FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
22.03.2021

Diskussionen und Kontakte im Geist von „50 Jahre Zukunft“

Das Jubiläumsmotto der FH Bielefeld als Leitlinie: Unternehmen und Hochschule diskutieren Konzepte der künftigen Zusammenarbeit und Lehren aus der Corona-Pandemie – Online-Infotag des Campus Gütersloh bietet Studierenden zahlreiche Kontakte in die Wirtschaft.

Drei Personen sitzen nebeneinander bei einer Podiumsdiskussion.

Gütersloh (fhb). Hochschulen haben den Digitalisierungsschub genutzt, der durch die Corona-Pandemie entstanden ist. Neue Formate für Lehre, Forschung und Transfer sind entstanden. Dennoch sollte die Hochschule der Zukunft keineswegs rein digital vonstattengehen, Präsenz bleibt unverzichtbar. Das waren die grundlegenden Thesen, über die Einigkeit herrschte bei der Online-Podiumsdiskussion „Hochschulkonzepte der Zukunft – Digitaler Wandel als Treiber der Neugestaltung kooperativer Strukturen mit der Wirtschaft“.

Eine Person sitzt vor einem Bildschirm, auf dem Bildschirm sind zwei Personen per VIdeokonferenz dazu geschaltet.

Zu dieser Diskussion, die Teil der Veranstaltungen rund um das 50-jährige Bestehen der Fachhochschule (FH) Bielefeld war, hatte der Campus Gütersloh am vergangenen Donnerstag verschiedene Expertinnen und Experten eingeladen. Am darauffolgenden Samstag dann wurde das Programm abgerundet durch den Online-Infotag des Campus Gütersloh mit integrierter Börse für einen praxisintegrierten Studienplatz. Hier konnten Studieninteressierte elf Unternehmen aus der Region und das praxisintegrierte Studium der FH Bielefeld kennenlernen.  

Neue Inhalte, neues Lernen

Zum Einstieg in die Podiumsdiskussion hielt Dr. Jannica Budde, Projektmanagerin Hochschulforum Digitalisierung am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh, einen Impulsvortrag mit dem Titel „New Skills, New Learning, New Spaces – Digitalisierung und die Hochschule der Zukunft“. Im Anschluss diskutierte die Hochschulexpertin mit Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk (Präsidentin FH Bielefeld), Christian Nüßer (Geschäftsführender Gesellschafter Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG), Erich Schemmann (Geschäftsführer Scanfabrik KG) und Prof. Dr. Christian Schwede (FH Bielefeld, Campus Gütersloh). Buddes These: Die erfolgreiche Hochschule der Zukunft wird eine Mischung darstellen aus neuem Lernen in digitalen Räumen (aber nicht nur hier!), neuen Lehrinhalten und einer neuen gesellschaftlichen Rolle innerhalb des Konzepts eines „lebenslangen Lernens“.

Eine Plattform für Forschung und Entwicklung?

Christian Nüßer, dessen Unternehmen Venjakob weltweit Lackieranlagen errichtet, die einen vergleichsweise hohen Automatisierungsgrad aufweisen, zeigte sich begeistert über den Elan der Hochschulen, die Digitalisierung weiterzutreiben und in eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Unternehmen einzutreten. Aus seiner Sicht gebe es noch viel zu tun. Beispiel Automobilindustrie: Hier stehe man zwar überall „in den Startlöchern“ – in der Logistik, bei der Produktion, bei den Produkten selber –, aber viele Bereiche seien erst „teildigitalisiert“. Gemeinsame Projekte mit den Hochschulen seien hier höchst willkommen. Mit Blick auf die Wirtschaft in OWL wünscht sich Nüßer, dass auch kleinere Firmen bis hinunter zum Handwerksbetrieb in den Genuss der Zusammenarbeit mit Hochschulen gelangen. Hier seien nach wie vor Hürden zu überwinden. Nüßer wünscht sich deshalb die Entwicklung einer Onlineplattform für Forschungs- und Entwicklungsthemen.

Starke Vernetzung in OWL

Ingeborg Schramm-Wölk hob die hervorragenden Ergebnisse des praxisintegrierten Studiums an der FH Bielefeld hervor. Über 300 Unternehmen kooperieren in diesem Feld mit der Hochschule, darunter auch nicht wenige kleinere Firmen. Sie lobte darüber hinaus die Vernetzung durch das Spitzencluster it’s OWL und Campus OWL, die Kooperationsplattform der fünf staatlichen Hochschulen in der Region. Die Digitalisierung gebe insbesondere der notwendigen Internationalisierung von Lehre, Forschung und Transfer neue Möglichkeiten, die an der FH konsequent genutzt würden. Schramm-Wölk: „Wir sind heute nicht mehr nur in Gütersloh oder Bielefeld, wir sind gleichzeitig auch in New York, in Helsinki oder Schanghai!“ Im Übrigen sei die FH auch deshalb bislang so gut mit Online-Lehre durch die Krise gekommen, weil die IT-Verantwortlichen schon vor Jahren einen konsequenten Modernisierungskurs eingeschlagen haben.

Engere Zusammenarbeit erwünscht

Von einer solchen Grundsatzentscheidung berichtete auch Erich Schemmann, Geschäftsführer der Scanfabrik KG, die ihren Hauptsitz direkt neben der FH am „Gleis 13“ in Gütersloh hat. Schemmann erwähnte einen einst kleinen Handwerksbetrieb aus seinem Kundenstamm, der vor 20 Jahren konsequent alle kaufmännischen Prozesse digitalisierte und damit die Grundlage für ein extremes Wachstum schuf. „Ohne die anfangs sehr arbeits- und kostenintensive Umstellung aller Prozesse auf digital, hätte das Unternehmen seine Wachstumsgeschichte nicht schreiben können“, so Schemmann. Das Hinterfragen von traditionellen Methoden und Inhalten an den Hochschulen begrüßte der Unternehmer: „Wir wünschen uns hier eine engere Zusammenarbeit!“

Didaktische Herausforderungen

Christian Schwede, Professor für das Lehrgebiet Big Data Analytics, mahnte an, dass bei der Digitalisierung möglichst alle Studierenden mitgenommen werden müssten. Darüber hinaus vertrat Schwede die These, dass noch nicht alle digitalen Kooperationsmöglichkeiten der Hochschulen untereinander ausgenutzt seien. Er plädierte beispielsweise nach dem Vorbild von Hochschulen in den USA dafür, Standardwissen wie Höhere Mathematik, die für nahezu alle Ingenieursstudiengänge obligatorisch sei, in Kooperation anzubieten. Dann könne er auch noch mehr Energie darauf verwenden, seine speziellen Inhalte didaktisch ausgefeilter an seine Studierenden zu vermitteln.

„Mitdenker gesucht!“

Jannica Budde unterstrich zum Ende der Diskussion, dass ein Paradigmenwechsel in vollem Gange sei: In den vergangenen Jahren seien den Studierenden an den Hochschulen Eigeninitiative und Eigenverantwortung eher abtrainiert worden. Für die zunehmend digitale Zukunft hingegen, seien genau diese Tugenden verstärkt gefragt. Das wiederum stieß auf Gegenliebe bei den anwesenden Unternehmensvertretern. Christian Nüßer forderte von Hochschulvertretern und -vertreterinnen, Unternehmen und Studierenden eine Machermentalität. Erich Schemmann sagte: „Unser Unternehmen sucht keine Mitarbeiter, sondern Mitdenker!“ (lk)

Vier Personen sitzen nebeneinander und diskutieren.
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