FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
25.03.2021

Campus Minden: Interdisziplinäres Studierendenseminar denkt Schularchitektur neu

Masterstudierende der FH Bielefeld entwickeln innovative Entwürfe für ein zukunftsfähiges Schulgebäude am Beispiel der Primus-Schule Minden.

Zwei Frauen mit FFP2-Masken stehen vor einer grünen Wand, an der Plakate hängen. Beiden Frauen zeigt auf ein Plakat.

Minden (fhb) Studierenden praktische Erfahrungen während des Studiums ermöglichen – dieser Maxime hat sich Professor Dr. Matthias Kathmann verschrieben. Seit gut drei Jahren doziert der Professor im Lehrgebiet „Interdisziplinäre Projekte im Hochbau“ am Campus Minden der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Stets ist er auf der Suche nach spannenden Bauvorhaben, in die seine Studierenden ihre Ideen einbringen können. Die im Schulentwicklungsplan der Stadt Minden festgehaltene Überplanung der Sekundarstufe I der Primus-Schule Minden kam Kathmann deshalb wie gerufen: In Kooperation mit der Stadt und der Schule entwickelte der studierte Architekt im vergangenen Sommersemester ein praxisbezogenes Seminar für 30 Masterstudierende des Studienganges „Integrales Bauen“ der FH Bielefeld. Das Ziel des Seminars war es, verschiedene Konzepte für ein zukunftsfähiges Schulgebäude zu erstellen.

Interdisziplinarität im Vordergrund

Zwei Frauen stehen vor dem Campus Minden der FH Bielefeld und lächeln in die Kamera. Eine Frau hält ein zusammengerolltes Plakat in der HandFür das Projekt schlossen sich fünf interdisziplinäre Gruppen zusammen, die aus Studierenden der fachlichen Vertiefungen „Architektur“, „Bauingenieurwesen“ und „Projektmanagement Bau“ bestanden. „Mir war es wichtig, dass Studierende unterschiedlicher Vertiefungen zusammen an einem konkreten Bauvorhaben arbeiten, damit ein Synergieeffekt entsteht. Auf diese Weise konnten die Studierenden wichtige Erfahrungen für ihren späteren Berufsalltag sammeln, in dem sie immer wieder in interdisziplinären Teams arbeiten werden“, erklärt der Experte für integrale Projekte.

Wissenszuwachs durch Praxis

Seminarteilnehmerin Catherine Weßel teilt diese Einschätzung und zeigt sich begeistert von dem Seminarkonzept: „Durch die Aufgabenstellung hatten wir die Chance, wichtige praxisbezogene Erfahrungen zu sammeln, die es in einem typischen Architekturstudium so vermutlich nicht gibt.“

Eine Hand zeigt auf ein Plakat, das auf einem Tisch liegt.

Auch für die thematische Vielfalt der zu bearbeitenden Aufgabe gab es positives Feedback: Johanna Kratz (25) plant, nach ihrem Masterabschluss in einem Architekturbüro zu arbeiten: „Da war es hilfreich, dass wir uns nicht nur mit dem Entwurf beschäftigten, sondern auch mit rechtlichen Grundlagen, Kosten­berechnungen, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und vielen weiteren Aspekten, die zu solch einem komplexen Projekt gehören. So kann ich mit einem weit gefächerten Wissensstand in mein Berufsleben starten.“

Eine Frau verschränkt die Arme und lächelt in die Kamera. An der grünen Wand hinter ihr hängen mehrere PlakateUnterstützung bei dieser komplexen Aufgabenstellung erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur durch ihren Professor, sondern auch durch mehrere Fachplaner aus den Bereichen Statik, Technische Gebäudeausrüstung und Landschaftsplanung. Die Experten, die Kathmann für das Seminar gewinnen konnte, standen den Studierenden bei Fragen mit ihrer Expertise zur Seite. „Auf diese Weise konnten wir unseren Entwürfen die notwendige Tiefe und Ernsthaftigkeit verleihen“, so die 31-jährige Weßel, die ihr Studium am Campus Minden nach einer Ausbildung zur Bauzeichnerin aufnahm.

