FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
20.08.2020

Erklärvideos für Menschen mit geistiger Behinderung

Forschende der FH Bielefeld wollen die Gesundheitskompetenz stärken.

Ein gezeichneter Mann steht neben einer Tafel. Auf der Tafel zeichnet eine animierte Hand.

Bielefeld (fhb). Menschen mit geistiger Behinderung sind im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine gesundheitlich benachteiligte Gruppe: Um gesundheitsrelevante Informationen beschaffen, verstehen und beurteilen zu können, benötigen sie eine gewisse Gesundheitskompetenz. Darin besteht für diese Gruppe eine sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen. Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck und Prof. Dr. Norbert Seidl von der Fachhochschule (FH) Bielefeld beschäftigen sich in ihrem Projekt „Stärkung der Gesundheitskompetenz durch effektive zielgruppengerechte Informationskonzepte“ (Geko-MmgB) damit, wie diese Gesundheitskompetenz Menschen mit geistiger Behinderung in Form von Erklärvideos nähergebracht werden kann. „Unser Ziel ist, gesundheitskompetente und selbstbestimmte Entscheidungen von Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern und Verhaltensänderungen zu initiieren“, erklärt Latteck.

Bei dem vom Bundesministerium für Gesundheit mit 500.000 Euro geförderten Projekt wird in einem ersten Schritt durch leitfadengestützte Interviews ermittelt, welche Gesundheitsthemen für Menschen mit geistiger Behinderung eine hohe Relevanz haben. Gleichzeitig werden Erkenntnisse über das vorhandene gesundheitsbezogene Wissen und Verhalten gesammelt sowie grundlegende Aspekte des Denkens und Handelns von Menschen mit geistiger Behinderung gewonnen. „Auf Grundlage dieser Erkenntnisse entwickeln Forscherinnen und Forscher der FH Bielefeld und Ko-Forscherinnen und -Forscher mit geistiger Behinderung in einer Arbeitsgruppe gemeinsam die inhaltliche Ausgestaltung der Erklärvideos und unterstützen dadurch die Umsetzung durch eine Produktionsfirma“, erklärt Seidl. Die Ko-Forscherinnen und -Forscher sollen dafür sorgen, dass relevante Inhalte ausgewählt und verständlich in Bild und Schrift dargestellt werden. Darüber hinaus werden sie in die weiteren Schritte des Forschungsprozesses mit einbezogen.

Im Anschluss werden Gesundheitskompetenz, Gesundheitszustand und Teilhabe am gesundheitsbezogenen Alltag erfasst. Dazu gehört die Messung kurz- und langfristiger Effekte. Zudem werden die Wahrnehmung der Erklärvideos und die subjektive Wahrnehmung der Teilnahme am gesundheitsbezogenen Alltag ermittelt. „Dadurch erhalten wir Erkenntnis über die allgemeine Gesundheitskompetenz der Zielgruppe, die bisher kaum Berücksichtigung gefunden hat“, sagt Latteck. Als Ergebnis existieren zudem die erstellten Erklärvideos, die in einem offenen Onlineportal jederzeit kostenlos abgerufen und in den Alltag der Menschen integriert werden können.

Als Kooperationspartner aus der Praxis unterstützen nachstehende Einrichtungen das Forschungsvorhaben: Wittekindshofer Werkstätten der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, Bad Oeynhausen, Lebenshilfe Minden, Caritas Wohnen Paderborn, Flex® Eingliederungshilfe gGmbH, Bielefeld (Diakonische Stiftung Ummeln), Heilpädagogische Hilfe Osnabrück Wohnen gGmbH, Lebenshilfe Minden e.V., Lebenshilfe Lübbecke e.V., Lebenshilfe Kreisvereinigung Gütersloh e.V., Stiftung Bethel, Bethel Regional, Bielefeld, Stiftung Eben-Ezer, Lage, vkm Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V., Hamm, Wertkreis Gütersloh gGmbH.

Weitere Informationen zum Projekt:

https://www.fh-bielefeld.de/inbvg/projekte/versorgungsforschung/geko-mmgb

(bes)