FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
20.04.2022

Im Sinne der Nachhaltigkeit: Mode-Studentin der FH Bielefeld entwirft während digitaler Summer School an der XAMK in Finnland einen Lampenschirm aus Baumrinde

Der Lampenschirm aus Baumrinde aus verschiedenen Ansichten fotografiert
Mode-Studentin Isabel Niemann nutzte selbstgemachten Dextrin-Buchbindekleber, um den Lampenschirm herzustellen. © I. Niemann/FH Bielefeld
Einige Skizzen und Notizen zur Entwicklung des Lampenschirms aus Baumrinde
Mit ihrem nachhaltigen Lampenschirm aus Baumrinde möchte die Mode-Studentin Natur in städtische Wohnungen bringen. © I. Niemann/FH Bielefeld
Der Lampenschirm, wie er an der Decke hängt
Nachhaltig hergestellt aus abgefallener Baumrinde: Niemanns eigener Lampenschirm. © I. Niemann/FH Bielefeld
Isabel Niemann hält die von ihr entworfenen Badeschlappen in einer Hand
Im Rahmen der Summer School "Nordic Product Design" entwarf Isabel Niemann nicht nur einen Lampenschirm, sondern auch Badeschlappen. © B. Zimmermann/FH Bielefeld

Isabel Niemann, Modestudentin der FH Bielefeld, hat während der digitalen Summer School „Nordic Product Design“ an der Partneruniversität XAMK in Finnland einen nachhaltigen Lampenschirm aus Baumrinde und Bath-Flops aus einer alten Badematte kreiert.

Bielefeld (fhb). Ein Tisch, der aus Schalen von 600 gepressten Orangen hergestellt wurde und ein Lampenschirm aus Blättern und Stängeln: Das, was das Cara Cara Collective bereits umsetzt, hat auch Isabel Niemann, Mode-Studentin am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld, inspiriert. Sie konnte das Unternehmen in einem virtuellen Rundgang während einer digitalen Summer School an der Hochschule XAMK in Finnland kennenlernen. Inspiriert durch ihre Eindrücke während des Kurses „Nordic Product Design“ entwarf die Studentin dann selbst zwei Produkte: einen nachhaltigen Lampenschirm aus Baumrinde und Badelatschen aus einer alten Badematte.

Tische und Lampenschirme aus Orangenschalen

„Die virtuelle Tour durch die Werkstatt und die Ausstellungsräume des Cara Cara Collectives haben mich extrem beeindruckt“, berichtet die 27-jährige Studentin. Das nachhaltige Unternehmen arbeitet vor allem mit Orangenschalen, da der weitreichende Konsum von Orangensaft jährlich etwa 16 Millionen Tonnen davon zurücklässt. Bei lokalen Supermärkten eingesammelt, produziert das Unternehmen daraus Tische, Lampenschirme und vieles mehr. „Das, was für uns einfach nur Abfall ist, wird hier für die Möbelproduktion verwendet. Dem Müll wird sozusagen wieder Leben eingehaucht. Das ganze Konzept ist von Grund auf nachhaltig gedacht. Daher war ich sehr glücklich, dass wir den geplanten Rundgang zumindest virtuell miterleben konnten.“

Summer School: Auch digital ein voller Erfolg

„Die Erkenntnis, wie man neue, experimentelle Materialien aus vieler Art „Abfall“ und mit ressourcenschonendem Einsatz entwickeln kann, hat mich nicht nur beeindruckt, sondern wird auch zukünftig Teil meiner Arbeits- und Lebensweise werden.“

Isabel Niemann, Mode-Studentin der FH

Denn aufgrund der Corona-Pandemie konnte die zweiwöchige Summer School an der XAMK in Finnland, eine der über 160 Partnerhochschulen der FH Bielefeld, im August letzten Jahres nur digital stattfinden. Obwohl die Umstellung von Präsenz auf Digital sehr spontan erfolgte, lobt Niemann die Organisation: „Ehrlich gesagt war ich mir erst unsicher, ob eine digitale Teilnahme wirklich sinnvoll ist, schließlich hat man während der Pandemie schon genug Zeit vor dem Bildschirm verbracht. Zum Glück hat sich meine Sorge nicht bewahrheitet: Wir haben trotzdem sehr viel praktisch gearbeitet. Zum Beispiel mussten wir innerhalb von fünf Minuten eine Vase skizzieren und uns danach in Gruppen über unsere Ergebnisse austauschen. Solche praktischen Übungen haben das Ganze sehr aufgelockert. Ich war wirklich überrascht, wie gut das Online-Format funktioniert hat.“ Aufmerksam wurde Niemann auf die Summer School durch einen Verteiler von Digital Mobil @ FH Bielefeld, in dem insgesamt vier verschiedene Summer Schools an der XAMK inklusive Stipendien beworben wurden: Elements of Artificial Intelligence, Introduction to Cyber Security, Nordic Product Design und Enterpreneurship and Mindset.

Bereichernd: Summer School ist offen für alle Fachbereiche

Niemann entschied sich aufgrund ihres persönlichen Interesses an Nachhaltigkeit schließlich für die Summer School „Nordic Product Design“. In Vorlesungen, Workshops, virtuellen Rundgängen, Einzelaufgaben und Gruppenarbeiten lernten die Studierenden so nicht nur das Cara Cara Collective kennen, sondern auch Vieles über die skandinavische Architektur und nachhaltiges Produkt- und Materialdesign. Niemann: „Nachhaltigkeit ist ein weiter Begriff, den wir innerhalb des Kurses aufgeschlüsselt haben in verschiedene Ebenen. Hier war es sehr bereichernd, dass die Summer School für alle möglichen Fachbereiche geöffnet war und ich daher nicht nur mit Studierenden aus Gestaltung, sondern auch aus Architektur und Maschinenbau über ihre Ansichten zu Nachhaltigkeit sprechen konnte.“ Neben Begriffen wie Funktionalität und Minimalismus wurden auch Fragen nach den Arbeitsbedingungen, Kosten und Lieferketten thematisiert.

