FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Plagiate in der wissenschaftlichen Arbeit – kein Kavaliersdelikt

Plagiate in der wissenschaftlichen Arbeit - kein Kavaliersdelikt

Mit der Einführung der Bachelorstudiengänge haben sich Studienzeiten verkürzt, die Prü­fungsdichte hat zugenommen und der Studien­alltag ist stärker strukturiert. Die empfundene Belastung der Studierenden wächst. Also, wie kommt man durch, durch Hausarbeit & Co?

Da, wo die empfundene Belastung hoch ist, erscheint möglicherweise ein "Teufelchen auf der Schulter und wispert: Wikipedia, Copy and paste" und ähnliche Verführungen zur Täu­schung in die Ohren der Gestressten.

Jetzt erscheint kein Engelchen, sondern die rechtsstaatliche Aufklärung schwergewich­tig auf der anderen Schulter und konstatiert: "Lassen Sie es! Wir bemerken es und das Ab­schreiben ist ein Delikt, das juristische Kon­sequenzen hat!" Der Fachbereich verfügt über Programme, mit denen sich Wortgleichheiten aufdecken und auf diese Weise nicht gekenn­zeichnete Zitate und Textabschnitte feststellen lassen.

Was ist ein wissenschaftliches Plagiat?

Das Urheberrecht schützt ein Werk (§2UrhG) als "Persönliche Schöpfung mit geistig kommu­nikativem Gehalt unter gewisser Formgebung". Anklagen kann im Falle eines Plagiats nur die Urheberin, der Urheber.

Oft haben wir es mit Fällen von "Täuschung" zu tun: Zitate werden nicht gekennzeichnet, Quellen werden nicht (korrekt) angegeben, die eingereichte Arbeit stammt von einer anderen Person, erfundene Daten in empirischen Ar­beiten oder Patchwriting - basierend auf einer Quelle wird am Satzbau und an Adjektiven he­rumgedoktert - das allein reicht noch nicht für den akademischen Dr… !

Für besonders clever mag sich derjenige, die­jenige halten, der eine Quelle durch ein Über­setzungsprogramm hin- und herjagt und dann etwas zu erhalten hofft, das wie ein eigener Gedanke klingen soll oder wer Quellen absatz­weise mischt.

Täuschung - Der Begriff klingt vielleicht we­niger hochtrabend, die Tat hat aber konkrete Folgen.

Mit einer Täuschungshandlung unterlaufen Sie die Chancengleichheit aller Studierenden bei der Erlangung des angestrebten akademischen Grades. Ihre Handlung ist ein

Verfahrensfehler. In NRW ist eine Täuschung eine Ordnungswid­rigkeit und kann zu Geldbußen und zur Exma­trikulation führen. Der Fachbereich handelt nach den Vorgaben des Hochschulgesetzes:

"Wer vorsätzlich

a) gegen eine die Täuschung über Prüfungsleis­tungen betreffende Regelung einer Hochschul­prüfungsordnung oder

b) gegen eine entsprechende Regelung einer staatlichen oder kirchlichen Prüfungsordnung verstößt, handelt ordnungswidrig. Die Ord­nungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

(…)

Im Falle eines mehrfachen oder sonstigen schwerwiegenden Täuschungsversuches kann der Prüfling zudem exmatrikuliert werden."

(Hochschulgesetz, §63, Abs.5)

Am Fachbereich Sozialwesen regeln die Prü­fungsordnungen die Aberkennung von Prü­fungsleistungen (§30, Abs. 1 der Prüfungsord­nung des Masterstudiengangs, §37, Abs. 1 des BA Studiengangs Soziale Arbeit und ebenso des BA Studiengangs Pädagogik der Kindheit.)

Auch nach Abschluss von Hochschulprüfungen sind Sie einer Ahndung nicht entschlüpft. Die Entziehung eines akademischen Grades ist möglich! Zudem hat Ihr Arbeitgeber das Recht, Sie fristlos zu kündigen, weil Sie die formale Qualifikation nicht mehr besitzen (Bachelor, Diplom, Master). Ferner haben Sie keine Mög­lichkeit mehr, an einer anderen deutschen Hochschule im bisherigen oder einem ver­wandten Fach sich zu immatrikulieren.

Und sie bemerken es doch…

Gehen Sie davon aus: Das, was Sie gefunden haben, finden die DozentInnen auch!

Sparen Sie die Energie und bringen Sie diese in Ihre ehrliche wissenschaftliche Arbeit ein. Das heißt: Fragen Sie im Zweifelsfalle! Sie sind sich nicht sicher, wie Sie eine wissenschaftli­che Arbeit korrekt verfassen? Dann wenden Sie sich an den Dozenten, die Dozentin, nutzen Sie die Angebote der Tutoren. Sie sind an der Hochschule, um zu lernen, nicht um vorzuge­ben, alles zu können! Wir unterstützen Sie bei der Arbeit und wir ahnden Täuschungen!

Und ganz persönlich: Machen Sie sich bewusst, wie peinlich das ist, wenn Ihre Täuschung auf­fliegt. Wie sagen Sie es Oma? 8