FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
20.05.2021

Ein provokativ-kritischer Kommentar zur Gegenwart – die FH-Online-Werkschau 2021

Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld präsentieren auf experimentelle und interdisziplinäre Weise ihre Arbeiten auf einer digitalen Plattform.

Eine Frau und ein Mann sitzen auf einer Treppe. Sie sind schwarz gekleidet und der Mann hält eine weiße Rose in der Hand

Bielefeld (fhb). Zweimal im Jahr entstehen am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld Bachelor- und Masterabschlussarbeiten in den vier Studienrichtungen „Mode“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Digital Media and Experiment“. In den vergangenen Jahren konnten Interessierte die Werke stets vor Ort auf dem dreitägigen Event im Hochschulgebäude in der Lampingstraße erkunden. Aufgrund der Maßnahmen zur Einschränkung der Covid-19-Pandemie müssen die Arbeiten nun schon zum zweiten Mal in Folge digital ausgestellt werden: Auf der Website werkschau.gestaltung-bielefeld.de sind die 30 Bachelorarbeiten und 12 Masterarbeiten ab sofort zu sehen.

Kritische Betrachtungen und überraschende Positionen

„Die ausgestellten Arbeiten widmen sich wichtigen Fragen unserer Gegenwart und konfrontieren uns mit kritischen Betrachtungsweisen und überraschenden Positionen“, charakterisiert Prof. Dirk Fütterer, Dekan des Fachbereichs Gestaltung das vielfältige Spektrum. Die Arbeiten beschäftigen sich unter anderem mit alternativen Lebenskonzepten und Subkulturen, mit der Wirkung von öffentlichem und privatem Raum auf unser Zusammenleben, aber auch mit nachhaltigeren Produktionsprozessen. „Viele dieser Projekte überschreiten die Grenzen ihrer Ausgangsdisziplin, suchen nach innovativen und erkenntnisreichen Lösungsansätzen und bedienen sich dabei häufig einer experimentellen Arbeitsweise“, erläutert Prof. Patricia Stolz, Prodekanin des Fachbereichs Gestaltung. Stellvertretend für die gesamte Werkschau im Folgenden drei Beispiele aus den verschiedenen Fachrichtungen:

Ein Lifestyle-Magazin über den Tod

Tom Herzog, Bachelorabsolvent in der Studienrichtung  Kommunikationsdesign, hat ein überaus ungewöhnliches Magazin zu einem alltäglichen und doch oft verdrängten Thema designt, Merchandisingartikel und Modekollektion (sic!) inklusive. In „FIN Deathstyle Magazin“ geht es um nichts weniger als das Sterben und den Tod. Die Besucher können sich überraschen lassen von stylisch-dunklen Layouts. Sie können sich überlegen, ob sie den Energydrink „Last Drop“ trinken würden. Und sie könnten erwägen, einen gebrandeten Hoodie zu bestellen, den Zeichen und Symbole zum Thema Vergänglichkeit und Tod zieren.

„FIN ist nicht nur ein Magazin, sondern auch eine Marke, die mit neuen Mitteln das Ziel verfolgt, die eigene Sterblichkeit wieder in den Vordergrund zu bringen“, heißt es im Begleittext zur Ausstellung. Und weiter: „Wenige Menschen möchten etwas über den Tod wissen, schon gar nicht junge Menschen, bis tatsächlich ein Todesfall eintritt. Deshalb ist es wichtig, das Thema Tod so attraktiv wie ein Lifestylemagazin zu kommunizieren.“

Verwischte Formen: Kleider für unklare Identitäten

Aylin Tomta, Masterabsolventin der Studienrichtung „Mode“, zeigt im Rahmen ihrer Abschlussarbeit „Hylemorph“ unförmig-elegant geschneidertes, edles Tuch an Menschenkörpern. Eindrucksvoll werden die Entwürfe dargereicht, mal mittels klassischer Modefotografie, mal unscharf-sphärisch ins Bild gesetzt, sodass deutlich wird, wie die Formen durch menschliche Bewegungen verwischen. Immer bleibt dabei unklar, ob es sich um Männer- oder Frauenmode handelt.

„Hylemorph“ beschäftigt sich mit der Eliminierung von Stereotypisierungen und mit den Grenzen der Geschlechteridentitäten, heißt es im Text zur Arbeit: „Obgleich die kulturellen Überformungen und sozialen Konstrukte unserer Gesellschaft etwas anderes behaupten, lassen sich Identitäten nicht zwangsläufig an gängigen binären Schemata ausrichten.“ Gleichsam als Leitgedanke der Kollektion dient ein Zitat E.T.A. Hoffmanns: „Ich bin das, was ich scheine, und scheine das nicht, was ich bin, mir selbst ein unerklärliches Rätsel, bin ich entzweit mit meinem Ich!“

Möglichkeitsräume und Grenzen zwischen „öffentlich“ und „privat“

Die Fotografie-Absolventin Morgane Overath präsentiert in ihrer Masterarbeit „WOHN.RAUM.DICHTE“ Ausschnitte leerer, weißer, unfertiger Innenräume, die ein spannungsvolles und sanftes Spiel von Linien, Licht und Schatten zeigen. Diesen gegenübergestellt zeigt sie Abbildungen städtischer Fassaden von eher banaler, grober, heruntergekommener Natur. Auf subtile Weise thematisieren Overaths Arbeiten Beziehungen und Gegensätze zwischen städtischem und privatem Raum. „Die Grenzen erleben eine Verschiebung, und der*die Bewohner*in der Stadt sieht sich mit Teilöffentlichkeiten und Privatheiten konfrontiert“, heißt es in der Beschreibung der Arbeit.

Reinschauen lohnt sich immer wieder – eine Website mit Archivfunktion

Neben den genannten Projekten sind auf der Werkschau-Website noch zahlreiche weitere spannende Arbeiten vorgestellt. „Die Website wurde 2020 als Archiv konzipiert, sodass wir hier fortlaufend weitere Projekte präsentieren können“, sagt Prof. Stolz. „Es lohnt sich also, immer mal wieder hereinzuschauen!“ (lk)