FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
07.06.2022

FH-Studentinnen entwerfen Kostümbild für Tanzperformance der Hochschule für Musik und Tanz in Köln

Nahaufnahme eines Maßbandes
Rund zwölf verschiedene Körpererweiterungen galt es für die Tänzerinnen und Tänzer des Kölner Tanzzentrums an den drei Workshop-Tagen zu entwerfen. Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld
Porträt Isabel Pallas
Isabel Pallas, Leiterin des dreitätigen Workshops, hat ihr Modestudium vor einem Jahr am Fachbereich Gestaltung mit dem Master abgeschlossen. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld
Porträt einer Studentin
Paula Intrup studiert im vierten Fachsemester den Bachelorstudiengang Mode am Fachbereich Gestaltung. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld
Konzept der Tanzperformance
Das Konzept der Performance "(N)ON SITE BODIES" als Skizze: Im ersten Teil der Aufführung werden die Tänzerinnen und Tänzer flüchtige Spuren und Verformungen illustrieren. Im zweiten Teil zeigen sie, wie diese langsam wieder verschwinden. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld
Porträt einer Studentin
Alba Gonska, Modestudentin im vierten Semester, schätzt an der Arbeit im Workshop vor allem die entspannte Atmosphäre und den kreativen Austausch. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld
Porträt einer Studentin
Über die spannenden, entstandenen Körpererweiterungen freut sich auch Fiona Gohrke, Modestudentin im sechsten Fachsemester an der FH Bielefeld. © F. Hüffelmann/FH BIelefeld
Nahaufnahme einer Nähmaschine
Auseinandernehmen, kürzen und zusammennähen: Neben Stoffen, Maßband und Schneiderbüsten war die Nähmaschine ein unabdingbares Arbeitsuntensil. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld

Wie formen unsere Körper Räume? Und können Räume unseren Körper formen? Antworten auf diese Fragen bieten Tänzerinnen und Tänzer der Hochschule für Musik und Tanz in Köln in einer Live-Performance. Das Kostümbild ist in Zusammenarbeit mit der FH Bielefeld entstanden.

Bielefeld (fhb). Wir bewegen uns in Räumen und hinterlassen Spuren: Bleistiftabrieb beim Schreiben auf Papier, Hautschuppen und Haare, Abdrücke von Fingern und Füßen. Und während wir uns im Raum bewegen, füllen und formen wir ihn. Zugleich passiert auch das Umgekehrte: Räume formen unseren Körper.

Die Zeichnerin und Künstlerin Nicole Wendel und Prof. Jan Burkhardt, Hochschullehrer für Tanzpraxis am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) der Hochschule für Musik und Tanz (HfMT) Köln, machen diese Phänomene in einer gemeinsam kreierten Tanzperformance erlebbar. Unter dem Titel „(N)ON SITE BODIES“ präsentieren sie ihre Inszenierung unter anderem bei der Langen Nacht der Museen in Düsseldorf. Ein wichtiges Illustrationsmittel: die Kostüme. Und die sind in Kooperation mit der Fachhochschule (FH) Bielefeld entstanden.

Erneute Zusammenarbeit zwischen FH und ZZT

Auf einer Schneiderbüste wird ein Kleidungsstück abgesteckt.
Die Studentinnen arbeiteten überwiegend mit festen Stoffen wie Nessel, Leinen und Tüll. Körpersilhouetten lassen sich aufgrund der Griffigkeit des Materials so besonders gut hervorheben.

Maßgeblich daran beteiligt ist Isabel Pallas. Die Absolventin der Studienrichtung Mode designte das Kostümbild mit FH-Studentinnen in einem dreitätigen Workshop am Fachbereich Gestaltung. Veränderte Sehgewohnheiten spielten dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie Minimalismus und Bewegung – und viel Freiheit in der Gestaltung. Als textile Grundlagen dienten fertige Kleidungsstücke, die aus Pallas‘ Abschlussarbeit stammten.

Es ist bereits die zweite Kollaboration zwischen der FH Bielefeld und dem ZZT. Im Sommer vergangenen Jahres konzipierte die Fachhochschule im Rahmen des internationalen „Global Water Dance“ das Kostümbild für das Kölner Tanzzentrum. Damals wie heute initiierte Philipp Rupp, Professor für das Lehrgebiet Kollektionsgestaltung und Modedesign an der FH, die Kooperation. Gemeinsam mit ihm hatte Isabel Pallas nun auch die ersten Arbeitsschritte für den Workshop vorbereitet: Sie sichteten bestehende Probeteile und entwickelten erste Kostümideen. Dann präsentierte die 34-Jährige allen Beteiligten ihre Vorstellungen, nahm Vorschläge auf und an den Körpern der zehn Tänzerinnen und Tänzer Maß.

Mit Körpererweiterungen Wirkung auf Räume aufzeigen

„In dem Workshop ging es für die Studierenden darum, die fertigen Kleidungsstücke teilweise auseinanderzunehmen und körperliche Erweiterungen zu kreieren“, so Pallas. Elemente wie Kragen oder Ärmel mussten beibehalten werden. Für die zehn bis zwölf gewünschten „Erweiterungen“ waren der Kreativität jedoch keine Grenzen gesetzt.

