FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
12.04.2022

Neue Initiative für das Pflegestudium

Als erstes Klinikum in OWL will das Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, gemeinsam mit der Fachhochschule Bielefeld bessere Rahmenbedingungen für den primär-qualifizierenden Pflegestudiengang schaffen: Wie bei einem dualen Studium erhalten die Studierenden eine Vergütung für die Ableistung ihres Praxisteils im Klinikum.

Eigentlich waren die Weichen schon gestellt: Mit der Reform des Pflegeberufegesetzes vor zwei Jahren sollte auch die Akademisierung der Branche in Deutschland fortschreiten. Doch die als Qualitätsoffensive geplante Aufholjagd zu anderen Ländern verläuft schleppend. Das liegt auch darin begründet, dass sich sowohl Politik als auch Arbeitgeber damit schwertun, entsprechende Verdienst- und Karrierepositionen für zunehmend akademisch ausgebildetes Pflegepersonal zu schaffen und damit das Studium attraktiver zu machen.

Den Bedarf an studierten Pflegefachpersonen beschreibt Christian Siegling, Pflegedirektor am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, so: „So selbstverständlich, wie die Medizin sich in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat, muss auch die Pflege mit entsprechender wissenschaftlicher Orientierung ausgebildeter Fachkräfte darauf reagieren.“  Um den Ansprüchen an eine gleichbleibend hohe Qualität der Patientenversorgung auch in Zukunft gerecht zu werden, sehe er hier eine drängende Verpflichtung der Häuser, schnellstmöglich eine eigene strategische Perspektive für geeignete Karrierewege zu entwickeln: „Schon 2012 hat der Wissenschaftsrat dringend empfohlen, dass 10 bis 20 Prozent des Pflegepersonals über einen Bachelor-Abschluss verfügen sollten. Auch wenn statistische Angaben zur Zahl der Studierenden in primärqualifizierender hochschulischer Pflegeausbildung erst im Laufe des Jahres vorliegen sollen, kann man jetzt schon sagen, dass dieses Ziel lange nicht erreicht ist.“

HDZ NRW: Fünf Prozent der Pflegekräfte haben einen Hochschulabschluss

Mit der Fachhochschule (FH) Bielefeld hat das HDZ NRW jetzt eine Kooperationsvereinbarung getroffen, nach der Studierende des primärqualifizierenden Pflegestudiengangs erstmals auch für die Ableistung ihres Praxisteils eine Vergütung erhalten, die sich nach der Art und Dauer ihrer Tätigkeit am HDZ NRW richtet. „Einerseits möchten wir Studierenden damit tatsächlich einen Anreiz bieten, unsere Einrichtung näher kennenzulernen“, gibt Siegling zu, der die neue Kooperationsvereinbarung den Studierenden bei der gestrigen Auftaktveranstaltung gemeinsam mit den Vertreterinnen der Fachhochschule Bielefeld vorstellte. „Andererseits soll das Studium aber auch attraktiver werden gegenüber der generalistischen Ausbildung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau, die in aller Regel tarifvertraglich vereinbart ist.“ Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums entstehen den absolvierten Pflegefachfrauen und -männern keine weiteren Verpflichtungen.

Ein Studiengang – zwei Berufsabschlüsse

Zwei Frauen und ein Mann stehen vor einem Krankenhausbett
Professorin Dr. Änne-Dörte Latteck, Pflegedirektor Christian Siegling (HDZ NRW, Bad Oeynhausen) und Dekanin Dr. Michaela Brause im Skills Lab des Fachbereichs Gesundheit.

Änne-Dörte Latteck und Christa Büker, Professorinnen für Pflegewissenschaft am Fachbereich Gesundheit der FH Bielefeld, begrüßen die Initiative einstimmig und freuen sich über positive Reaktionen ihrer Studierenden, die als Erste von dem Angebot profitieren können: „Jetzt hoffen wir nicht nur, dass der achtsemestrige Vollzeitstudiengang dadurch an Zulauf gewinnt und sich insbesondere auch mehr Abiturienten und Fachabiturienten für den damit verbundenen doppelten Berufsabschluss zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann in Kombination mit dem Bachelorabschluss interessieren.“  Vielmehr sei auch zu erwarten, dass das Beispiel des HDZ NRW Schule mache und mit weiteren Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen Kooperationsvereinbarungen getroffen werden können. Interesse sei bereits signalisiert worden. „Der Bedarf an hochschulisch und zugleich praktisch ausgebildetem Personal, das in der Lage ist, zunehmend komplexe Pflegesituationen nicht nur zu managen, sondern auch wissenschaftlich zu bewerten, ist überall hoch.“ Das HDZ NRW arbeitet bereits seit mehreren Jahren eng mit der FH Bielefeld zusammen. Aktive Beteiligungen bestehen sowohl in der Lehre als auch in der Praxisanleitung.

Christian Siegling legt Wert darauf, dass der Mix sämtlicher Ausbildungsgrade und Qualifikationsstufen beim Pflegepersonal hochgehalten werden müsse: „Es geht keinesfalls darum, nur noch Akademiker zu beschäftigen. Besonders Häuser mit einer Spezialausrichtung wie das HDZ NRW benötigen für ihre Patientenversorgung selbstständig handelnde Pflegepersonen jeglicher Fachausbildung – dazu bedarf es konkreter Rollenverteilungen, individueller Karriereangebote und Professionalisierungskonzepte, mit denen pflegerische Teams ihren anspruchsvollen Tätigkeiten entsprechend gewürdigt und gezielt interdisziplinär, am jeweiligen Bedarf orientiert eingesetzt werden.“

 Text: HDZ NRW Bad Oeynhausen