FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
04.11.2019

Digitale Antworten auf Fragen der Gegenwart

Ausstellung „Real Time“ am Fachbereich Gestaltung eröffnet.

Auf einer weißen Wand steht der Schriftzug Real Time daneben hängt ein Bildschirm auf dem sich vier unterschiedlich gemusterte Kreise befinden

Bielefeld (fhb). Videoprojektionen an den Wänden, von Algorithmen „gezeichnete“ Bilder und VR-Brillen, die Besucher in digitale und andersartige Umgebungen führen. Die Ausstellung „Real Time“ am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld bietet spannende und neue Einblicke in Formen der digitalen Kunst. Rund 20 Seminarprojekte, darunter Konzepte und Prototypen für Chatbots, Voice Interfaces und Interaktive Installationen, Animationsclips und Musikvideos, sind im Galeriebereich im Gebäude in der Lampingstraße 3 zu sehen.

Bei den Installationen handelt es sich um studentische Arbeiten aus Seminaren der Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“ unter der Leitung von Prof. Claudia Rohrmoser und Prof. Florian Kühnle sowie Kommunikationsdesign unter der Leitung von Prof. Patricia Stolz. „Bei der Ausstellung stehen zwei Begriffe im Raum: Real – es geht um verschiedene und sich vermischende Realitäten; Time – es geht um das Erleben von Zeitabläufen, Dinge, die sich über die Zeit verändern; und Realtime, Echtzeit, was bedeutet, dass etwas ohne Verzögerung und zuverlässig auf veränderte Bedingungen reagieren kann“, erklärte Prof. Kühnle den Besucherinnen und Besuchern bei der Eröffnung der Ausstellung.

„Die Arbeiten lassen erkennen, dass die Studierenden daran interessiert sind, sich mit Themen auseinander zu setzen, die in Echtzeit stattfinden, auch im Sinne der Themen der Gegenwart. Animationen thematisieren Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung oder konsumistische Lebenshaltung, Installationen drehen sich um Chancengleich- und ungleichheit, Chatbots und smarte Interfaces beschäftigen sich mit der Technologisierung und Automatisierung unserer Lebenswelt und unseres alltäglichen, ‚natürlichen‘ Umgangs mit ihr“, so Kühnle.

Ein Beispiel für die Thematisierung von Ungleichheiten ist das Projekt „8bit“ von Lena Schäfferling. Die Masterstudentin im 5. Semester baute acht Spinde, die im Keller des Gebäudes in der Lampingstraße stehen, in verkleinerter Variante nach und zeichnete Aufkleber, Schriftzüge und Grafittis auf den Türen originalgetreu ab. Auf Knopfdruck der Besucherinnen und Besucher öffnet sich eine unterschiedliche Anzahl der Spindtüren nach dem Zufallsprinzip. „Die Türen stehen beispielhaft für die Privilegien, die wir genauso zufällig bei unserer Geburt zugeteilt bekommen“, erklärt Schäfferling. „Egal ob Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder auch das Land, in dem eine Person geboren wird. Und wie bei Spinden hat man den Schlüssel, das Privileg oder nicht.“ Hinter den Spindtüren befinden sich Zeichnungen, welche die „Global Goals“ der Vereinigten Nationen symbolisieren, wie der freie Zugang zu Bildung, Wasser oder Arbeit für jeden Menschen. Der Name 8bit leitet sich dabei von digitalen Verschlüsselungstechniken ab, die ebenfalls Zugang gewähren oder verweigern, abhängig davon ob man den entsprechenden Schlüssel besitzt oder nicht.

Die Studentin freut sich über die neuen Möglichkeiten, die mit der Studienrichtung „Digital Media and Experiment“ an der FH Bielefeld entstanden sind. „Ich bin eigentlich Zeichnerin, hatte aber schon immer Interesse am Programmieren. Auch das Feld der Animation wird für mein Berufsfeld immer wichtiger“, erklärt sie. Seit dem Wintersemester 2019/2020 bietet die FH Bielefeld die Studienrichtung „Digital Media and Experiment“ am Fachbereich Gestaltung an. Die Studienrichtung lotet gestalterisch-künstlerische Möglichkeiten aktueller und entstehender Medienformen aus und sucht neue Positionen mit digitalen Gestaltungsmitteln. Dabei nähert sie sich den Lösungen mit einer experimentellen und ideengetriebenen Herangehensweise an: Wie können interaktive multimediale Installationen heute funktionieren? Welche Storys und welches Wissen werden wir mit immersiven Medien wie Augmented, Mixed und Virtual Reality erlebbar machen?

Die Ausstellung „Real Time“ ist noch bis zum 5. November, mit Ausnahme von Allerheiligen und Sonntag, in der Galerie des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld in der Lampingstraße 3 zu sehen. (she)