Die Teilnehmenden des Workshops tauschen sich über ein Kleidungsstück aus.
Rutscht der Ärmel? Wo kann noch etwas Stoff weggenommen werden? Bei jeder Anprobe nahmen Alba Gonska, Fiona Gohrke, Paula Intrup und Isabel Pallas (v.l.n.r.) die Kleidungsstücke genau unter die Lupe.

„Die Performance dreht sich darum, was der Körper mit dem Raum, in dem er sich bewegt, macht“, erklärt Isabel Pallas. „Wenn sich der Körper nun in bestimmten Bereichen durch das Kleidungsstück erweitert, wirkt dies auf den Zuschauer teilweise sehr ungewohnt.“ Um diese verblüffende Wirkung zu erzielen, wurde in dem Workshop viel aufgetrennt, neu vermessen und wieder zusammengenäht. Die drei Bachelorstudentinnen Paula Intrup, Fiona Gohrke und Alba Gonska arbeiteten aber auch mit Druckknöpfen und Gummibändern als Verschlüsse. Zwischendurch wurden die Entwürfe diskutiert und die Teile aus Nessel und anderen Baumwollstoffen immer wieder anprobiert.

Kreativität ohne Prüfungs- und Leistungsdruck

Während etwa eine Schulterpartie mit einem breiten Stoffstreifen schlicht bekleidet ist, bahnt sich etwas tiefer ein überdimensionaler Puffärmel seinen Weg. Die räumlich versetzte Armerweiterung, die einem Hochzeitskleid entstammt, ist dabei mit einem Gummiband am Becken befestigt. „Die Schulter soll eine unbekannte Form abbilden und so den Einfluss des Raumes auf den Körper widerspiegeln“, erklärt Paula Intrup ihren Entwurf. „Die fremde Optik fordert unsere Sehgewohnheiten heraus.“

Hüftabwärts befindet sich ein zweites Kleidungsstück. Lange Falten werfend, ähnelt es einem Rock. „Diesen habe ich um ein Hosenbein und Rüschen erweitert, was die Hüfte stark betont. Sie sollen die Verformungen des Raumes durch den Körper beziehungsweise umgekehrt illustrieren.“

Bei Fiona Gohrke, Modestudentin im sechsten Semester ist dagegen ein Oberteil mit markanter, eckiger Schulter, Gürtel und imposantem Kragen herausgekommen. Wie die anderen genießt sie die Freiheit im Arbeitsprozess. Die sonst üblichen umfangreichen Recherchen entfallen, es geht schnell voran. „Das liegt natürlich auch daran, dass wir mit bereits bestehenden Teilen arbeiten“, sagt sie. „Hinzu kommt die besondere, entspannte Atmosphäre“, ergänzt Kommilitonin Alba Gonska. „Hier können wir einmal ohne Prüfungs- und Leistungsdruck kreativ tätig sein.“

(N)ON SITE BODIES in Düsseldorf, Berlin und Almere

Isabel Pallas ist begeistert von den spannenden Kleidungsstücken, die auf diese Weise entstanden sind. „Die Studentinnen sind sehr engagiert“, sagt sie. „Es macht viel Spaß, gemeinsam kreativ an so einem Projekt zu arbeiten.“ Pallas wird die entstandenen Erweiterungen noch schwarz einfärben und nach Köln bringen, sodass die Tänzerinnen und Tänzer sie schon ein wenig zu Hause ausprobieren können. Bei der Performance werden sie dann jeweils ihre Ausstellungsräume einnehmen. Mal individuell tanzend, dann wieder interaktiv mit dem Publikum agierend, oder auch als Gruppe rhythmisch und im Takt sich bewegend. Die Spuren, die sie dabei hinterlassen, werden mithilfe von Kreide und Wasser sichtbar gemacht.

„(N)ON SITE BODIES“ findet am 11. Juni 2022 während der langen Nacht der Museen am KAI 10 in Düsseldorf statt. Zudem wird es zwei weitere Aufführungen Mitte Juli in Berlin sowie Anfang Oktober in Almere (Niederlande) geben. (nsc)

Fünf schwarze Schneiderbüsten stehen nebeneinander. Sie sind mit Erweiterungen bekleidet.
Minimalistisch: Die Tänzerinnen und Tänzer des ZZT werden bei der Tanzperformance nur eine Erweiterung tragen, beispielsweise einen Ärmel oder ein Hosenbein. © F. Hüffelmann/FH Bielefeld

Termine der Tanzperformance „(N)ON SITE BODIES“:

  • Samstag, 11. Juni 2022, 20 bis 20.30 Uhr und 21 bis 21.30 Uhr, Lange Nacht der Museen
    Ausstellung: Gulliver’s Sketchbook
    KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION
    Kaistraße 10
    40221 Düsseldorf
    www.kaisterstraße10.de

  • Sonntag, 17. Juli 2022, 17 bis 17.30 Uhr und 18 bis 18.30 Uhr
    Ausstellung: Über die Zeichnung hinaus
    Zentrum für Aktuelle Kunst (ZAK), Zitadelle Spandau
    Am Juliusturm 64
    13599 Berlin
    www.zitadelle-berlin.de/zentrum-fuer-aktuelle-kunst
  • Montag, 3. Oktober 2022, 14, 15.30 und 16.30 Uhr
    Ausstellung: Floriade Expo 2022
    Deutscher Pavillon, Almere, Niederlande

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