FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
02.06.2022

Gut verpackte Inhalte: Studierende der Digitalen Logistik konzipieren Verpackungslösungen

Ein Paket steht auf einem Tisch.
Stoßsicher, feuchtigkeitssensibel, diebstahlgeschützt oder platzsparend: Die Studierenden machten sich in Teams an die Arbeit und legten zunächst Attribute fest, welche die Verpackungen zum Schutz des Inhalts erfüllen mussten. © P. Pollmeier/FH Bielefeld
Porträt von Prof. Dr.-Ing. Jörg Nottmeyer.
Prof. Dr.-Ing. Jörg Nottmeyer ist zuständig für das Lehrgebiet Produktionslogistik. Mit Kollege Knüppel bot er nun erstmals eine kombinierte und besonders praxisnahe Prüfungsleistung an. © P. Pollmeier/FH Bielefeld
Porträt von Prof. Dr.-Ing. Manuel Knüppel
Prof. Dr.-Ing. Manuel Knüppel vertritt am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik das Lehrgebiet Industrial Engineering. © P. Pollmeier/FH Bielefeld

Gute Verpackung ist eine Wissenschaft für sich und unverzichtbar in einer arbeitsteiligen Wirtschaft mit weltweit operierenden Lieferketten, entlang derer wertvolle Güter und Vorprodukte beschädigungsfrei und sicher transportiert werden müssen. Studierende von Prof. Dr.-Ing. Jörg Nottmeyer und Prof. Dr.-Ing. Manuel Knüppel vom Campus Gütersloh der FH Bielefeld haben sich den Herausforderungen ganz konkret gestellt.

Bielefeld (fhb). Die Themenbereiche der beiden Vorlesungen Verpackungstechnik und Projektmanagement sind unterschiedlich, die Kompetenzgewinne ebenfalls. In der Praxis braucht man aber beides, will man ein Produkt verpacken. Grund genug für zwei Professoren der Fachhochschule (FH) Bielefeld, ihre Veranstaltungen im Wintersemester zu kombinieren und besonders praxisnah zu gestalten: Prof. Dr.-Ing. Jörg Nottmeyer und Prof. Dr.-Ing. Manuel Knüppel ließen ihre Studierenden am Campus Gütersloh für ein reales Produkt eine Verpackung entwerfen und diesen Prozess als Projekt managen. Jetzt stellten die Studierenden ihre Ergebnisse vor. Ergebnis: Die Lösungen sind nicht nur industrietauglich, sondern brachten einen echten Mehrwert.


Praxiserfahrung sorgt für Verfestigung der Theorie

„Ein Produkt muss nicht nur optimal verpackt, sondern der Prozess muss auch optimal gemanagt werden, um im Zeit- und Kostenrahmen zu bleiben.“

Prof. Dr.-Ing. Manuel Knüppel

Doch der Reihe nach: Als kurz vor Weihnachten ein Paket bei Jörg Nottmeyer abgeliefert wurde, schaute seine Frau verwundert und wollte wissen: „Wer schickt dir denn solch ein Paket?“ Nottmeyer war ebenso ratlos. Vorsichtig öffnete er den großen Karton und nahm eine kleine, versiegelte Schachtel heraus. Schnell war das Siegel gelöst, und zum Vorschein kam ein LC-Display samt zusätzlicher Schnittstelle. Nottmeyer war positiv überrascht: Das Paket war von seinen Studierenden! Sie sollten eine Verpackungslösung für genau dieses Display finden und hatten die praxisnahe Aufgabe bis zum Ende wörtlich genommen.

Nottmeyer ist als Professor am Campus Gütersloh der FH Bielefeld im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik zuständig für das Lehrgebiet Produktionslogistik. Seine Studierenden haben einen echten Bezug zur Praxis: Ihr Studiengang Digitale Logistik ist „praxisintegriert“. Das heißt, sie sind zugleich an der FH eingeschrieben und in einem Unternehmen beschäftigt. Abwechselnd durchlaufen sie Theoriephasen an der Hochschule und Praxisphasen in den Betrieben. Diese Praxisnähe ist für Nottmeyer ein echter Pluspunkt des Studiengangs: „Die Studierenden sammeln schon reichlich Praxiserfahrung während des Studiums. Darauf kann man in der theoretischen Lehre prima zurückgreifen und die Inhalte sehr anschaulich vermitteln, indem man sie mit den Erfahrungen der Studierenden verknüpft. So verfestigt sich auch die Theorie besser.“

Ein Seminarraum, in dem einige Studierende an Tischen sitzen und eine Gruppe von drei Personen vorne an einem Laptop steht.
Die Aufgabe für die Studierenden: Pro Jahr sollten 240.000 LC-Displays mit zusätzlicher entsprechender Schnittstelle sicher verpackt und von Schanghai nach Europa geliefert werden.

