FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
05.06.2019

Drei FH-Absolventen erhalten Gründerstipendium NRW

Die Absolventen des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik gründeten Start-up-Unternehmen für einfache und flexible Maschinendatenerfassung

Vier Männer stehen vor Maschinen, ein Mann hält ein Tablet in der Hand

Drei FH-Absolventen wagen den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit der Unterstützung von Prof. Dr. Jürgen Sauser, Lehrender der Fachhochschule (FH) Bielefeld und Projektverantwortlicher für die Industrie 4.0-Anlage in der Experimentierhalle des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM), gründen Erman Aydin, Nico Debowiak und Manuel Meier PRODASO. PRODASO steht dabei für Production Data Solutions. Seit Februar wird das Start-up durch das Gründerstipendium NRW gefördert.

Die ersten Vorläufer bis zur konkreten Gründungsidee entstanden bei FH-Absolvent Debowiak während seiner Masterarbeitsphase im Studiengang Maschinenbau: „Da ich zum Themenfeld Potential und Umsetzungsanalyse bei Prof. Sauser schrieb, arbeitete ich viel in der Industrie 4.0-Anlage in der Experimentierhalle. Dabei fiel mir erstmals richtig auf, wie schwierig es ist, die Kommunikation der einzelnen Systeme in einer solch komplexen Anlage untereinander herzustellen.“ Sein erklärtes Ziel sei dabei von vorneherein die vollständige Vernetzung der Systeme in der Anlage.

Befeuert wurde der Gründungsgedanke vor allem durch die ersten Berufserfahrungen von Aydin und Debowiak. „Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen haben die Maschinen aufgrund ihres unterschiedlichen Alters und auch aufgrund der verschiedenen Hersteller inkompatible oder gar keine Schnittstellen, was einen hohen Arbeitsaufwand mit sich bringt“, erklärt Aydin. Selbst in der vergleichsweise top aktuellen Industrie 4.0-Anlage der FH war es eine Herausforderung, die heterogenen Systeme miteinander zu verbinden. „Es müssen immer wieder individuell kompatible Schnittstellen geschaffen werden. All das stellt eine große Hürde auf dem Weg zur Digitalisierung dar und bindet unnötig Ressourcen. Wir wollen mit unserer Geschäftsidee den kleinen und mittelständischen Unternehmen den Weg ebnen, um die Potentiale des Industrie 4.0 Gedankens überhaupt für sich nutzen zu können“, bringt es Meier auf den Punkt. „Es ist auffällig, dass immer nur über, die Großen‘ gesprochen wird, für die es ohnehin individuelle Lösungen gibt“, ergänzt Debowiak.

PROSADO arbeitet mit den bereits vorhandenen, aber ungenutzten Daten der jeweiligen Firmen. Das angestrebte Ziel sei deshalb, laut Aussage der drei Gründer, eine einfache und gleichzeitig flexible Maschinendatenerfassung anbieten zu können, die unabhängig von den im Unternehmen vorhandenen Schnittstellen implementiert werden kann. Der Slogan „One plug away... auf dem Weg zur Digitalisierung“ ist wie aus einem Mund zu hören.

Erman Aydin, Absolvent des Bachelorstudiengangs Maschinenbau arbeitete zwischenzeitlich gemeinsam mit seinem ehemaligen Kommilitonen Nico Debowiak in einem kleinen Bielefelder Ingenieurbüro als Entwicklungsingenieur. Darüber hinaus ist Aydin freiberuflicher IT-Berater im Bereich digitale Transformation. Manuel Meier studierte zunächst im Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Bielefeld, bevor er den Masterstudiengang Produktion und Management an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe anschloss. „Aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte ergänzen wir drei uns im Team wunderbar. Während ich den Wirtschaftspart in puncto Vertrieb, Marketing und Finanzen übernehme, kümmern sich Erman und Nico um den technischen Part. Dabei ist Erman eher für die Hardware und Nico für die Prozesse der technischen Projektierung zuständig. Wir kennen uns seit dem Abitur, weshalb die Zusammenarbeit freundschaftlich und unkompliziert funktioniert“, freut sich Meier.

„Es ist toll zu sehen, wie die drei ihre Idee voranbringen. Sie möchten die Menschen in der täglichen Arbeitspraxis unterstützen und deshalb war es auch eine logische Konsequenz, direkt mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten“, erklärt Prof. Sauser, der betont stolz auf das Engagement seiner ehemaligen Studierenden ist. Die FH-Anlage dient dabei zu Testzwecken. „In dieser Testumgebung ist alles möglich. Es kann nichts passieren. Für Firmen sind solche Versuche in der laufenden Produktion schwer umsetzbar, weshalb es für die Gründer umso wertvoller ist, dass ihnen die Anlage zu diesen Zwecken zur Verfügung steht und wir als FH ihren Start-up Traum unterstützen können“, findet Sauser und hofft, dass noch einige Studierende diesen Weg gehen werden.

Ein praktisches Unternehmensbeispiel bietet der Sondermaschinenhersteller Hymmen GmbH Maschinen- und Anlagenbau aus Bielefeld. Die Verbindung zum Unternehmen entstand durch einen Wettbewerb, dem sogenannten Founders Hack der Founders Foundation, an der Aydin, Debowiak und Meier teilgenommen haben.

Im Grunde geht es darum, reale Probleme der Industrie zu bearbeiten. Dabei haben die drei sich bewusst für den potentiellen Kunden Hymmen entschieden, da deren Problembeschreibung ein Ziel ihrer Gründungsidee umfasst. Mit ihrem Lösungsvorschlag haben sie dann auch gewonnen. Es folgte eine Einladung der Hymmen GmbH zur Firmenbesichtigung. Die Vertreterinnen und Vertreter des Sondermaschinenherstellers sehen in der Gründungsidee Potential für viele ihrer Kunden. Die meisten arbeiten noch mit alten Maschinen, denen jegliche Anbindung fehle. Eine win-win Situation für alle Beteiligten.

Nach dem Erfolg beim Founders Hack haben sich die drei für das sogenannte „Tausend mal Tausend“ Gründerstipendium des Landes NRW erfolgreich beworben. Die jungen Gründer werden nun ein Jahr lang mit jeweils 1.000 Euro pro Person und Monat bei ihrem Geschäftsvorhaben unterstützt. Offizieller Start des Stipendiums war am 1. Februar. Seit der offiziellen Gründung im März arbeitet das Team Vollzeit an ihrem Start-up, die bisherigen Beschäftigungen haben sie mittlerweile aufgegeben.

Text: Tanja Hage