FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
26.03.2020

Fachhochschule bereitet sich auf digitale Lehre vor

Unter dem Schlagwort „Keep Teaching!“ hat die FH mit einem Team aus der Bibliothek, der Datenverarbeitungszentrale und Lehrprojekten ein internes Service-Angebot auf die Beine gestellt.

Technik zur Videoaufzeichnung auf einem Tisch.

Bielefeld (fhb). An der Fachhochschule (FH) Bielefeld gilt an allen Standorten, also in Bielefeld, Gütersloh und Minden, seit diesem Montag ein eingeschränkter Präsenzbetrieb. Das bedeutet: Wie in vielen Unternehmen und an anderen Hochschulen arbeiten die meisten Beschäftigten im Home-Office. Nur die Personen, die für den Betrieb unabkömmlich sind, arbeiten noch in den Gebäuden der Hochschule. Zum Beispiel im Gebäudemanagement, der Poststelle und in einigen weiteren Positionen in Verwaltung, IT und den Fachbereichen. 

Was das für die Studierenden bedeutet, erklärt FH-Präsidentin Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: „Gegenwärtig kann niemand einschätzen, wann die Präsenzlehre wieder stattfinden kann. Mit Erlass des Ministeriums ist der Beginn des Sommersemesters zunächst auf den 20. April verschoben, niemand rechnet jedoch gegenwärtig ernsthaft damit, dass die Präsenzlehre im Sommersemester stattfinden wird. So arbeiten wir daran, dass die Studierenden ihr Studium so gut wie möglich in Distanz fortführen können.“

Unter dem Schlagwort „Keep Teaching!“ hat die FH am 2. März mit einem Team aus der Bibliothek, der Datenverarbeitungszentrale und Lehrprojekten ein internes Service-Angebot auf die Beine gestellt, mit dem Lehrende sich in Online-Seminaren sowie mittels direkter Unterstützung mit verschiedenen Formen des E-Learnings und der „Lehre auf Distanz“ vertraut machen können: vom Podcast und Webinaren über die Einbindung von Videos bis hin zur Frage, wie man die Studierenden im Selbststudium unterstützen kann. Eine gemeinsame Lernplattform und ein Medienportal gibt es an der FH Bielefeld bereits, ebenso umfangreiche Hard- und Softwareausstattung, wie Leih-Kameras.

Der Vizepräsident für Studium und Lehre, Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier, erläutert: „Blended Learning, die Mischung aus Präsenzlehre und digitalen Formaten ist in unseren berufsbegleitenden und in den praxisintegrierten Studiengängen bereits seit langem alltäglich. Jetzt galt es, in kurzer Zeit allen Kolleginnen und Kollegen technisch und inhaltlich Unterstützung zu bieten.“

Am ersten Webinar für Lehrende und Forschende, das diesen Montag stattfand, nahmen über 120 Personen teil. Das motivierte „Keep Teaching“-Team ist überwältigt von der Akzeptanz und Nachfrage. Viele Lehrende nutzen die Zeit, um alternative Lösungen für ihre Lehrveranstaltungen zu entwickeln. 

Schramm-Wölk dazu: „Wir haben an der FH den großen Vorteil, dass unsere Gruppengrößen überschaubar sind. So können die Lehrenden am besten abschätzen, welche Formate sich für die jeweilige Lehrveranstaltung eignen. Für kleinere Gruppen bieten sich Videokonferenzen an, auch der direkte Kontakt mit den Lehrenden ist möglich.“

Zudem stellt die FH Lernmaterialien für das Selbststudium aus den zahlreichen berufsbegleitenden Studiengängen der FH auch flächendeckend für die normalen Präsenzstudiengänge zur Verfügung. Die Präsidentin ist sich daher sicher, dass es kein Leerlauf-Semester geben wird: „Wir wollen alle Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, nutzen.“

So ist es den Dekanen der FH Bielefeld innerhalb kürzester Zeit gelungen, die Organisation der Fachbereiche auch aus der Distanz zu bewältigen. Prof. Dr. Michael Stricker, Dekan des Fachbereichs Sozialwesen, war nach der ersten Telefonkonferenz mit 40 Kolleginnen und Kollegen beeindruckt von diesem ungewöhnlichen Semesterauftakt: „Es hat funktioniert. Nicht alle Lehrinhalte können in Distanz vermittelt werden und wir sind nicht alle technisch für Distance Learning ausgerüstet, aber alle sind offen und tun, was sie können. Stabilität ist wichtig. Wir alle vermissen das Miteinander, aber wir werden die bestehenden Möglichkeiten nutzen. Pragmatismus und Flexibilität zeichnen das alltägliche Handeln in dieser Zeit aus.“

Michael Korff, Leiter der Datenverarbeitungszentrale ergänzt: „Wir haben eine Campuslizenz für Videokonferenzen eingerichtet und Regeln für Onlinekonferenzen etabliert. Es ist zwar anstrengender, sich ausschließlich in Onlinekonferenzen zu begegnen, aber es ist auch beeindruckend, zu erleben, wie sich eine so große Organisation von einem Tag auf den anderen auf diese Veränderung einlässt.“

Das Präsidium der FH Bielefeld stimmt dem zu, was in dieser Woche auch von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) proklamiert wurde: „Wir müssen natürlich berücksichtigen, dass sich die Studierenden in der aktuellen Situation teils nur unter erschwerten Bedingungen auf Prüfungen vorbereiten können und dass nicht alle Präsenzveranstaltungen durch digitale Formate ersetzt werden können. Niemand darf einen Nachteil erfahren.“ So sollte, wie von der HRK vorgeschlagen, ein Nachteilsausgleich geschaffen werden, etwa durch Nicht-Anrechnung des Semesters auf die Regelstudienzeit oder durch die Verschiebung von Prüfungszeitpunkten für alle Studierenden, besonders aber für sozial schwächere oder durch Pflege und Erziehung gebundene Studierende.

Die FH hat auch in Bezug auf Prüfungen und Fristen schnell reagiert: Prüfungen werden grundsätzlich ermöglicht, Abgabefristen verlängert, An- und Abmeldungen zu Prüfungen werden kulant gehandhabt. „Wir arbeiten aktuell an einer Ordnung für die ad hoc entwickelten Ausnahmetatbestände, um den Studierenden Prüfungs- und Abschlussmöglichkeiten so umfassend wie möglich zu eröffnen und rechtssicher zu gestalten“, so Alexander Wiehage, Leiter des Dezernats Studium und Lehre. Ein rollierendes System für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dezernates zu entwickeln, ist in begrenzter Raumsituation nicht leicht, auch die Umstellung der Verwaltungsprozesse stellt eine Herausforderung dar. Bislang konnten wir jedoch alle Probleme lösen.“

Im eingeschränkten Präsenzbetrieb sind an der FH Bielefeld die Bibliotheken und die Rechnerräume geschlossen. Auch die verschiedenen Beratungsstellen können nicht persönlich erreicht, aber weiterhin per E-Mail oder telefonisch kontaktiert werden.

„Gewiss werden uns auch Fehler unterlaufen“, schätzt die Präsidentin die Lage ein. „Aber wir sind eine lernende Organisation. Unter der E-Mail-Adresse gesundheitsschutz@fh-bielefeld.de sind wir seit Anfang März für alle Anliegen unserer Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten da. Bislang konnten alle Anfragen zeitnah bearbeitet werden. Toll ist, dass alle mitdenken und wir auch viele Anregungen mit guten Idee erhalten.“

Weitere Informationen: www.fh-bielefeld.de/corona