Digitale Logistik und Industrial Engineering arbeiten Hand in Hand

Gemeinsam mit seinem Kollegen Manuel Knüppel, der das Lehrgebiet Industrial Engineering vertritt, bot Nottmeyer nun erstmals eine kombinierte und besonders praxisnahe Prüfungsleistung an. Beide Professoren wissen aus langjähriger Berufserfahrung in Logistik und Produktion: In der Praxis sind immer verschiedene Perspektiven auf eine Sache erforderlich. „Ein Produkt muss nicht nur optimal verpackt, sondern der Prozess muss auch optimal gemanagt werden, um im Zeit- und Kostenrahmen zu bleiben“, erklärt Manuel Knüppel. Also stimmten sie ihre Vorlesungen Verpackungstechnik und Projektmanagement aufeinander ab, um an ein und demselben Gegenstand die verschiedenen Lehrinhalte zu vermitteln und umzusetzen.

Die Studierenden bekamen eine gemeinsame Aufgabe, die als Projekt zu managen war: Pro Jahr sollten 240.000 LC-Displays mit zusätzlicher entsprechender Schnittstelle im Wert von je 2.000 Euro sicher verpackt und von Schanghai nach Europa geliefert werden. Der Clou: Nottmeyer besorgte tatsächlich einige Displays, sodass die Studierenden mit einem realen Produkt arbeiten konnten. Einen entscheidenden Unterschied gab es allerdings: „Unsere Displays haben in Wirklichkeit nur ein paar Euro gekostet“, so Nottmeyer. „Aber irgendwie mussten wir ja den Aufwand für die Verpackung rechtfertigen.“

Sicher und beschädigungsfrei von Schanghai nach Europa

Bei der Umsetzung waren die Studierenden völlig frei. „Das war anfangs nicht einfach, da wir nicht genau wussten, was die Professoren von uns erwarteten“, erzählt der Student Aaron Krone. Für Manuel Knüppel unterstreicht das die Praxisnähe: „Die Auftraggeber wissen oft auch nicht genau, was sie wollen. Sie brauchen halt eine Lösung. Dass es auf dem Weg dorthin viele Teilentscheidungen zu treffen gilt, ist zu Beginn oft nicht klar.“

Die Studierenden machten sich in Teams an die Arbeit und legten zunächst die Attribute fest, welche die Verpackungen zum Schutz des Inhalts erfüllen mussten wie etwa stoßsicher, feuchtigkeitssensibel, diebstahlgeschützt oder platzsparend. In welchen Einheiten sollten die Displays verpackt, auf welchem Weg und auf welche Weise nach Europa gebracht werden? Beim Projektmanagement kam den Studierenden ihre Praxiserfahrung zu Gute: „Wir wussten, dass man auch Unvorhergesehenes mit einplanen muss, etwa den Ausfall von Mitarbeitenden durch Krankheit oder Elternzeit“, erzählt Student Dennis Müller, der bei Storck beschäftigt ist.

Die Teams entschieden sich für zum Teil wiederverwendbare Großpackungen, setzten die Displays in Schaumstofftrays und stapelten sie in normierte, sogenannte Kleinladungsträger oder in am Rechner als 3-D- Modelle eigens entworfene Kisten. In Containern verfrachtet ging es auf den Weg nach Europa.

Aaron Krone setzte mit seinen Kommilitonen Jacques Peluso und Paul Kreuder, die zugleich auch seine Arbeitskollegen bei REWE sind, auf flexible Einzel-Verpackungen: „Die lassen sich nach Bedarf auch schnell per Flugzeug verschicken“, erklärt Peluso. Und sogar bis zu Nottmeyer nach Hause – wenn Peluso hier auch selbst Hand angelegt, die entworfene Verpackung zusammengebastelt und das Display darin verstaut hat. Die Kreuder-Krone-Peluso-Lösung jedenfalls kam gerade noch rechtzeitig zur Abgabefrist an. „Wir waren froh, dass der Kunde zwischendurch keine Änderungswünsche mehr hatte”, sagt Aaron Krone mit einem Lachen.

Ein Tablet, auf dem die Aufgabenstellung für das Projekt zu lesen ist: \
Die Studierenden waren völlig frei in der Umsetzung: nicht leicht, aber nah an der Praxis.

Sehr gutes Resümee: Alle Ergebnisse sind voll industrietauglich

Jörg Nottmeyer konnten sie von ihrer Lösung ebenso überzeugen wie die anderen Teams: „Die Begründungen für die jeweiligen Umsetzungen waren absolut stimmig. Und das Wichtigste: Alle Lösungen sind industrietauglich. Genau so wird es in der Praxis gemacht, alle Verpackungen könnten direkt umgesetzt werden.“ Auch die Studierenden hat die Art der Aufgabenstellung überzeugt: Sie konnten in zwei gleichzeitig stattfindenden Lehrveranstaltungen individuelle Prüfungsleistungen ablegen, die aber inhaltlich aufeinander abgestimmt waren. Eher untypisch für die Hochschulwelt, in der jedes Fach individuelle Aufgabenstellungen behandelt: „Bei einer Klausur lernt man oft nur für den Termin und vergisst danach viel. Jetzt haben wir uns über Monate unter fast realen Bedingungen mit einer Sache beschäftigt, und zwar aus verschiedenen Perspektiven. Da bleibt einfach mehr hängen“, resümiert Student Dennis Müller. (uh)

Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@fh-bielefeld.de wenden.