FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Cornelia Giebeler (2020): Migraciones y Familias InterAmericanas.

"Fortschritt sag ich, bedeutet nicht Lebensqualität" sagt der Pehuenche Herr Rojas Rapalmán, wenn er die Geschichte seiner Familie aufschreibt, die durch ein Staudammprojekt gegen ihren Willen umgesiedelt wurde. Und Herr Zelaya Castro aus Honduras, der mit 15 Jahren in die USA reiste meint: "Mein Aufbruch war der mexikanische Traum". Entlang der Zeugnisse ihrer aufgeschriebenen Erfahrungen mit ihren Familien in der Migration werden die jeweiligen Hintergründe in den Nationen, Regionen und indigenen Lebenswelten aufgeschlüsselt, die diese Geschichten geprägt haben.

Diese Geschichten sind der Anlass für die weiterführende kritische Aufarbeitungen von interamerikansichen Migrationsprozessen und Familienkonstruktionen. 

In diesem Long Essay, das in der letzten Phase des BMB-Projektes "Entangled Americas" verfasst wurde, entwickelt Cornelia Giebeler eine neue Perspektive der Migrationsforschung. Sie erarbeitet mit den Gesprächspartner*innen Dokumentationen der Mikroprozesse von Vertreibung und Flucht. Ihre Forschung entwickelt sie als transparente Dokumentation von Testimonios/Zeugnissen der Migrant*innen, kontextualisiert sie im Rahmen von Migrations- und Familiendiskursen und versteht sie als Beitrag einer dekolonialen Perspektive.

Der Ansatz ist Teil des methodologischen Diskurses zur horizontalen und gegenhegemonialen Forschung. Sarah Corona, UdG Guadalajara, kommentiert den Band in ihrer Einleitung und verweist auf die zehnjährige gemeinsame Arbeit in einer transnationalen Forschungsgruppe der Amerikas.

Sechs gemeinsam geschriebene Testimonios/ Zeugnisaussagen von Migrant*innen aus Zentralamerika und der Andenregion Chiles werden gerahmt durch Informationen, Analysen und Erläuterungen zu den sich verändernden Migrationsregimes zwischen El Salvador, Honduras, Mexiko und den USA. Diese werden in den Kontext historischer und aktuell-politischer Familien(neu)konstruktionen und Migrationstheorien in den Amerikas gestellt und als dekolonialer Diskurs markiert. 

Es geht in der Arbeit um die Fragen: Wie verändern sich Familienverhältnisse in den Amerikas durch Migration und Vertreibung? Wie werden neue transnationale und -lokale Familienkonstruktionen hergestellt? Welche Folgen haben Migration, Flucht und Vertreibung für die intergenerationalen Beziehungen? Wieso provozieren Migrationen aus Regionen des Südens die Machtzentren des Weltsystems und kratzen an der Kolonialität der Macht und des Wissens?

Der Band steht kostenlos zum Download bereit:

https://www.uni-bielefeld.de/cias/kipu/migraciones-y-familias.html

Derzeit wird das Long Essay ins Deutsche übertragen und der Band 2 als eine weitere Publikation zur InterAmerikanischen Migration und Familie wird entlang von Testimonios von LGBTIQ und zur Bildungsmigration weitergeführt.