherquoten, insbesondere auch wegen der Mathematik, eine große Rolle. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind E-Learning-Angebote kombiniert mit Vorkursen sicherlich ein profundes Mittel. Ich hoffe, dass Sie heute weitere Lösungsansätze für diese Problematik finden und wünsche Ihnen viel Erfolg“, so IuM-Dekan Prof. Dr. Lothar Budde, als er die Gäste in der FH begrüßte.

In den ersten zwei Sessions, die aufgrund der Fülle an Themen parallel liefen, befasste sich eine Arbeitsgruppe unter der Moderation von Dr. Klaus Viertel, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich IuM, mit digitalen Aufgabensammlungen in der Mathematik. So stellten unter anderem Dr. Florian Heiderich (Universität Siegen) dasWeBWorK-System, Prof. Dr. Klaus Giebermann (HS Ruhr-West) seine MathWeb-Plattform und Dr. Sabrina Proß (FH Bielefeld) das MyMathLab-Tool vor. „Wir arbeiten seit einigen Jahren erfolgreich mit dieser Methode in unseren praxisintegrierten Studiengängen. Es handelt sich um ein kommerzielles Tool, bei dem die Kurse auf Büchern des Verlags basieren. Mithilfe von E-Learning-Hausaufgaben bereiten die Studierenden sich auf die Veranstaltungen vor und durch E-Learning Tests erhalten Sie ein Feedback zu Ihrem aktuellen Wissensstand“, erläutert Proß das an der FH Bielefeld eingesetzte Tool.

Loviscach selbst hielt den Workshop „Best-Practice: Videos“. Schwerpunktthema war zum einen die unabdingbare Einbettung der Videos, „ohne diese kann es gar keinen didaktischen Nutzen geben“, so Loviscach. Zum anderen wurden Softwareproblematiken diskutiert, die Loviscach für sich gelöst hat, indem er selbst Software zum Schreiben, Zeichnen, Aufnehmen und Videoschneiden programmierte. Diese ist auf seiner Homepage frei verfügbar.

Selbst in den zwischengeschalteten Pausenzeiten gab es die Möglichkeit des Austausches. So wurden im Vorfeld Themen ermittelt, die für eine breite Mehrheit der Fachcommunity von Interesse sind und schließlich per Aufsteller auf die so genannten Thementische gestellt wurden. Auf diese Weise konnte man leicht mit ähnlich Interessierten in Kontakt treten. In der zweiten Workshoprunde des Tages hatten die Gäste die Wahl zwischen den Themen „Best-Practice: Lehrfellow Project, DOMAIN – Database of Math Instructions“, vorgestellt von Dr. Michael Kallweit der Ruhr-Universität Bochum und „VEMINT und studiVEMINT: Interaktives Lernmaterial und Lehr-Lernkonzepte für mathematische Vor- und Brückenkurse“, vorgetragen von Tobias Mai und Dr. Thomas Wassong von der Universität Paderborn.

In den abschließenden zwei Parallelsessions ging es zum einen um die Einschätzung studienrelevanter Mathematikvorkenntnisse mit dem Instrument des Wissenstests Mathematik. Das Online-Lernportal StudiPort, Nachfolger des Portals Studifinder, deckt in seinem Selbsttest 13 Wissensbereiche organisiert in 10 Kapitel ab und dient in erster Linie der Sensibilisierung für mathematische Studienvoraussetzungen. Darüber hinaus werde der Onlinekurs des Portals auch in Lehrveranstaltungen eingesetzt, erklärte Prof. Dr. Johanna Heitzer von der RWTH Aachen. In der Parallelsession beleuchtete Prof. Dr. Michael Beurskens, Universität Passau, häufig gestellte Fragen zum Prüfungsrecht an Hochschulen. Die Möglichkeiten von Online-Klausuren und anderer digitaler Studienleistungen wurden sowohl im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben als auch anhand aktueller Gerichtsurteile bewertet.

In der Abschlussrunde wurden die Ergebnisse der einzelnen Workshops unter anderem von Cornelia Helmstedt, E-Learning NRW, zusammengetragen und die Möglichkeiten des weiteren Austausches über den Tag hinaus aufgezeigt. Lovicach resümierte am Ende des nach seiner Einschätzung sehr erfolgreichen Workshoptages „Egal, ob es um die Effekte der Aufgabensammlungen, den Einsatz von Wissenstests oder Lernvideos geht: Das didaktische Szenario ist für den Lernerfolg entscheidend“.

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Text: Tanja Hage