FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
08.06.2021

Dr. Philip Wette übernimmt Stiftungsprofessur am Campus Minden

Mindener Wirtschaft ermöglicht durch ihre Stiftung den Masterstudiengang „Integrierte Technologie- und Systementwicklung“

Prof. Dr. Wette schaut sich eine Schriftstück der Stiftungsprofessur an.

Minden (fhb). Vier Akteure aus der Region haben sich zusammengetan, um für den Campus Minden der Fachhochschule (FH) Bielefeld eine Stiftungsprofessur für das Lehrgebiet Ingenieurinformatik ins Leben zu rufen, Ausstattung inklusive: Der Verbindungs- und Automatisierungstechnikanbieter Wago, größter Einzelstifter, stellt die Mittel für die Professur des neugegründeten Masterstudiengangs „Integrierte Technologie- und Systementwicklung“ bereit. Der Haushalts- und Gastronomiebedarfshersteller Melitta, der Industrieanlagenproduzent MINDA, der Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke sowie die FH Bielefeld unterstützen die Stiftung ebenfalls und ermöglichen somit eine tragfähige Infrastruktur.

Prof. Dr. Wette sitzt am Schreibtisch und schaut über die Schulter.

Dazu zählen zum Beispiel die Aufwendungen für wissenschaftliche Mitarbeit, Lehrmittel und Büroausstattung. Berufen wurde Prof. Dr. Philip Wette, der seine Expertise insbesondere im Master „Integrierte Technologie- und Systementwicklung“, aber nicht nur dort, einbringen wird.

Maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz, neuronale Netze

Dazu André Bell, Mitglied des Beirats der Stiftungsprofessur und Leiter Ausbildung Elektrotechnik bei Wago: „Wir freuen uns über die Wahl der Berufungskommission. Philip Wette ist ein dynamischer und trotz seines jungen Alters bereits sehr breit aufgestellter Wissenschaftler, der auf den Gebieten des maschinellen Lernens, der künstlichen Intelligenz und der Kommunikationsnetze exzellente Leistungen vorweisen kann. Von diesem Know-how werden die Studierenden am Campus Minden ebenso profitieren wie die FH Bielefeld insgesamt.“

Reizvolle akademische Freiheit

In der Tat bringt Philip Wette bereits über zehn Jahre praktische Forschungserfahrung mit, in reiner Grundlagenforschung ebenso wie in klar produktorientierter Ausrichtung für Unternehmenszwecke: Nach Informatikstudium und Promotion an der Universität Paderborn sammelte der 35-Jährige erste Erfahrungen in der akademischen Lehre und Forschung. Es folgten mehrere Jahre in der Forschungsabteilung eines großen deutschen Automobilzulieferers.

Silhouette von Prof. Dr. Wette vor einem Fenster.

Jetzt zieht es den gebürtigen Mindener wieder in die Wissenschaft. „Hier reizt mich nicht zuletzt die akademische Freiheit. In der Industrieforschung gibt es oft sehr konkrete Anforderungen und Zielvorgaben. Das schränkt die kreativen Möglichkeiten der wissenschaftlichen Arbeit naturgemäß ein. Als Professor kann ich den Blick wieder etwas breiter schweifen lassen und auch relevante Forschungsfragen bearbeiten, die nicht sofort, zum Beispiel in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Zeitplanung, zu den Zielen eines Unternehmens passen müssen.“

Verbesserung von Algorithmen im Fokus

Wie breit angelegt das Forschungsinteresse des neuen Stiftungsprofessors ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Philip Wette hat sich thematisch bereits eingehend mit der medizinischen Bildverarbeitung, mit Navigationssystemen und mit Kommunikationsnetzwerken beschäftigt. Eine Konstante allerdings gab es für den studierten Informatiker bei alledem: die Verbesserung von Algorithmen. Stets hat Wette die Frage interessiert, wie die von den Maschinen gesammelten Informationen so aufbereitet, interpretiert und genutzt werden können, dass effizientere, robustere und womöglich auch ganz neue Lösungen daraus entstehen.

Arbeiten zur Verbesserung von automatisiertem Fahren

Beispiel autonomes Fahren: Hier sind technologisch noch einige Hürden zu überwinden, bevor Fahrzeuge tatsächlich selbstständig und sicher im komplexen Verkehrsgeschehen unterwegs sind. „Ein moderner Pkw produziert heute laufend Unmengen von Daten. Ich habe mich damit beschäftigt, wie man möglichst viele dieser Daten, beispielsweise die Drehraten der Räder, die für das ESP gemessen werden, sammelt, aufbereitet und so nutzt, dass diese algorithmisch mit den Satellitensignalen gemeinsam ausgewertet werden können, um die Lokalisierung von Fahrzeugen nachhaltig zu verbessern.“

Rückfahrkameras als Datenlieferanten

Ein weiteres Projekt Wettes, das in die gleiche Richtung zielt, war die Auswertung und Datenaufbereitung von Rückfahrkameras. Diese Kameras sammeln jede Menge Umgebungsinformationen, eigentlich als Hilfe für das Rückwärtsfahren, sie können aber auch beim Vorwärtsfahren angeschaltet bleiben. Wette: „Erhält der Lokalisierungsalgorithmus zusätzlich diese Informationen, liefert er eine genauere Standortposition, was wiederum Systeme für automatisiertes Fahren verbessern kann. Im Rahmen eines Projekts haben wir mithilfe der Bilder der Rückfahrkamera einem Fahrzeug beigebracht zu erkennen, auf welcher Fahrspur es sich gerade befindet.“

Prof. Dr. Wette zeigt auf den Bildschirm einer Rückfahrkamera.

Kommunikationsressourcen schlauer managen

Trotz der Fortschritte in der Forschung liegt das flächendeckende autonome Fahren noch in ferner Zukunft. Greifbarer sind da schon Lösungen auf einem anderen Gebiet, das Philip Wette brennend interessiert: die effiziente Aufteilung von endlichen Kommunikationsressourcen.

Er erklärt das Problem: „Möchten alle Menschen und alle Maschinen, die sich an einem Ort befinden, auf einmal kommunizieren – Stichwort Industrie 4.0 –, ist es nicht unwahrscheinlich, dass WLAN, Mobilfunk und Co. zusammenbrechen. Man kennt das aus dem ICE, wenn alle Fahrgäste gleichzeitig mit ihren Geräten im Internet surfen wollen.“ Wette möchte die vorhandenen Kommunikationsressourcen besser unter den Teilnehmenden aufteilen, sodass der Nutzen über alle maximiert wird. Besser heißt intelligenter. Wette: „Wir brauchen Systeme, die bedarfsgerecht, fair und in Echtzeit miteinander über die vorhandenen Ressourcen verhandeln. Die Systeme sollen nicht nur die jeweils benötigten Ressourcen erkennen, sondern auch die Relevanz der Anwendungen: Welche muss sofort ausgeführt werden, welche kann warten? Mit algorithmischer Hilfe wird dann über die Aufteilung der Kommunikationsressourcen entschieden.“

Vorfreude auf die Lehre ist groß

Neben der Forschung freut sich Philip Wette jetzt vor allem auf die Arbeit mit den Studierenden. Er setzt auf Praxisnähe im Unterricht, die sich mit der Schaffung intelligenter, vernetzter Systeme gut umsetzen lässt. Wette ist sich sicher: „Die Studierenden lernen so im Masterstudiengang ,Integrierte Technologie- und Systementwicklung‘ wichtiges Handwerkszeug für den Einsatz in Unternehmen, besonders im Hinblick auf die Megatrends Industrie 4.0 und Internet of Things.“ (lk/uh)