Design begegnet uns überall – auch in Abläufen im Service-Bereich

Dabei ging es nicht nur um traditionelles Produktdesign, sondern auch um Service-Design, wie Niemann berichtet: „Ich habe während der Summer School gelernt, dass uns Design überall begegnet. Nicht nur in Produkten, sondern auch im Service-Bereich, zum Beispiel am Flughafen. Die Abläufe dort sind nicht zufällig gewählt, sondern zielen darauf ab, die Kundinnen und Kunden glücklich zu machen.“

Die Lieblingsaufgabe der Mode-Studentin: Ein japanisches Chindogu entwickeln – eine Art witzige Erfindung, die ein Problem kreativ und umständlich löst. Aus diesem Ansatz entstanden in Anlehnung an ihr Modestudium die Bath-Flops: tragbare, große, unhandliche Schlappen aus einer alten Badematte, die ihren Benutzerinnen und Benutzern erlaubt, die Badematte klitschnass überall mithinzunehmen.

Die Natur nachhaltig in städtische Wohnungen bringen

Für ihr Abschlussprojekt der Summer School begab Niemann sich schließlich in die heimischen Wälder, um dort nach geeigneten Materialien zu suchen. So entstand ein Lampenschirm, den sie aus der abgefallenen Rinde verschiedener Bäume kreierte. Dazu mixte sie einen Dextrin-Buchbindekleber aus gerösteter Stärke, Traubenzucker und Wasser in einem Wasserbad zusammen, um die Rinde zu einem Zylinder-förmigen Lampenschirm zusammenzukleben. Niemann erklärt: „Ich wollte die Natur auf nachhaltige Weise in städtische Wohnungen bringen, ohne, dass dafür Bäume gefällt werden müssen. Der Lampenschirm ist natürlich erst einmal nur ein Prototyp und hat sich über die Wochen ziemlich stark verändert. Der Kleber ist leider porös geworden und auch die Rinde hat ihre Farbe etwas verändert – aber so ist das eben mit Natur.“

Färben mit schwarzem Tee, Safran oder Kurkuma

Isabel Niemann steht unter dem von ihr entworfenen Lampenschirm.
Niemanns Lampenschirm hängt nun in ihrem Schlafzimmer.

Auch in ihrem Privatleben setzt die Studentin auf Nachhaltigkeit: Neben wöchentlichen Einkäufen auf dem Markt mit dem mitgebrachten Leinenbeutel versucht sie, bei ihren Mode-Kreationen die Materialwahl bewusster zu gestalten. So verwendet sie beispielsweise bei reinen Baumwollstoffen auch Baumwollgarn und experimentiert mit schwarzem Tee, Safran und Kurkuma als Ersatz für herkömmliche Farbstoffe. Das alles sind für Niemann jedoch erst Anfänge in Richtung Nachhaltigkeit. Ihr Kredo: Nicht nach Perfektion streben, sondern bewusster Entscheidungen treffen. Was sie sonst noch privat für sich aus der Summer School mitgenommen hat? „Ich habe gelernt, dass man nicht immer die neueste Technik haben muss, um etwas gut umzusetzen. Manchmal funktioniert es auch mit ganz einfachen Lösungen, die dann vielleicht etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. So entwickelt man oft auch eine größere Wertschätzung gegenüber dem Produkt.“

Summer School als nachhaltiger Einfluss auf Arbeits- und Lebensweise

Niemann würde sofort wieder an einer Summer School teilnehmen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätte. Ihr Fazit des zweiwöchigen Austausches: „Es war wirklich bereichernd, sich mit Studierenden aus aller Welt mit denselben Interessen auszutauschen. Die Erkenntnis, wie man neue, experimentelle, interessante Materialien aus vieler Art „Abfall“ und mit ressourcenschonendem Einsatz und wenig technischer Ausstattung entwickeln kann, hat mich nicht nur beeindruckt, sondern wird auch zukünftig Teil meiner Arbeits- und Lebensweise werden.“

Weitere Informationen

Die FH Bielefeld bietet Auslandsaufenthalte nicht nur im Rahmen der Summer Schools an, sondern auch in Form von Auslandssemestern, Hospitanzen und Forschungsaufenthalten. Vom 2. bis 6. Mai findet die Internationale Woche an der FH Bielefeld statt. Hier werden von mehr als 70 Gästen aus über 30 Ländern Einblicke in Studium, Lehre und Forschung über Deutschlands Grenzen hinaus gegeben. Das Programm umfasst Vorträge, Workshops, Lehrveranstaltungen und Aktionen, die für alle Studierenden geöffnet sind und in deutscher oder englischer Sprache stattfinden.

Digital Mobil @ FH Bielefeld

Die Fachhochschule Bielefeld verfolgt mit dem DAAD-geförderten Projekt Digital Mobil @ FH Bielefeld das Ziel, allen Studierenden internationale Erfahrungen zu ermöglichen − unabhängig davon, ob in ihren Studiengängen ein Auslandsaufenthalt vorgesehen ist oder nicht. Ein Schwerpunkt des Projekts ist die digital unterstützte Zusammenarbeit von Studierenden aus verschiedenen Ländern als eine Möglichkeit, interkulturelle, interdisziplinäre, digitale und fremdsprachliche Kompetenzen für das Arbeitsleben zu erwerben.

 Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@fh-bielefeld.de wenden.