FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
12.04.2022

FH-Fotografie-Student dreht Kurzfilm zur Frage „Was ist Natur?“

Ein Schwarz-weiß-Bild einer Stadt.
Im Film wird die Frage aufgeworfen: Sind Asphalt und Städte auch Natur, weil sie aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden? © P. Pollmeier
Schlammverschmierte Hände, die von oben fotografiert wurden
Und wie ist das Verhältnis von Mensch und Natur? © P. Pollmeier
Mehrere Studierende stehen in Tanzposen dich nebeneinander.
In verschiedenen Workshops konnten die Studierenden während des Projekts neue Blickwinkel einnehmen. © E. Helal
Eine gepflasterte Straße mit Büschen rechts und links.
Pflanzen im urbanen Raum – Ist das noch Natur? © P. Pollmeier

Das Werk von Patrick Pollmeier und seinen Mitstreiterinnen aus dem europäischen Netzwerkprojekt „Cultures d’Avenir“ präsentiert einen Computer-Offsprecher, dessen Text mithilfe von Künstlicher Intelligenz entstanden ist. Herausgekommen sind teilweise philosophisch anmutende Diskurse. Die hat das Team mit Aussagen von Menschen und Bildern aus Bielefeld kontrastiert. Und so ist „Was ist Natur?“ auch eine kleine Hommage an die Stadt im Teutoburger Wald.

Bielefeld (fhb). Zunächst wirkt sie banal, die Frage nach dem Naturbegriff. Aber je länger man sich mit der Frage beschäftigt, desto komplexer wird sie. Was genau ist Natur? Sind Wälder Natur, auch wenn sie von Menschenhand angelegt wurden? Was ist mit Häusern, Asphalt oder dem Gemüsebeet im eigenen Garten? Diesen Fragen widmete sich Patrick Pollmeier, Fotografie-Student am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld, im Netzwerkprojekt Cultures d’Avenir. Gemeinsam mit drei Studentinnen aus Deutschland, Spanien und Frankreich erarbeitete er dazu einen Kurzfilm mit dem Titel „What is nature?“, in dem sowohl Menschen als auch Künstliche Intelligenzen (KI) zu Wort kommen.

Die Natur schützen! Aber was genau zählt noch zur Natur?

Eine KI kommt zu Wort? Patrick Pollmeier erläutert den Hintergrund: „Wir wollten eigentlich einen gemeinsamen Nenner bei der Definition von Natur finden, denn nur dann kann man, so unsere Annahme, einen Schritt weitergehen und überlegen, wie man die Natur besser schützen kann. Also haben wir Menschen unserer Umgebung gefragt, was sie unter Natur verstehen und was nicht. Dabei wurden Computer und Smartphones immer wieder als die Objekte schlechthin genannt, die nicht zur Natur gehören. Das hat mich wiederum auf eine Idee gebracht: Wieso fragen wir nicht unser Smartphone oder einen Computer, was Natur ist, schließlich versuchen Siri oder Alexa ja auch, mit manchmal erstaunlichen Ergebnissen alle möglichen Fragen zu beantworten?“

Intelligenter Text-Generator beantwortet die Frage „What is nature?“

„Die Frage ‚Was ist Natur?‘ ist viel komplexer, als wir am Anfang gedacht haben und lässt sich nicht eindeutig beantworten.“

Patrick Pollmeier, Fotografie-Student der FH Bielefeld

 So entstanden neben den Interviews mit Menschen auch vier Filmsequenzen, in denen Pollmeier sich mithilfe eines intelligenten Text-Generators die Frage „What is nature?“ beantworten ließ. „Es gibt viele solcher Text-Generatoren im Internet, die mithilfe einer KI-Komponente verschiedene Quellen zu der jeweiligen Fragestellung zitieren, manche Passagen kopieren und schließlich nach bestimmten Mustern einen eigenständigen Text konstruieren.“ Dabei wurde es teilweise hochphilosophisch: Während sich die Antworten der Menschen auf weltliche Sphären beschränkten, warfen ausgerechnet die KI-gesteuerten Text-Generatoren weiterführende Fragen zum Verhältnis von Natur, Mensch und Gott auf. So antwortet das „KI-Ich“ in einer Sequenz: „The first answer I can make is that it may have something to do with God. We have no idea at all what kind of God God is, because the supernatural world is very vague and very meaningless.“

Auf der Suche nach Antworten: Filmprojekt "What is nature?"

