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Vierte Bielefelder PLAKARTIVE eröffnet

Bielefeld (fhb). „Die PLAKARTIVE hat sich etabliert in der Kunstszene von Bielefeld. Die Ausstellungen seit 2012 sind beständig größer geworden und haben immer mehr Rahmenprogramm gewonnen. Das ist auch in diesem Jahr so.“ Mit diesen Worten eröffnete Uwe Göbel, Kurator der Ausstellung und ehemaliger Professor der FH Bielefeld für Visuelle Kommunikation am Freitag, 28. Juni 2019, die vierte Biennale PLAKARTIVE in Bielefeld-Mitte, am Bahndamm entlang der Mindener-Straße und unter dem Ostwestfalendamm.

Ein Plakat an einem Brücken-Pfeiler mit der Aufschrift ´Weshalb sich mit Kunst nichts und alles ändert´.Die beste Beschreibung der Ausstellung, so Göbel, stammt von dem Schweizer Künstler Gerhard Johann Lischka, der auch in diesem Jahr wieder dabei ist: „Bei der PLAKARTIVE handelt es sich um Wort- und Bildkonstellationen in unterschiedlicher Größe auf Papier als Plakat. Diese sind in Unterführungen, auf Mauern, Plakatständern, auf Pfeilern so platziert, dass sich ein geistig dichter Informationsraum verspielten Denkens ergibt. Optisch reichhaltig und gedankenreich strukturiert, erlebt man einen Parcours sinnlicher Wahrnehmung. An einem Anti-Ort des Durchgangsverkehrs, flaniert man in Farben und Formen, Botschaften der Erweiterung des Horizonts.“

Ein Plakatfläche, auf der eine Banane abgebildet ist.Die Ausstellung zeigt auf über 85 mobilen und festinstallierten Großflächenplakatwänden unter dem Motto „Open Mind“ Arbeiten von 24 Künstlerinnen und Künstlern. Einer von ihnen ist Karsten Kronas mit einer Arbeit über das öffentlich eher unsichtbare Leben der britischen Solddaten in Bielefeld. An der PLAKARTIVE schätzt er, „dass sie alle sehen können, auch die, die sie nicht sehen möchten. Man kommt einfach nicht daran vorbei, sich die Kunst anzuschauen und über Dinge nachzudenken, die im Alltag verloren gehen. Auch das macht die PLAKARTIVE sehr sehenswert.“

Auf der Plakatfläche öffnet sich eine neue Dimension, wird gewohnheitsmäßige Wahrnehmung gebrochen, das Triebwerk des passiven Konsumreizes abgeschaltet. Die Kunst trifft ohne die räumliche Eingrenzung von Museen und Galerien direkt auf den Betrachter. „Schutzlos“, ohne institutionelles Gehege, stehen sich beide gegenüber. Der Fußgänger wird zum Kunstgänger. Und die Kunst muss sich die Reaktionen der Betrachter gefallen lassen.

Ein Plakatwand mit einem Foto, auf dem eine liegende Frau abgebildet ist, die ein Kind stillt.Die Künstlerin und Fotografie-Professorin Katharina Bosse hat diesen Passagen-Charakter aufgegriffen und so endet der Parcour in diesem Jahr erstmals in einem Raum, dem neugegründeten KunstRaum „Elsa“ in der Elsa-Brandström-Straße. Dort zeigt sie sechs KünstlerInnen der aktuellen PLAKARTIVE mit Originalobjekten und bietet als Treffpunkt Gelegenheit zum Künstlergespräch. „Früher waren hier Büros, nun soll hier ein offener Raum sein, der verschiedene Künste verbindet, deswegen passt es gut zur PLAKARTIVE: Wir besetzen Orte, die vorher Nicht-Orte waren, an dem viele Menschen vorbeigegangen sind und die sich nun verwandelt haben.“

Im Rahmen der PLAKARTIVE und unter dem Titel „Young urban Artists“ zeigen ferner junge DesignerInnen ausgewählte Arbeiten. Helga Schulze-Kämper initiierte das street-poetry-project „Moment-Mal“ mit zwei Gedichten von ostwestfälischen Lyrikerinnen als Wandmalerei.

