FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
03.07.2017

KogniHome entwirft die Wohnung der Zukunft

Interdisziplinäre Zusammenarbeit an der Fachhochschule Bielefeld bereichert das Projekt.

Zwei Frauen stehen vor zwei Rollups

Bielefeld (fhb). Im August 2014 startete der Innovationscluster KogniHome mit dem Ziel, Technik für die mitdenkende Wohnung der Zukunft zu entwickeln. Am vergangenen Freitag (23.06.2017) haben die 14 Partner des regionalen Verbundprojekts eine zentrale Entwicklung vorgestellt: die KogniHome-Forschungswohnung in Bielefeld-Bethel. Die Fachhochschule (FH) Bielefeld hat das Projekt in den zwei Teilvorhaben „Intelligentes Lichtleitsystem“ sowie „Juristische Fragestellungen“ bereichert. Am Freitag wurden zudem Ergebnisse des KogniHome-Projekts im Rahmen einer Abschlussveranstaltung im Audimax der FH Bielefeld vorgestellt.

Zu den ersten Besuchern der neuen Forschungswohnung in Bethel gehörte Gabriele Albrecht-Lohmar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Referat „Mensch-Technik-Interaktion, Demografischer Wandel“. Das BMBF fördert den Innovationscluster KogniHome im Rahmen seines Forschungsprogramms zur Mensch-Technik-Interaktion. Bei ihrem Besuch machte sich Albrecht-Lohmar mit den Fähigkeiten des rundum vernetzten Apartments vertraut. „Es ist beeindruckend, wie sich die neue Technik auf die Bedürfnisse der Bewohner einstellt und ihnen damit den Alltag erleichtert“, sagte Albrecht-Lohmar. „Mit seinen Entwicklungen schafft der Innovationscluster KogniHome eine wichtige Basis für die Kooperation von Wirtschaft und Forschung“, so die Referentin. Die Forschungswohnung vereint die Prototypen aus den Laboren und den Werkstätten der Partner, für die KogniHome bereits 2015 als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ prämiert wurde. Vor einem Jahr handelte es sich noch um eine einfache Bestandswohnung.

Neben technischer und ingenieurwissenschaftlicher Forschung befasste sich das Projekt auch mit der möglichen Auswirkung der neuen Technik. Das reicht von ethischen Aspekten bis hin zu rechtlichen, sozialen und sicherheitstechnischen Folgen.

„Gerade für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen ist ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung besonders wichtig“, sagte Professor Dr. Günther Wienberg. Er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, einer der 14 Projektpartner. „Wir haben sichergestellt, dass potenzielle Nutzer sich an der Entwicklung der mitdenkenden Wohnung beteiligen konnten. Wir haben mit dem Konsortium drängende ethische Fragen diskutiert und soziale Aspekte in die Forschung eingebracht“, hob Wienberg hervor.

Die Fachhochschule Bielefeld ist in zwei Teilvorhaben von KogniHome vertreten, dem „Intelligente Lichtleitsystem“ sowie den „Juristischen Fragestellungen“.

Die Teilprojektleiterin Prof. Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp bearbeitete zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Kristin Gabel im Forschungsschwerpunkt Intelligente Technische EnergieSysteme (FSP ITES) am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) das Teilprojekt „Intelligentes Lichtleitsystem“. Dabei stand die wissenschaftliche Begleitung im Vordergrund. Zunächst ging es um die Konzepterstellung eines Assistenzsystems, das sowohl eine Unterstützung im Alltag bietet als auch die notwendige Sicherheit in Gefahrensituationen gewährleistet. Als Grundlage für die prototypische Realisierung des Assistenzsystems dient eine elektrisch betriebene, auf LED-Modul-Technologie basierende optische Leitmarkierung des Projektpartners HANNING & KAHL aus Oerlinghausen.

Im Alltag gibt das System sichere Orientierung: Im Boden eingelassene, grün leuchtende LED-Module markieren den Weg vom Schlafzimmer zum Badezimmer und bieten gleichzeitig eine Grundbeleuchtung. In Gefahrensituationen, wie einem Brand mit Rauchentwicklung, weisen sie den Bewohnern den kürzesten und sichersten Fluchtweg aus der Wohnung. Die Module müssen höchsten Ansprüchen hinsichtlich mechanischer und chemischer Beanspruchungen genügen. Die LEDs können sowohl statisch leuchten sowie als Lauflicht animiert werden, um den Bewohnern eine Laufrichtung anzuzeigen.

Zu der wissenschaftlichen Betrachtung seitens der FH Bielefeld zählt weiterhin die Evaluation des Systems. Mit einer ersten Version des Lichtleitsystems wurden im Laborumfeld der FH Bielefeld anhand eines mobilen Demonstrators erste Rückmeldungen zu den Funktionen und der Akzeptanz des Systems von der möglichen Benutzergruppe der Senioren eingeholt. Diese Ergebnisse wurden im Rahmen des Projekts in einer ELS(S)I-Broschüre, die gemeinsam mit weiteren Projektpartnern entstand, veröffentlicht.