Computer-Lyrik: Philosophische Antworten vorgelesen von Text-to-Voice

Pollmeier ließ sich diesen und weitere KI-Texte von einem Text-to-Voice-Generator vorlesen und bebilderte die Sequenzen mit Aufnahmen aus Bielefeld. Er erklärt: „Ich wollte die Natur im Stadtraum zeigen, wenn Pflanzen sich zum Beispiel einen Weg durch die Ritzen des Asphalts bahnen.“ Wer Bielefeld kennt, wird einige der Schauplätze im Film wiedererkennen. Der Film ist so auch eine kleine Hommage an bekannte und unbekannte Orte der Stadt geworden.

Wo liegt die Grenze zwischen Mensch und Natur?

Im Gegensatz zur KI näherten sich die befragten Personen im Film dem Naturbegriff ganz anders: Die einen beschrieben ihre persönlichen Erfahrungen mit der Natur, andere setzten Natur mit Wahrheit und der Farbe Grün gleich, wieder andere beschrieben das Sinnbild von Natur als Heidi auf der Alm aus der gleichnamigen Kinderserie. Zugleich wurden aber auch Fragen gestellt: Ist das ganze Universum Natur? Oder nur das, was wir auf diesem Planeten vorfinden? Aber müssten dann nicht auch Backsteine, Häuser, ganze Städte Natur sein, wenn sie aus natürlichen Rohstoffen dieser Erde hergestellt sind? Immer wieder wird dabei die Differenz von Natur und Mensch aufgemacht und einige der Personen im Video sind sich einig: Das vom Menschen Gemachte ist keine Natur. Aber: Gehört der Mensch nicht auch zur Natur, obwohl er sich selbst außerhalb dieser verortet?

Naturbegriff nicht eindeutig definierbar

Ana Alarcón Yanini, Isabelle Caps-Kuhn und Maja Milewska sitzen gemeinsam auf dem Sofa. Zwischen ihnen steht ein Laptop, auf dem Patrick Pollmeier zu erkennen ist.
Masterstudent der Fotografie Patrick Pollmeier konnte krankheitsbedingt nur digital am Treffen in Barcelona teilnehmen.

Das Problem wird hier bereits deutlich: Das erhoffte Ergebnis einer eindeutigen Definition des Naturbegriffs blieb aus. Pollmeier: „Das Verständnis von Natur ist sehr divers und hängt mitunter auch vom Kulturkreis ab, in dem man aufgewachsen ist. Die Frage ‚Was ist Natur?‘ ist viel komplexer, als wir am Anfang gedacht haben und lässt sich nicht eindeutig beantworten.“

Katharina Bosse, Professorin am Fachbereich Gestaltung der FH Bielefeld, vermittelte Pollmeier für das Projekt und erklärt: „Das Ziel von Cultures d’Avenir ist es, gemeinsam mit jungen, engagierten Künstlerinnen und Künstlern gesellschaftliche Themen neu zu denken und so zu einem Motor der Transformation zu werden. Durch die Zusammenarbeit soll ein europäisches Netzwerk für Engagement und Kunst geschaffen und mit Leben gefüllt werden.“ Dafür entwarfen die Studierenden verschiedener Fachrichtungen – von Schauspiel über Tanz bis hin zu bildender Kunst und Architektur – in einem Zeitraum von fünf Monaten eine Reihe von digitalen Kreativprojekten.

Das Beste: Klassenfahrt-Charakter und exklusive Museumsbesuche

Pollmeier gefiel der Klassenfahrt-Charakter des Projekts und die Exklusivität durch den Kontakt zu den Institutionen: „Durch das Projekt habe ich so viele Leute kennengelernt, denen ich sonst niemals begegnet wäre. Morgens gemeinsam zu frühstücken und dann eine exklusive Führung durch ein Museum zu bekommen, das nur für uns geöffnet war, das war ziemlich besonders.“

Neben den einzelnen Projektarbeiten wurden im Rahmen des Netzwerkprojekts auch Workshops angeboten, um den Studierenden aus Spanien, Frankreich und Deutschland ein möglichst abwechslungsreiches Programm zu bieten. Die Ergebnispräsentation der Kreativprojekte fand im März in Barcelona statt. Zuvor hatten sich die Studierenden im November 2021 in Paris kennengelernt und sich erneut im Januar zu einem virtuellen Workshop des Haus der Kulturen der Welt getroffen. (nhe)

Über das Netzwerkprojekt Cultures d’Avenir

Das Pilotprojekt Cultures d’Avenir wurde vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) initiiert. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehören das Centre Pompidou in Paris, das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin, sowie das Centre de Cultura Contemprània de Barcelona (CCCB). Die Institutionen wurden bei der Auswahl der Studierenden durch die Hochschullandschaft der teilnehmenden Länder unterstützt. Das Projekt Cultures d’Avenir widmete sich vier großen Herausforderungen unserer Zeit: Klimanotstand, Diskriminierung, Parität und Geschlecht sowie Wissenstransfer und Inklusion.

 Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@fh-bielefeld.de wenden.