Besondere Anforderungen der Primus-Schule Minden

Zwei Frauen, die FFP2-Masken tragen, stehen vor einer SchuleNeben dieser hilfreichen Unterstützung hielt das Seminar jedoch auch noch eine weitere Besonderheit für die Studierenden bereit: das außergewöhnliche Schulkonzept der Primus-Schule Minden. Im Jahr 2013 als eine von fünf Modellschulen des Landes Nordrhein-Westfalens gegründet, ist die Schule für ihre besondere Lern- und Unterrichtsorganisation bekannt. Hier steht das längere gemeinsame Lernen von Klasse eins bis zehn, mit einer offenen Unterrichtsform und einem jahrgangsübergreifenden Lernen im Vordergrund. Ein Konzept, das die Studierenden aus ihren eigenen Erfahrungen so bis dato nicht kannten und das ihnen viele kreative Freiräume ermöglichte.

Zwei Frauen mit FFP2-Masken stehen vor einer grünen Wand, an der Plakate hängen. Eine der beiden Frauen zeigt auf ein Plakat.

„Das Schulkonzept fordert räumliches Umdenken, weg vom herkömmlichen Klassenzimmer. Es veranlasste die Studierenden, Schularchitektur ganz neu – fern von altbekannten Strukturen – zu denken“, erläutert Kathmann. Eine spannende Aufgabe, die den Studierenden viel Freude bereitete, wie Masterstudentin Kratz betont: „Eine Schule zu entwerfen, ist in jedem Fall eine große Herausforderung. Sich dabei von der eigenen Schulerfahrung zu lösen und auf neuartige Raumkonzepte einzulassen, hat mir besonders Spaß gemacht. Wichtig war mir, eine positive Lernatmosphäre für die Schüler und Schülerinnen und einen angenehmen Arbeitsplatz für die Lehrkräfte zu erschaffen. Eine naturbezo­gene und altersgerechte Gestaltung stand dabei im Vordergrund.“

Coronakrise zwingt zu neuen Formen der Partizipation

Eine Person rollt mit ihren Händen ein Plakat auf einem Tisch aufDoch nicht nur diese Herausforderung bewältigten die Studierenden mit viel Engagement, sondern auch die schwierige Situation durch das Coronavirus. Schnelles Umdenken aller Beteiligten war erforderlich. So stellten die Schule und die Stadt Minden den Studierenden, anstelle einer gemeinsamen Begehung der Gebäude, die baulichen Gegebenheiten in einer Online-Präsentation vor. Statt eines Workshops in der Schule, bei dem die Wünsche und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler Gehör finden sollten, entwickelten die Studierenden spontan eine Online-Umfrage für die Kinder und Jugendlichen. Das Ergebnis: Fünf kreative, bis ins letzte Detail durchdachte Entwürfe, in denen architektonische Zukunftsvisionen mit den baulichen Möglichkeiten vor Ort und einem außergewöhnlichen Schulkonzept vielversprechend vereint wurden.

Digitale Ergebnispräsentation

Zwei Frauen stehen mit dem Rücken zur Kamera und schauen sich ein Schulgebäude an. Die Frau auf der linken Seite trägt ein aufgerolltes Plakat in der Hand.Dementsprechend groß war auch die Begeisterung von Antje Mismahl, Direktorin der Primus-Schule Minden: „Gerne hätten wir die Studierenden zu uns in die Schule eingeladen, damit sie ihre Konzepte den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften in einer Ausstellung präsentieren können. Wir hoffen, dass wir dies zu einem späteren Zeitpunkt nachholen können, um die aufwändigen Arbeiten angemessen zu würdigen. Nichtsdestotrotz wurde auch bei der digitalen Präsentation deutlich, welch innovative und einfallsreiche Konzepte die Studierenden entworfen haben. In einem so konzipierten Umbau stecken einmalige Möglichkeiten!“

Eine  Frau steht vor einer Flipchart, auf der ein Plakat zu sehen ist, und lächelt in die Kamera. An der grünen Wand hinter ihr hängen mehrere Plakate.Diese Meinung teilt auch Seminarleiter Kathmann und zeigt sich erfreut von dem Verlauf des Seminars sowie dem Engagement seiner Studierenden: „Ich bin nachhaltig davon beeindruckt, mit welcher Begeisterung und mit welchem Sachverstand sich die Studierenden mit dem Schulkonzept und den baulichen Vorgaben auseinandergesetzt haben. Es sind fünf einmalige Konzepte entstanden, bei denen ich mich freuen würde, wenn sie in die Überplanung der Primus-Schule einfließen würden. Doch auch wenn dies nicht der Fall sein sollte, haben die Studierenden wichtiges Fachwissen und praxisbezogene Erfahrungen anhand eines realen Bauvorhabens hinzugewinnen können.“ (abo)