Derzeit wird das „Intelligente Lichtleitsystem“ von der FH Bielefeld in der Forschungswohnung in Bethel evaluiert. Dort bietet sich die Möglichkeit, das System sowohl jüngeren als auch älteren Personen in einer realitätsnahen Umgebung zu präsentieren. Die individuellen Eindrücke und Bedürfnisse der befragten Personen geben Aufschluss über die Stärken des Systems sowie Ansätze zu Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

In der Abschlussveranstaltung zum Projekt „Vernetztes Wohnen – die mitdenkende Wohnung (KogniHome)“ wurden nicht nur sichtbare, sondern auch unsichtbare Projektergebnisse präsentiert. Die FH Bielefeld war mit dem Thema „Rechtssicherheit in der mitdenkenden Wohnung“ Teil der ELSI-Begleitforschung.

Die unter Leitung von Prof. Dr. Brundhilde Steckler durchgeführte rechtswissenschaftliche Forschung umfasst zahlreiche Aspekte der Menschenwürde und des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts, insbesondere das informationelle Selbstbestimmungsrecht und die Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme. Im Einzelnen sind Fragen zum Datenschutz-, Vertrags- und Haftungsrecht im KogniHome untersucht worden, insbesondere mit Blick auf die Verantwortlichkeit der Anbieter und Nutzer einer intelligenten Wohnung nach der durch die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorgegebene Rechtslage.

Die juristische Arbeitsgruppe in der ELSI-Begleitforschung, zu der auch Saskia Kesting und Arthur Felk gehörten, hat sich in Kolloquien, Umfragen und Diskussionen im Dialog mit allen Forschungsgruppen und -beteiligten mit folgenden Fragestellungen beschäftigt: Ermittlung und Systematisierung datenschutzrechtlicher Aspekte, Zulässigkeit der Datenverarbeitung, Verantwortlichkeit, Pflichten des Anbieters, Rechte der Betroffenen, Ermittlung und Dokumentation persönlichkeitsrechtlicher Aspekte, Identifizierung haftungsrechtlicher Aspekte, Ermittlung und Dokumentation vertragsrechtlicher Aspekte, EU-Datenschutz-Grundverordnung, Ermittlung und Dokumentation von Schutzrechten und Lizenzierungen im Kontext der Verwertung und künftigen Nutzung der Projektergebnisse. Zur Abschlussveranstaltung wurde eine Broschüre „Reflexion juristischer Implikationen im Projekt KogniHome“ vorgestellt, die unter anderem eine Checkliste für die datenschutzrechtliche Verantwortung in der intelligenten Wohnung enthielt.

Das BMBF fördert den Innovationscluster KogniHome bis Ende Dezember mit acht Millionen Euro. Durch die finanzielle Beteiligung der 14 Partner kommt ein Gesamtbudget von 11,3 Millionen Euro zusammen. KogniHome ist Teil des Förderschwerpunktes „Mensch-Technik-Interaktion im demografischen Wandel“ des BMBF. Für das Projekt arbeiten folgende Organisationen zusammen: Universität Bielefeld, Fachhochschule Bielefeld, Universität Paderborn, achelos GmbH (Paderborn), v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel (Bielefeld), BGW Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistung mbH, DMW Schwarze GmbH & Co. Industrietore KG (Bielefeld), Hanning & Kahl GmbH & Co KG (Oerlinghausen), helectronics GmbH (Büren), Hella KGaA Hueck & Co. (Lippstadt), Hettich (Kirchlengern), HJP Consulting GmbH (Borchen), Miele & Cie. KG (Gütersloh), Neue Westfälische GmbH & Co. KG (Bielefeld).

Auch wenn am 23. Juni der Abschluss des Innovationsclusters KogniHome gefeiert wurde, die 14 Partner kooperieren weiter und wollen dafür den Verein „KogniHome e.V.“ gründen. „Wir möchten die Ergebnisse aus drei Jahren Forschung weiterführen und die mitdenkende Wohnung auch in Zukunft nutzen“, sagte Prof. Dr. Helge Ritter, Koordinator des CITEC-Exzellenzclusters der Universität Bielefeld. „Wir haben gelernt, worauf es dem Menschen beim Wohnen ankommt und in welche Richtung Technik gehen muss, damit solche technischen Systeme bei der demographischen Herausforderung einen Beitrag leisten. Kurzum: Wir wissen, was es braucht, damit die Brücke zwischen Mensch und Technik in die Zukunft weist“, fasste Ritter zusammen.

Weitere Informationen im Internet:

• Broschüre zu KogniHome: http://bit.ly/2sxC8t6 (download)

• Broschüre zu ethischen und weiteren Aspekten bei KogniHome: http://bit.ly/2sxQAkS (download)

• Film zur Forschungswohnung in Bethel: („KogniHome - Geburtstag in der mitdenken-den Wohnung“): https://youtu.be/aisagMB01GA

• Film zum Konsortium des Innovationsclusters („14 Partner - Eine Wohnung“): https://youtu.be/_AD7J0Cdv-4


Kontakt:

Prof. Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp, Fachhochschule Bielefeld, Forschungsschwerpunkt ITES

Telefon: 0521/106-7237
E-Mail: eva.schwenzfeier-hellkamp@fh-bielefeld.de


Prof. Dr. jur. Brunhilde Steckler, Fachhochschule Bielefeld
Telefon: 0521/106-5070

E-Mail: brunhilde.steckler@fh-bielefeld.de