FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
02.10.2021

DMX beim Goethe Institut Nancy, Frankreich

THE INNER LIFE OF… Zwischen Innen und Außen, zwischen real und virtuell: deutsch-französische Wahrnehmungen. Vom 17. September bis 15. Dezember 2021 im Goethe-Institut Nancy, Frankreich.

THE INNER LIFE OF… Ist eine Ausstellung von Studierenden der Studienrichtung „Digital Media and Experiment“ der Fachhochschule Bielefeld und des „Gamelab“ der École nationale supérieure d'art et de design de Nancy (ENSAD). Die Vernissage mit Live Performance fand am 16. September um 18:30 Uhr statt.

Das Projekt gab den Studierenden aus Deutschland und Frankreich die Möglichkeit, im Rahmen eines deutsch-französischen Digitalexperiments die Interaktion zwischen realem und virtuellem Raum auf innovative und ästhetische Weise zu inszenieren.

In 4-monatigen Arbeitsphasen entwickelten Studierende gemeinsam mit der Studienrichtung „Digital Media and Experiment" der FH Bielefeld und dem "Gamelab" der ENSAD Nancy verschiedene Formate wie experimenteller Zeichnung, VR/AR Experiences, interaktiven Environments und Video- und Klanginstallationen.

Die Ausstellung wurde in Partnerschaft mit der FH Bielefeld und der ENSAD Nancy konzipiert. Das Projekt wird vom Deutsch-französischen Jugendwerk im Rahmen des Projektaufrufs "Digital ganz nah" unterstützt. 

 

Teilnehmende Studierende

Julia Dolipski, Katharina Ephan, Laura Hiebert, Janice Jensen, Maximilian Lahr, Christine Papst, Katrin Ribbe.

 

PERCEPTIVE MACHINES

Julia Dolipski, Master
Generative Animation, 8:00 min

Wenn alle Menschen zuhause sind und die Innenstädte leer bleiben, was beobachten die Überwachungskameras? “The Inner Life of Perceptive Machines“ zeigt, wie es aussehen könnte, wenn gelangweilte Algorithmen beginnen, Menschen herbeizufantasieren, wo keine Menschen sind. Durch die Augen des Algorithmus erwacht das menschenleere Nancy zu neuem Leben. Aufnahmen aus Google Street View werden mit einer Technik namens “Deep Dream“ in ein traumartiges Szenario verwandelt, in dem sich allerlei humanoide Wesen zu tummeln scheinen.

 

YOUR BIAS

Maximilian Lahr, Master
Interaktive Installation, 3:00 min

Abhängig von unseren Erfahrungswerten kategorisieren und bewerten wir andere Personen ganz unbewusst innerhalb weniger Sekunden. Diese Voreingenommenheit nennt man implicit bias. Es ist das Produkt von erlernten Assoziationen, die wir auf unsere Umwelt projizieren und dadurch eine verzerrte Realität erzeugen. Rassismus als System prägt gesellschaftliche Strukturen und nimmt dementsprechend Einfluss auf diesen Entwicklungsprozess. “The Inner Life of Your Bias“ ist eine interaktive Installation, die den Benutzer einlädt, seinen eigenen Bias zu entdecken. Mithilfe des Implicit Association Test, ein Messverfahren, das die Stärke der Assoziationen von einzelnen Elementen im Gedächtnis misst, wird ein Bias bestimmt. Dieser wird im übertragenen Sinne auf den Benutzer projiziert.

 

CYBER KNOWLEDGE

Christine Papst, Master
4-Kanal Videomapping, 3:30 min

Mit dem World Wide Web steht uns eine Wissensquelle unermesslichen Ausmaßes zur Verfügung. Doch macht uns das Internet dadurch auch zu klügeren Menschen? Die Videoinstallation “The Inner Life of Cyber Knowledge“ setzt sich ironisch mit der Frage auseinander, welche Informationen wir als wissenswert empfinden und Eintritt in unsere individuellen Filterblasen gewähren. Inspiriert von griechischer Vasenmalerei und Dada-Poesie repräsentieren die entstandenen Cyber-Vasen ein Stück zeitgenössische Online-Wissenskultur. 

