FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
25.02.2020

„Zukunft braucht Herkunft“

FH-Student Mahmoud Zalt erhält ViSiB-Preis für sein ehrenamtliches Engagement.

Drei Männer stehen nebeneinander, der Mann in der Mitte hält eine Urkunde in den Händen

Bielefeld (fhb). „Sehen, erkennen, fördern“ lautet das Motto des Vereins zur Förderung internationaler Studierender in Bielefeld (ViSiB). Jedes Jahr zeichnet der Verein Studierende der Fachhochschule (FH) Bielefeld und der Universität Bielefeld für ehrenamtliches Engagement neben dem Studium aus. Beim Jahresempfang und der gleichzeitigen Feier zum 35-jährigen Bestehen von ViSiB erhielt am 24. Februar Mahmoud Zalt, der an der FH Bielefeld Wirtschaftsrecht im dritten Semester studiert, den mit 750 Euro dotierten Preis.

Vorgeschlagen wurde der Student von Prof. Dr. Carsten Doerfert, Leiter des Studiengangs Wirtschaftsrecht, der Zalt aus seinen Lehrveranstaltungen kennt. In seiner Laudatio betonte Doerfert die Sprachkenntnisse des Studenten: „Das Rechtsstudium setzt in besonderem Maße sprachliche Fähigkeiten voraus. Es ist sehr beachtlich, wie Herr Zalt die nötigen Deutschkenntnisse in kurzer Zeit erworben hat. Er ist aktuell der einzige Student mit Fluchthintergrund in seinem Semester und im ganzen Studiengang und hat sich schnell hervorragend integriert“.

„Ich möchte mich bei der FH Bielefeld und meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen für die Unterstützung bedanken. Und auch dafür, dass mir Mut gemacht wurde, noch einmal ein Studium aufzunehmen“, so Zalt, der nach Abschluss seines Jurastudiums bereits mehrere Jahre in Aleppo berufstätig war. 2015 floh er vor dem Bürgerkrieg in Syrien und nahm zunächst in Lemgo an Sprach- und Integrationskursen teil. Im Wintersemester 2017/2018 war er schließlich Teilnehmer im studienvorbereitenden Deutschkurs der FH Bielefeld und organisierte einen „Syrientag“ mit Speisen und Getränken sowie Vorträgen über sein Heimatland.

„Mir ist es sehr wichtig, die Unterstützung, die ich bekommen habe, auch an andere Studierende weiterzugeben“, so Zalt. Seit 2018 engagiert sich der Student als Tutor für die Teilnehmenden der studienvorbereitenden Deutschkurse für Geflüchtete und plant den Aufbau eines Netzwerkes aus internationalen Akademikern, Hochschulangehörigen, internationalen und nationalen Studierenden, Sprachkursteilnehmenden sowie Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bielefeld. Das Netzwerk soll noch mehr Unterstützung und Vernetzung unter den internationalen Studierenden bieten, beispielsweise durch Unternehmensbesichtigungen, gemeinsamen Kochabenden und Workshops.

Anlässlich des Jubiläums von ViSiB kamen auch ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger zu Wort. „In den vergangenen 35 Jahren konnten wir 50 Studierende aus allen Fachbereichen für ihr Engagement auszeichnen“, sagte Prof. Dr. Angelika Epple, Prorektorin für Internationales und Diversität an der Universität Bielefeld und stellvertretende Vorsitzende von ViSiB. Eine von ihnen ist FH-Absolventin Zineb El Gharboui, die an der FH Bielefeld Elektrotechnik studierte und mittlerweile als Ingenieurin bei Siemens tätig ist. „Der Preis ist mehr als nur eine finanzielle Entlastung. Vielmehr bedeutet er, dass wir gesehen und unterstützt werden“, so die gebürtige Marokkanerin, die derzeit an einem Buch über ihre Erfahrungen in Deutschland schreibt.

„Zukunft braucht Herkunft“, resümierte Michael W. Böllhoff, Vorsitzender von ViSiB, den Abend und die beeindruckenden Geschichten der Preisträgerinnen und Preisträger. Ziel von ViSiB sei es immer gewesen, nicht nur akademische Leistungen, sondern vielmehr interkulturelle Beiträge und gemeindienstliches Engagement zu erkennen und fördern.

Der Jahresempfang des ViSiB fand in diesem Jahr im Haus Wellensiek statt. Von der Universität wurde Husam Abuhabib geehrt, der einen „Chatbot“ für internationale Studierende entwickelt hat, der Fragen rund ums Studium und Leben in Deutschland beantwortet. Da der Student derzeit seine Familie in Ghaza besucht, nahm ein Freund den Preis stellvertretend für ihn entgegen.

1985 hat ViSiB die Umsetzung eines Konzepts zur Förderung internationaler Studierender und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Universität Bielefeld und der Fachhochschule Bielefeld beschlossen. Seither hat der Verein zahlreiche Aktionen und Maßnahmen umgesetzt, um die Integration internationaler Studierender an den Hochschulen und in Bielefeld zu fördern. Praktische Projekte des Vereins sind unter anderem die Vermittlung von Patenfamilien, Freizeitangebote, finanzielle Unterstützung in Notfällen und der Verleih von Fahrrädern. (she)