FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
07.11.2019

Intelligente Gebäudetechnik als Beitrag zur positiven Nutzung und zum Erhalt von Gebäuden

9. Symposium Intelligente Gebäudetechnologien auf dem Campus Minden bringt Ergebnisse und Impulse.

Achte Personen stehen nebeneinander und blicken in die Kamera.

Minden (fhb). Deutschland kennt keine wirklich abgehängten Regionen und der Kreis Minden-Lübbecke wird in Analysen meist mit neutral-positiven Verhältnissen im Bereich Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur bewertet, so war es auf dem 9. InteG-Symposium am Campus Minden der FH Bielefeld am 31. Oktober 2019 zu erfahren. Doch auf die zunehmenden regionalen Unterschiede hierzulande bedarf es fallbezogener und abgestimmter Antworten von Bund, Ländern und Kommunen, in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Hochschulen und Bevölkerung. Wichtig ist, dass durch differenzierte regionalökonomische Analysen die ‚ländlichen‘ Standortfaktoren für Unternehmen gestärkt werden und Digitalisierung als Chance gesehen wird. Das Intelligente Gebäude hat darin sicherlich seinen Platz.

Architekten, Bauingenieure, Planer, Facility Manager, Komponentenhersteller, Handwerker und politisch Verantwortliche diskutierten während des Symposiums am Campus Minden mit Wissenschaftlern und kommunalen Vertretern über die Möglichkeiten des Intelligenten Gebäudes in einem intelligenten ländlichen Raum.

In seiner Keynote wies Dr. Christian Oberst vom IW Köln mit den Kernergebnissen der Studie „Die Zukunft der Regionen in Deutschland – Zwischen Vielfalt und Gleichwertigkeit“ auf die digitale Infrastruktur als „Enabler“. Für OWL rühmte er die „Hidden Champions“, hochspezialisierte, meist inhabergeführte Weltmarktführer in Nischenmärkten, die es hier verglichen mit anderen Industrieländern deutlich mehr gibt. Einzige Auffälligkeiten sind die unterdurchschnittliche Ärztedichte im Raum Minden und die Immobilienpreise, die hier von 2011 bis 2017 „nur“ um 1,4 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Für ihn sei das ein Indikator für die fehlende Attraktivität des Wohnungsmarktes.

Thomas Pöhlker (energielenker Beratungs GmbH) stellte die Ergebnisse der Vital.NRW-Studie “Intelligente Gebäude – Intelligente Region Zuhause in der Zukunftsregion“ vor. Pöhlker sieht einen wachsenden Markt im Bereich intelligenter Gebäudetechnik im Kreis Minden-Lübbecke. „Das Interesse an intelligenter Gebäudetechnik ist vorhanden und intelligente Gebäudetechnik kann zur positiven Nutzung und zum Erhalt eines Gebäudes beitragen, aber Endnutzer haben Schwierigkeiten sich auf dem dynamisch wachsenden Markt zurechtzufinden.“ Es gibt Handlungsbedarf bei der Digitalkompetenz „um Skepsis gegenüber Intelligenten Gebäuden abzubauen.“ Auch sind laut Studie branchenübergreifende Interaktion von Smart Home Produkten und –Services unterschiedlicher Hersteller notwendig, um das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen.

In der ersten der drei Reflektionen zu Keynote und Studie plädierte Prof. Dr.-Ing. Michael Eisfeld von der FH Bielefeld dafür, am Campus Minden Techniken für den ländlichen Raum zu entwickeln, zum Beispiel Smart Home Anwendungen im Bereich der regenerativen Energien oder des intelligenten Wohnens. Roland Willrich von der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld sprach über die Bildung für das Smart Home Zeitalter. „Das Handwerk muss die Bedarfe der Kunden erfassen. Auch gewerkeübergreifendes Fachwissen und Verständnis für integrale Planung müssen gelernt werden.“

Prof. Dr. oec. Klaus Schafmeister von der Fachhochschule des Mittelstands schloss damit ab, dass „wir kein Erkenntnisproblem haben, sondern ein Transformationsproblem. Die Voraussetzungen für technologische und soziale Innovationen müssen verbessert und vereinfacht werden, um diese Potenziale wahrhaftig - und nicht erst übermorgen - nutzen zu können. Wir dürfen nicht zu sehr über den ländlichen Raum reden, sondern mit ihm. Wir müssen wissen, welche Grundversorgung notwendig ist und welche Rahmenbedingungen wo und wie optimal sind“. Schafmeister wies auf Themen wie 5G, Dual Use und Gemeingüterentwicklung wie zum Beispiel Wohngenossenschaften hin. „Wir müssen den ländlichen Raum mit seinen Potenzialen sehen und attraktiv darstellen und nicht über Landflucht reden. Wir haben derzeit eine sehr große Chance, denn der ländliche Raum ist in aller Munde!“

Über die Initiatoren:
Mit dem Entwicklungszentrum Intelligente Gebäudetechnologien, kurz InteG e.V., hat sich am Campus Minden eine Plattform für Forschung und Praxis etabliert, um Ergebnisse für die menschenzentrierten Technologien der digitalisierten Zukunft zu erarbeiten.

Das Symposium Intelligente Gebäudetechnologien, das inzwischen zum 9. Mal stattfand, reiht sich ein in das Projekt „Klimaschutz, Energie und Bauen 4.0“ des integrierten Handlungskonzepts OWL 4.0 und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW gefördert. Weiter wird es unterstützt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und ist Teil der Leistungsschau KlimaExpo.NRW. Initiatoren des Symposiums sind die Fachhochschule Bielefeld, der Kreis Minden-Lübbecke und Energie Impuls OWL e.V.

InteG e.V. – Entwicklungszentrum für intelligente Gebäudetechnologien wurde 2012 gegründet und ist eine Initiative der Fachhochschule Bielefeld – Campus Minden, des Kreises Minden-Lübbecke, Energie Impuls OWL, VDI OWL, HWK OWL-Lippe zu Bielefeld, IHK OWL zu Bielefeld, Initiative Wirtschaftsstandort Herford und Techtalk-Vaessen. Mehr Info über InteG e.V.: www.integ-owl.de

Text: Techtalk Vaessen