 

A PHOTOGRAPH

Katrin Ribbe, Master
4-Kanal Videoinstallation, 0:00 min

“Dein Vater hat sein Leben lang daran gearbeitet, sich selbst zu enteignen.”, sagte ein Freund zu mir, als er den Bankrott meines Vaters mit der Enteignung meines Großvaters verglich.  Mein Großvater, ein Bauer aus Brandenburg, wurde 1945 von der Sowjetischen Besatzungsmacht, enteignet. Mein Vater hat als Rechtsanwalt und Notar Geld veruntreut, seine Lizenz und sein Geld verloren und eine 5-jährigeHaftstrafe verbüßt. Der Kommentar meines Freundes eröffnete eine neue Perspektive: Mein Vater war möglicherweise in die Fußstapfen seines Vaters getreten, um einen Kreis zu schließen. Als filmische Aufstellung belebt die Arbeit diese komplexe Familiengeschichte wieder und fokussiert die Natur des Suchens und den eigenen Standpunkt.

„The Inner Life of a Photograph“ ist eine Filminstallation, die für einen oder mehrere Räume entsteht. Im Fokus steht die eigene Familiengeschichte, die mit Mitteln von Film, Ton und Text in einer Rauminstallation neugeschrieben werden. Ausgangspunkt für die Arbeit ist die Frage nach Ähnlichkeiten und Unterschieden in der Praxis zwischen Familienportraitfotografie und systemischer Aufstellung.

 

HOME

Katharina Ephan, Bachelor
VR Animation, 4:00 min

Die VR Experience ist eine alleinstehende Auskopplung meiner Bachelorarbeit “k hbu”, die sich seit Anfang 2021 in Arbeit befindet. Teils autobiographisch erzählt “The Inner Life of Home“ von einem Mädchen namens Nico, die Zuflucht in einer digitalen Welt sucht, dann jedoch feststellen muss, dass diese sie und ihre Wahrnehmung negativ beeinflusst. Die virtuelle Realität verschwimmt mit der realen Welt. Nur indem sie ihr Zimmer verlässt, entflieht sie diesen negativen Einflüssen, die jedoch in ihrem Zimmer zurückbleiben. Zur Inspiration dienten die Herausforderungen in der Corona Pandemie, sowie eigene Erfahrungen mit psychischen Krankheiten und Bewältigungsstrategien für diese Stresssituationen.

 

DELUSION

Laura Hiebert, Bachelor
AR Installation

Wie entstehen Verschwörungstheorien? – Die Augmented Reality Installation beleuchtet ein Phänomen, das zur Zeit der Pandemie wieder aktuell geworden ist. In einem Anflug von Nostalgie werden die Besucher*innen in die gemütliche, häusliche Welt der US-amerikanischen 1950er Jahre mit ihren romantischen Mustern und bequemen Cocktailsesseln geführt. Sie werden dazu eingeladen, einfach Platz zu nehmen und den Raum auf sich wirken zu lassen oder mit ihrem Smartphone auf Entdeckungstour zu gehen. Mit der AR App „Artivive“ wird über dem Interieur eine alternative Perspektive sichtbar, bei der die scheinbar harmlosen Muster zu Spionen und Propagandamaschinen mutieren. Grundlage für die Animationen sind typische Wahrnehmungs-fehler der McCarthy-Ära, die zu einer Verleugnung von Fakten führten und empfänglich machten für Verschwörungstheorien.

 

MY STAIRCASE

Janice Jensen, Bachelor
Zeichnung, VR Animation, 1:30 min

Uns umgibt eine Welt, die in ihren Bestandteilen für alle dieselbe ist. Die Art, wie wir die einzelnen Teile wahrnehmen führt nicht zum selben Gesamtbild, obwohl etwas, was ständig in Bewegung ist, sowieso niemals zu etwas endgültigem wie einem Gesamtbild führen kann. Vielmehr ein kurzer Zwischenmoment, der vorbei geht, sobald wir genauer hinschauen.

Wie kann Zeichnung die unmittelbare Wahrnehmung unserer Umgebung abbilden und eigene Parameter im Raum setzen? Mit Hilfe einer „Drawing Machine” wird im Vorbeigehen zeichnerisch die Umgebung dokumentiert, welche im Anschluss in VR wieder in den dreidimensionalen Raum rückübersetzt wird und zeigt, wie unterschiedlich dasselbe sein kann.

 

 

Pressemitteilng des Goethe Instituts. ↗