FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
05.12.2018

„Tiefgehende und intensive Begegnung mit Kunstwerken“

Einzigartige Kunstbörse Artothek wiedereröffnet – Bilder zum Ausleihen und zum Genießen.

Herr Beaugrand und Frau Hauke mit Bildern der Artothek

 Bielefeld (fhb). „Das durch das Schwarz gebrochene Rot in Kombination mit der gebeugten Haltung der Gestalt vermittelt eine gewaltvolle Schwere und den Körper selbst als Last. Dieser Eindruck weckt beim Betrachter die Assoziation von Tragen und Ertragen, Schmerz und Leid.“ Prof. Dr. Andreas Beaugrand beschreibt nachdenklich und mitfühlend das Werk „Ohne Titel“ von Galli, eigentlich Anna-Gabriele Müller, das 1992 veröffentlicht wurde. Beaugrand liebt die Kunst, „die auch provozieren darf“, und lädt andere gerne ein, Kunst zu erleben, teilzunehmen.

Deshalb hat er jetzt die Artothek wiedereröffnet, eine wachsende Sammlung von bereits über einhundert Bildern, die sich Hochschulmitglieder und auch Externe ausleihen können, für bis zu drei Monate und gegen eine geringe Versicherungs- und Verwaltungsgebühr. „Barrierefreiheit für gute Kunst ist unser Motto, ein kleines ‚Who is who?‘ der internationalen Kunstlandschaft“, verspricht der Kunstexperte, der am Fachbereich Gestaltung das Lehrgebiet Theorie der Gestaltung vertritt und unter anderem Künstlerischer Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen ist.

Es war etwas ruhig geworden um die Artothek, die 2005 mit der Aufforderung „Leih' Dir Kunst“ von Dr. Antje Kellersohn, der damaligen Direktorin der Hochschulbibliothek, und Beaugrand eröffnet wurde und damals wie heute in der Fachbibliothek für Gestaltung an der Lampingstraße zu Hause ist. Was sich auch nicht geändert hat: Sie ist in ihrer Art die einzige „Kunstbörse“ an einer deutschen Hochschule. Die Werke sind Schenkungen und Stiftungen von Künstlerinnen und Künstlern, Galerien, Museen und anderen Kulturinstituten. „Unternehmen sollten sich allerdings nicht eingeladen fühlen, unsere Kunstwerke quasi kostenlos in ihren Geschäftsräumen auszustellen, da schauen wir genau hin, das wollen wir nicht“, hält Beaugrand unmissverständlich fest. Anlässlich der Eröffnung verwies er damals auf das heute weiterhin gültige Artothek-Konzept: „In einer normalen Kunstausstellung lassen sich die Exponate bestenfalls oberflächlich betrachten, für die tiefgehende und intensive Begegnung mit Künstler und Kunstwerk benötigen die Betrachter jedoch Zeit. Das auch denjenigen zu ermöglichen, die sich teure Originale noch nicht leisten können oder bisher nicht leisten wollten, ist die wesentliche Aufgabe der Fachhochschul-Artothek.“

Zu finden und auszuleihen ist beispielsweise die Tuschearbeit „Krähe“ des polnischen Malers, Zeichners und Grafikers Marek Bieganik, „der in kontinuierlicher Unrast auf der Suche danach ist, wie er seine phantasievollen und phantastischen Ideen in ein gültiges Bild setzen und die Vielfalt seiner Gedanken künstlerisch ordnen kann“, beschreibt Beaugrand. Bieganiks Gedanken, fährt er fort, „betreffen das menschliche Leben, das Werden und Vergehen, die Suche nach Sinnstiftung und die komplexen Fragen nach dem Sinn des Lebens“. Es gehe dem Künstler darum, die Daseins- und Erscheinungsformen menschlicher und auch tierischer Existenz in dieser Welt im Verhältnis zueinander zu veranschaulichen. Ein nennenswertes Beispiel von vielen, die Auseinandersetzung mit der Kunst zu suchen und Antworten zu erhalten. Auch das will die Artothek.

Regina Hauke, Mitarbeiterin der Hochschulbibliothek am Standort Lampingstraße, ist eine der Ansprechpartnerin für Artothek-Interessierte. Sie kennt sich aus im Katalog, weiß auf Wünsche einzugehen und freut sich über neue Exponate, die Eingang in die Sammlung finden. Jeder Ausstellungsgegenstand wird sorgfältig eingepflegt, weshalb Studierende, die zum Beispiel Rahmen für die Bilder in der fachbereichseigenen Werkstatt bauen wollen, zunächst eine technische Einführung erhalten von Dipl.-Ing. Jürgen Berger, dem Leiter der Holz- und Metallwerkstatt, „der den Studierenden auch im Detail zur Seite steht“, so Beaugrand.

Über den Online-Katalog der Hochschulbibliothek oder direkt vor Ort ist eine Information über die Werke möglich.

Ausleihzeiten für die Bilder der Artothek:
Montags bis freitags von 08:30 bis 17:00 Uhr.
Kontakt:
Anja Bulau, Regina Hauke, Hochschulbibliothek
Telefon 0521.106.7643
E-Mail bib.lampingstrasse@fh-bielefeld.de
Web www.bib.fh-bielefeld.de

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Künstler in der „Artothek“:
Peter Ackermann, Wilfried Georg Barber, Herbert Bardenheuer, Astrid Bartels, Thomas Bayrle, Erwin Bechtold, Anne Berlit, Maria Best, Roman Bezjak, Marek Bieganik, BieneFeld, Marie Boden, Christian Bodendieck, Claus Böhmler, Victor Bonato, Roland Borchers, Jörg Boström, Czaja Braatz, Gisela Breitling, Reinhard Buxel, Lucia Dellefant, Fabio Di Quattro, Günter Dohr, Rainer Fetting, Bernd Finkeldei, Dorothea Fischer, Günter Frecksmeier, Lutz Friedel, Günter Fruhtrunk, Galli, Heinz Gappmayr, Ilse Garnier, Jochen Geilen, Johan van Geluwe, Fritz Genkinger, W. Gies, Katharina Giese-Assion, Eugen Gomringer, Christian J. Hage, Beate Haupt, Peter Heber, Erwin Heerich, Jürgen Heinemann, Gerwin Heinrich, Walter Hellenthal, Dietlind Hoffmann, Edgar Hofschen, Angelika Höger, Karl Martin Holzhäuser, Gereon Inger, Bernd Jansen, Alfred Kaufner, Thomas P. Kausel, Katja Kramer, Dieter Krieg, Sabine Kuhn, Justus Laquay, Christiane Laun, Walter Libuda, Monika Linnert, Elisabeth Lumme, Elisabeth Masé, Manfred Mayerle, Peter Menne, Veit Mette, Michel Meyer, Heiner Meyer, Timo Nentwig, Max Neumann, Christa Niestrath, Sven-Henric Olde, Reinhild Patzelt, Emanuel Raab, Bruno Raetsch, Christoph Rust, Fred Schierenbeck, Roger Schimanski, Werner Schlegel, Egon Schrick, Matthias Schrumpf, Hans Sieverding, Strawalde, Thomas Stuwe, Andrea Sunder-Plaßmann, Gisbert Tönnis, Wolfgang Troschke, Wolfgang Waesch, Susanne Walter, Manfred Webel, Claus Weidensdorfer, Weizenfeld, Suse Wiegand, Anja Wiese, Gerd Wörner, Leonard Wübbena.