Wie schon vor zwei Jahren ist auch die Andreas-Mohn-Stiftung wieder dabei, die ihr Projekt „Gedankenzeichen“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellt. Dabei werden auf Stele und Stein, die gemeinsam mit Studenten des Fachbereichs Gestaltung entwickelt wurden, sowie auf Solarlicht-Tafeln an Bielefelder Bürger erinnert. Ellen Maria Brinkhege von der Andreas-Mohn-Stiftung sagte: „Wir bedanken uns, dass wir auf der einzigartigen Plakat-Biennale in Europa im öffentlichen Raum „Gedankenzeichen“ zeigen dürfen. Mit unserem Projekt möchten wir über viele Jahre an Menschen erinnern, die Bielefeld mitgeprägt haben. Wir haben zusammengetragen, an wen man sich erinnern sollte in den Stadtteilen oder im Stadtgebiet und wir hoffen, dass dies gemeinsam mit unterschiedlichen Vereinen zu einer Bewegung wird.“

Hans Jürgen Franz, Bezirksbürgermeister Bielefeld-Mitte, freute sich, „dass es auch in diesem Jahr wieder gelungen ist, die Ausstellung auf die Beine, bzw. auf’s Plakat zu bringen. Die PLAKARTIVE ist immer ein Gewinn für den öffentlichen Raum. Ich bin sicher, dass wieder viele Bielefelderinnen und Bielefelder sowie andere einen Blick werfen im Vorbeigehen, im Vorbeifahren und dann vielleicht auch aussteigen bzw. nochmal wiederkommen, um das was jetzt in diesem Jahr als Open Mind-Thema präsentiert wird, anzuschauen.“

Die PLAKARTIVE 2019, unter dem Titel OPEN MIND, ist bis zum 8.9.2019 an der Mindener-Straße entlang des Bahndamms und unter dem OWD zu sehen. Eintritt frei. Die Öffnungszeiten des Kunstraums „ELSA“ sind im Sommer samstags 13-15 Uhr. 

Zur Ausstellung erscheint ein 4-farbiges und 184 Seiten starkes Magazin in Kombination mit einem handlichen Flyer als Ausstellungsführer. Das Magazin ist im AJZ-Verlag Bielefeld erschienen kann dort bestellt werden oder in Buchhandlungen, in der Tourist- Info oder im Kunstraum Elsa für 14,90 Euro gekauft werden. ISBN: 978-3-86039-041-2

Weitere Information und Kontakte: http://www.plakartive.de

Künstler der Ausstellung:

Thomas Baumgärtel, Köln; Roman Bezjak, Hamburg; Michael Bielicky, Karlsruhe; Katharina Bosse, Bielefeld; Klaus Bossemeyer, Münster; Uwe Göbel, München; Christine Grän, Graz; Oliver Gröne, Berlin; Thorsten Höning, Bielefeld; Nils Hoff, Berlin; Karsten Kronas, Bielefeld; GJ Lischka, Bern; Heiner Meyer, Bielefeld; Marianne Milani, Basel; Karl Müller, Frankfurt; Hellmuth Opitz, Bielefeld; Rebekka Reinhard, München, Kamila B. Richter, Prag; Herbert Rometsch, München; Nina Schengber, Melle; Eric Sproten, Melle; Siegfried J. Schmidt, Münster; Peter Weibel, Wien; Anna Zika, Köln

Young Urban Artists:

Nicole Lorenz, Finn Rodenberg, Nils Pisarsky, Chantal Jager, Leslie Dunker, Vivian Schulte, Dagmar Drobny, Giovanna Varrella, Julia Brede, Manuel Cosimo Wüllner.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Stadt Bielefeld und der FH Bielefeld. Sie wird unterstützt vom Kulturdezernat und Kulturamt der Stadt Bielefeld, der Bezirksvertretung Bielefeld-Mitte, Stadtklar e.V., Initiative Bielefelder Subkultur e.V., der Firma Stroer, Out of home Media, der Andreas-Mohn Stiftung, dem Präsidium der FH Bielefeld, der Fördergesellschaft FH Bielefeld e.V., der Fachbereich Gestaltung der FH sowie von Uwe Göbel COVER-Connected individual artists.