FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
22.07.2021

Kreative Konstrukteure sind gefragt

Wer Maschinenbau oder artverwandte Fächer studiert, der oder dem bietet das topausgestattete CAD-Labor am Campus Minden der FH Bielefeld exzellente Möglichkeiten, eigene Konstruktionen zu entwickeln.

Ein Mann schaut sich eine Konstruktion an.

Minden (fhb). Technischer Fortschritt wird seit jeher getragen von brillanten Ingenieurinnen und Ingenieuren. Diese müssen ihr „Handwerk“ verstehen, noch wichtiger allerdings ist etwas Anderes, findet Prof. Dr. Andreas Tenzler: „Kreativität!“

Unverzichtbarer kreativer Entwicklungsprozess

Tenzler ist verantwortlich für das Lehrgebiet Konstruktionstechnik am Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld. „Konstruieren bedeutet für mich, zunächst einmal eine Idee zu entwickeln“, sagt der Hochschullehrer. „Es gilt, sich ein Produkt auszudenken, das noch nicht oder zumindest so noch nicht existiert. Sicherlich müssen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten und weitere Grundlagen bekannt sein. Aber das alles ist nur Mittel zum Zweck und kein Ersatz für den unverzichtbaren kreativen Ideenentwicklungsprozess.“

CAD-Labor am Campus Minden

Diverse praxisintegrierte Studiengänge am Campus Minden

Mit dieser Grundbotschaft geht Tenzler auf die Studierenden der praxisintegrierten Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen am Campus Minden zu. Praxisintegriert, das bedeutet, dass die Hälfte des Studiums an der FH und die andere Hälfte in einem Unternehmen stattfindet, das die Studierenden auch bezahlt. Sehr praxisbezogen allerdings sind beide Teile des Studiums, und auch das ist Prof. Tenzler extrem wichtig.

Die technische Grundlage muss stimmen

Wenngleich der Professor die Bedeutung der technischen Grundlagen durch die Hervorhebung der Kreativität vielleicht ein bisschen relativiert, legen er und sein Team durchaus großen Wert auf die Vermittlung der technischen Fertigkeiten. „Die Studierenden sollen das Konstruieren von der Pike auf lernen“, bestätigt Dipl. Ing. Florian Ernst. Ernst ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Campus Minden und betreut das CAD-Labor. Hier ist der Ort, an dem die Fertigkeiten vermittelt werden, die den Studierenden die Chance geben, ihre Kreativität künftig professionell anbringen zu können.

Ausprobieren des kompletten Konstruktionsprozesses

CAD, das steht für Computer-Aided Design, und gehört heute zum Standard in der Welt des Maschinenbaus. Früher wurden Konstruktionen am Zeichenbrett mit Papier und Bleistift kreiert. Heute geschieht dies am Rechner. Ganze Baugruppen können heute mittels CAD dreidimensional modelliert und mehr oder weniger nahtlos dann auch produziert werden.

Ein Mann und eine Frau arbeiten in dem CAD-Labor des Campus Minden.

An 16 Arbeitsplätzen bietet das CAD-Labor am Campus Minden Studierenden die Möglichkeit, den kompletten Konstruktionsprozess von der Modellierung eines Bauteils über das Plotten auf einem Großformatdrucker bis hin zum Modellentwurf im 3D-Drucker zu gestalten. Neben den Studierenden der Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen nutzen gelegentlich auch angehende Architektinnen und Architekten das Labor. Für sie besonders interessant: die Fertigung von Modellen im 3D-Druck. Und auch Schulklassen der Jahrgänge 9-13 besuchen regelmäßig das Labor, um einen Einblick in das Studium zu erhalten.

Drei spannende Semester Maschinenbau

Der Hüter des Labors, Florian Ernst, beschäftigt sich allerdings in erster Linie mit der ganz konkreten Ausbildung der Studierenden. Beispiel Maschinenbau: Im ersten Semester erhalten die Studierenden ihr eigenes Bauteil, das vermessen, händisch gezeichnet und später im CAD-Programm modelliert werden muss. Daraufhin können sie dann eine Konstruktionszeichnung ableiten. Im zweiten Semester werden die animierten Bauteile unter den Studierenden getauscht, damit sie diese in einer Baugruppe zusammensetzen. Im dritten Semester schließlich wird den Studierenden eine freie Aufgabe gestellt, wie sie es im Berufsleben durch einen Kundenauftrag erleben könnten, zum Beispiel die Konstruktion eines Getriebes.

Praktische Gruppenarbeit als Erfolgsmodell

Hochschulgebäude des Campus Minden

„Ich schätze die Arbeit mit den Studierenden in Kleingruppen und das persönliche Gespräch hierbei“, erzählt Florian Ernst. „Es ist toll zu erleben, wie mit konkreten individuellen Hilfestellungen echte Lernfortschritte erzielt werden können.“ Auch Prof. Tenzler hält viel von Gruppenarbeit: „Besonders spannend finde ich die Konstellation, dass Studierende aus verschiedenen Backgrounds zusammenarbeiten, was oft vorkommt. Da treffen ausgelernte Facharbeiterinnen und Facharbeiter auf Abiturientinnen und Abiturienten, und es gibt ganz unterschiedliche Wissensstände und Erfahrungen, die sich dann aber gegenseitig befruchten.“

Ausbau des CAD-Labors

Aufgrund der erfolgreichen Integration in das Studium wird das CAD-Labor des Campus Minden weiter auf dem neuesten Stand gehalten. Der Ingenieursnachwuchs soll hier so lernen können, wie es von ihm später im Berufsleben in den Unternehmensabteilungen für Konstruktion, Entwicklung oder Fertigung erwartet wird. Zuletzt hat die Fachhochschule deshalb einen 3D-Scanner für das Labor angeschafft. Mit diesem können die Studierenden physische Objekte abscannen und mit den erfassten Daten einen Volumenkörper erzeugen, der dann wiederum in ein CAD-System übertragen wird. So entstehen Bauteile, die dann in der ebenfalls zum Campus Minden gehörenden Maschinenhalle gefertigt werden. Vorausgesetzt, die kreative Idee hinter der Konstruktion ist es wert, versteht sich.